Meine Erfahrungen aus Geoff Lawtons PDC 2.0 (Artikelserie): Gestaltungsmethoden Teil 1

Nach den beiden ersten, eher theoretischen Artikeln der Serie wird's nun praktisch. In diesem Artikel stelle ich Dir ein paar Methoden vor, die typischerweise in einem Permakultur-Design Zertifikatskurs gelehrt werden.

Worum geht's hier?

Ich mache gerade einen online Permakultur Design Zertifikatskurs bei dem australischen Permakultur Pionier Geoff Lawton.

In dieser Serie möchte ich das, was ich gelernt habe, mit Dir teilen. Hier lade ich regelmäßig Artikel zu ausgewählten Kursinhalten hoch, in denen ich für Dich das zusammenfasse, was ich von dem Kursinhalt für wichtig halte. Damit der praktische Teil nicht zu kurz kommt, werde ich versuchen, so viel Inhalt wie möglich mit meinen eigenen Projekten zu verknüpfen.

Im (englischsprachigen) Netz gibt es mittlerweile tonnenweise Videos, Podcasts und Blogartikel, die nachhaltige Lösungen, Techniken und Permakultur-Strategien rund um die Themen Gartenbau, Urban Gardening, Landnutzung und Landwirtschaft anpreisen.

Hochbeete, Swales, Bewässerungsteiche, Hügelbeete, Hühnertraktoren, Sheet-Mulching, Kräuterspiralen, Geodomes, Hydroponikanlagen, Waldgärten und und und.

Kennst Du das, wenn Du vor voller YouTube-Videos gucken eine ganze Wagenladung Ideen hast, die Du unbedingt umsetzen willst aber gar nicht so recht weißt, wie und wo Du anfangen sollst?

Damit Dir genau das leichter fällt, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Achtung, hier steckt viel viel Inhalt drin!

Dieser Artikel ist der bisher umfangreichste, den ich geschrieben habe. Hier steckt viel drin. Ich hab ihn deshalb in zwei Teile aufgeteilt und so geschrieben, dass Du ihn locker abschnittsweise lesen kannst, um die Methoden nach und nach auszuprobieren.

Das findest Du in diesem Artikel:

  • Eine Auswahl bewährter Methoden (z.B. Zonierung und Sektoranalyse), die in jedem Permakultur Design Zertifikatskurs vermittelt werden.
  • Eine Struktur, die Dir eine Schritt-für-Schritt Orientierung für Deine Projekte gibt.
  • Hilfreiche Fragen, die Dir helfen, die Methoden auf Deine Vorhaben anzuwenden.
  • Und ein paar meiner ersten eigenen Erfahrungen.

Mach Dir eine Kanne Tee (oder Eistee bei dem geilen Wetter ;)) und nimm Dir etwas Zeit. Los geht's :)!

Die Zutaten für ganzheitliche Planung und Gestaltung

Foto: Akhil Chandran

Kontext, Kontext, Kontext!

Darüber, wie wichtig Dein Kontext ist, habe ich schon im letzten Artikel geschrieben. Weil dieses Thema so wichtig ist, kann ich es gar nicht oft genug sagen. Deshalb hier nochmal:


Wenn Du ernsthaft etwas ändern willst, brauchst Du ein klares Bild Deiner Bedürfnisse, Vorstellungen, Ressourcen und Fähigkeiten


Die Motivation etwas ernsthaft nachhaltig, also dauerhaft positiv zu ändern, steckt in vielen von uns drin. Besonders in den Menschen, die auf Permakultur oder auf die Transition Town Bewegung gestoßen sind. Menschen wie Du und ich.

Viele von uns stecken voller Idealismus und Tatendrang. Aber was wollen wir damit überhaupt erreichen?

Warum beschäftigst Du Dich mit Permakultur? Beschäftigst Du Dich damit, weil es Dich fasziniert, weil es interessant ist und allgemein einfach "nice to know"/"gut zu wissen" ist?

Was willst Du mit den Gestaltungsprinzipien und Methoden anfangen? Welche Ziele willst Du erreichen?

