Hühner im Garten (1/3)

Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Hühner als Nutztiere. Spätestens seit Geoff Lawtons Video „Chicken Tractor on Steroids“ bin ich begeistert von der Vielseitigkeit unserer gefiederten Kumpane. Leider wohne ich zur Miete im 1.Stock, die Vogelgrippe geht um und Hühner brauchen (theoretisch) die tägliche Anwesenheit des Halters. Alles Dinge, die ein mögliches Hühnerprojekt zu einer großen Herausforderung machen.

Dennoch komme ich von dem Thema nicht los und so habe ich mir das (laut Joel Salatin) beste Buch zu dem Thema gekauft: „The Small-Scale Poultry Flock“ von Harvey Ussery. Mit der nötigen Vorbereitung erhoffe ich mir, den Vermieter und die Nachbarn davon zu überzeugen, dass die Grünfläche hinter dem Haus ein prima Ort für ein Hühnergehege ist.

In diesem Artikel möchte ich schon mal die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Buch mit Euch teilen.

  • Wenn Du schon Hühner hast, dann steckt hier hoffentlich noch das ein oder andere Goldstück drin.
  • Wenn Du noch keine Hühner hast, dann ermutigt Dich dieser Artikel vielleicht, Dir welche anzuschaffen.

Die Erkenntnisse im Überblick:

  1. Hühner: Vor- und Nachteile

  2. Die Ethik von Legehennen

  3. Wie fange ich an?

  4. Das Hühnerhaus

  5. Tiefstreu

  6. Der Auslauf

  7. Futter

  8. Hühner im Arbeitseinsatz

 

 

1. Hühner: Vor- und Nachteile

Joel Salatin beschreibt Hühner als die idealen Vorbilder: „Sie stehen bei Sonnenaufgang auf, arbeiten den ganzen Tag und gehen mit der Sonne wieder schlafen.“ Darüber hinaus legen sie noch Eier und man kann sie essen.

 

Vorteile

Nachteile

  • Sie legen Eier
  • Man kann ihr Fleisch essen
  • Sie verwerten Essensreste
  • Sie sind unschlagbar in der Bodenvorbereitung für neue, oder unkrautüberwucherte Beete
  • Ihr Mist ist guter Dünger
  • Sie können den Kompostprozess beschleunigen und verbessern
  • Sie fressen Insekten
  • Sie sind schön anzuschauen
  • Hühner sind von allen Nutztieren am einfachsten zu halten
  • Eigene Hühner sind ein großer Schritt in Richtung Selbstversorgung und Nahrungsmittelstabilität
  • Hühner können ein wichtiger Teil der Kreisläufe in Deinem Permakultur-System sein
  • Eine tägliche Kontrolle von Wasser, Futter und Nistboxen ist wünschenswert.
  • Es werden hauptsächlich Hennen gebraucht. Was ist mit den Brüdern?
  • Das Futter kostet Geld
  • Der Aufwand (finanziell und Eigenleistung) ist vermutlich größer, als für Supermarkteier
  • Wer auch Hähne halten will, sollte die Nachbarn vorher um Erlaubnis fragen
  • Die Legeleistung von älteren Hennen lässt stark nach → durchfüttern, oder schlachten?

 

Fast jeder dieser Punkte rechtfertigt ein eigenes Kapitel, daher nur so viel:

Laut Ussery sind sowohl Eier, als auch Fleisch von artgerecht gehaltenen Hühnern dem Massenprodukt geschmacklich und qualitativ dermaßen überlegen, dass es als einziges Argument für eigene Hühner ausreicht.

Außerdem sei Dir dessen bewusst, dass selbst Bioeier aus dem Supermarkt ein Massenprodukt sind. Die Einhaltung von Mindeststandards der EG-Bioverordnung ist nicht gleichbedeutend mit glücklichen Tieren und außergewöhnlich guten Produkten.

2. Die Ethik von Legehennen

 

Nein es geht hier nicht um Hennen, die in Ausschüssen sitzen und über Ethik diskutieren. Es geht hier um die Problematik, dass für die Eierproduktion nur die Weibchen nötig sind. Aus 100 ausgebrüteten Eiern schlüpfen aber nur etwa 50 Hennen. Der Rest sind Männer!

In der Regel werden diese männlichen Küken noch am Tag ihrer Geburt getötet. Heutzutage sind die sogenannten Legerassen nämlich dermaßen schlecht in der Fleischproduktion, dass niemand auf die Idee käme sie zu mästen.

Eine Alternative zu diesem Kinder-Massenmord sind sogenannte Mischrassen. Sie legen zwar nicht so viele Eier wie die Hochleistungs-Legerassen, aber werden muskulös und schwer genug, um am Ende ihres Lebens als Sonntagsbraten Verwendung zu finden. Informationen über die verschiedenen bewährten Rassen Deiner Region findest Du beim örtlichen Geflügelzüchterverein.

Bekommst Du also 50 „unsortierte“ Küken einer solchen Mischrasse, so kannst Du die (statistischen) 25 Hähne separat von den Hennen mästen. (Bis auf 1-2 glückliche Hähne, die mit zu den Legehennen dürfen)

Sollte das Krähen ein Problem sein, frag den Geflügelzüchter Deines Vertrauens. Er kann Dir wahrscheinlich eine Rasse anbieten, deren Hähne erst spät anfangen zu krähen. So kannst Du die Hähne mästen und schlachten, bevor sie überhaupt anfangen zu krähen.

Ich sehe ein, dass es ethisch jetzt auch nicht einwandfrei ist, 4-5 Monate alte Hähne zu schlachten, weil sie sonst zu viel Lärm machen, aber besser als Kinder-Massenmord ist es allemal.

Alternativ kann man auch ausgediente – d.h.: 2-Jährige – Legehennen aus einem Legebetrieb nehmen. Nach dem Motto „Die sind ja eh schon da, dann kann man ihr (noch ganz ordentliches) Legepotenzial doch auch noch weiter nutzen.“

Die werden nämlich sonst auch geschlachtet und landen wahrscheinlich als Tiermehl in irgend einer anderen (oder der gleichen) Massentierhaltung.

Diese Lösung hat für mich zwei Knackpunkte:

  • Hennen aus Legebetrieben sind psychisch und physisch den Anforderungen eines Hühnerlebens „Permakultur- Style“ nicht so gut gewachsen, wie ihre robusteren Kolleginnen.

  • Das „Brudermord-Problem“ wird dadurch keineswegs gelöst. Decken wir nämlich alle unseren Eierbedarf mit eigenen Hühnern, ist diese Lösung nicht mehr durchführbar und wir stehen wieder vor dem Problem, wo denn die ganzen Hennen herkommen sollen.

Man kann aber jetzt echt nicht alle Probleme auf einmal lösen und diese Lösung – ja selbst der Erwerb von ausschließlich Junghennen – ist m.E. besser, als Eier aus dem Supermarkt zu kaufen und damit die industrielle Landwirtschaft zu unterstützen.

Im Übrigen sind die