Die Frage nach den Zielen, nach der Vision oder ganz allgemein nach dem Warum, ist die wohl wichtigste am Anfang von jedem Projekt.

Die Frage nach dem Warum ist auch die Frage, mit der sich die meisten Menschen meines Eindrucks nach erstaunlich schwer tun.

Foto: Evan Dennis

Wir machen viele Dinge einfach aus stumpfer Gewohnheit, ohne sie zu hinterfragen. Wir fragen selten danach warum wir etwas tun.

Die Frage nach dem Warum hat aber unglaublich viel Power, weil sie Dir Richtung gibt und Deine Motivation aufrecht erhält.

Kennst Du Dein Warum? Wie willst Du leben? Warum beschäftigst Du Dich mit Permakultur? Was willst Du damit erreichen?


Meine Ziele und mein Warum

Unser Wirtschaftssystem ist nicht zukunftsfähig. Es steuert Vollgas auf einen Kollaps zu. Auf einem Planeten, auf dem Leben in Kreisläufen funktioniert, haben wir uns von einer Art der Versorgung abhängig gemacht, die einer Einbahnstraße gleicht. Unsere Häuser, Siedlungen und Städte sind dafür ausgelegt, endlos von außen mit Energie, Wasser und Lebensmitteln versorgt zu werden.

Ich glaube, dass wir das ändern müssen. Ganz konkret bedeutet das für mich, Lebensräume zu zukunftsfähigen Kreislaufsystemen zu machen.

Deshalb beschäftige ich mich mit Permakultur. Ich halte sie für ein super Werkzeug um diesen Wandel zu gestalten.

Ich will ein aktiver Teil des Wandels sein und Menschen wie Dich dazu inspirieren, das auch zu sein. Ich will Dir dabei helfen, Wissen über Lösungen und Methoden für zukunftsfähige Gestaltung zu sammeln.

Wie schaut's bei Dir aus? Schreib's mir gerne in die Kommentare 🙂.


Ein Grund aus dem sich viele Menschen mit Permakultur beschäftigen, ist, sich einen Garten zu schaffen, der wenig Arbeit macht, in dem die Natur den Großteil der Arbeit erledigt und gleichzeitig mehr Nutzen für sie bringt.

Das können nur bewusst gestaltete Ökosysteme. Die entstehen aber leider nicht von heute auf morgen.

Ein wichtiger Schritt zu weniger Instandhaltung ist der Aufbau von sich selbst regulierenden Strukturen. Die brauchen natürlich zu Anfang viel Zeit und Arbeit. Von nix kommt halt nix ;).

Bis z.B. ein Waldgarten einen stabilen Zustand erreicht und nur noch eine Handvoll Stunden Aufmerksamkeit pro Woche braucht, dauert es locker sechs Jahre.

Bis dahin wirst Du zeitweise deutlich mehr Arbeit in den Garten stecken als zuvor.

Um Deine Gestaltungsziele zu erreichen, brauchst Du deshalb eine Planung, die ehrlich gegenüber Deinen (Zeit-)Ressourcen ist.

  • Wie viel Aufwand hast Du bisher mit Deiner Fläche?
  • Wie viel mehr Aufwand ist für Dich/Euch in Zukunft realistisch? 
  • Wie oft pro Woche bist Du dort?
  • Wie oft bist Du nur an bestimmten Stellen auf dem Gelände?
  • Wie lange werden Design und Umsetzung in etwa dauern?
  • Welches Wissen brauchst Du für eine erfolgreiche Umsetzung? 
  • In welcher Jahreszeit wirst Du am meisten Arbeit in die Fläche stecken müssen (z.B. Herbst oder Frühjahr wenn Du viele Bäume und Sträucher setzen willst) ?
  • Wofür wirst Du Geld brauchen?
  • Welche Ressourcen gibt es in Deinem Umfeld? Wer kann Dir helfen? Was kannst Du gratis oder geldlos bekommen?

Wenn Du ein zehn-Jahres Ziel hast, sollte Dein oberstes Ziel sein, in Jahr zehn anzukommen und nicht vorher zu scheitern, weil Du von Deinen Idealvorstellungen nicht abrücken kannst. Es geht nicht alles von Anfang an perfekt. Erfolgreiche Planung braucht auch Kompromisse.


Potpourri: Praxistips von Geoff Lawton und Bill Mollison

Im PDC 2.0 und im Designers Manual unterteilen Lawton und Mollison den Permakultur-Gestaltungsprozess in drei Phasen, die ich Dir hier kurz zusammen gefasst habe. Eins aber fehlt mir an diesem Modell: der Spaß.

Auf einem Permakultur-Seminar mit Judit Bartel und Stefan Schwarzer am Schloss Tempelhof, hat uns Judith das BADUZ (Beobachten, Analyse & Bewertung, Design, Umsetzen, Zelebrieren)-Modell vorgestellt. Die Idee, bewusst miteinander zu feiern, habe ich hier ergänzt.

1) Bedürfnisse, Ressourcen, Ideen und Fähigkeiten sammeln

  • Alle Beteiligte sind wichtig (Kinder, Freunde, Nachbarn).
  • Wie sind die Bedürfnisse jetzt und wie ändern sie sich in zehn oder 20 Jahren?
  • Erfasse alle Ziele und Ideen:
    • Wie passen diese mit den vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten zusammen?
    • Soll Dir die Fläche ein Einkommen sichern? Welche Produkte kannst Du in einem, in drei oder in sechs Jahren auf der Fläche produzieren?
    • Welche Ressourcen und Fähigkeiten fehlen? Wer hat sie und könnte mit Dir/Euch zusammen arbeiten?

2) Beobachtung und Master-Plan

Foto: Annie Spratt

  • Besorge Dir Karten, Satelliten/Luftfotos und finde heraus, wer etwas über die Geschichte und die vorige Nutzung der Fläche weiß.
    • Geh mit einer Karte und einem Notizblock auf das Gelände und mach Dir Notizen zu möglichen Plätzen für:
      • Wege und Erdarbeiten,
      • Gebäude, Wasserversorgung und Abwasserreinigung,
      • Energiesysteme,
      • Wald-, Pflanzen- und (Nutz-)Tiersystemen.
    • Berücksichtige bei allen Notizen das Gefälle, die geeigneten Bodentypen und die bestehende Landschaftsform.
    • Wo gibt es offensichtliche Probleme (z.B. Erosion, Feuer/Überflutung vorbeugen)? Welche davon haben Priorität?
  • Welche lokalen Ressourcen (Fähigkeiten und Materialien) gibt es? Was wächst besonders gut in Deiner Umgebung? Was nicht?

3) Korrekturen, Umsetzung und Anpassung

Foto: Himesh Kumar Behera

  • Wie passen die Ideen, Ziele und Beobachtungen zusammen? Wo braucht es Anpassungen?
  • Was kannst Du problemlos machen und wofür brauchst Du Genehmigungen?
  • Wenn Dir die Fläche ein Einkommen sichern soll, welche von Deinen Ideen für Produkte oder Dienstleistungen sind einzigartig in der Gegend?
  • Ist Dein Designvorhaben nicht nur ökologisch sondern auch sozial und wirtschaftlich nachhaltig? Ist Dein Vorhaben eine wertvolle Bereicherung für Deine Gegend? Wenn nein, wo hapert es?

4) Feiern

Foto: Maxime Bhm

Dieser Punkt erklärt sich wohl von selbst ;). Gemeinsam zu feiern schweißt Dich und alle Beteiligten noch ein Stück mehr zusammen. Wenn der Plan fertig ist und die Umsetzung ansteht, ist das ein genauso guter Grund zu feiern, wie das Bergfest oder das Projektende.

Sieben Werkzeuge für Deinen Master-Plan

Für den zweiten Teil des Artikels habe ich sieben Planungswerkzeuge ausgesucht, die in einem 72-Stunden Permakultur Design Zertifikatskurs vermittelt werden. Es geht u.a. um strukturierte Beobachtungen, Sektoranalyse, Zonierung, Input-Output Analysen und Design als kreatives Spiel (Random Assembly).

>> Hier geht's zu Teil 2: Sieben Werkzeuge für Deinen Master-Plan

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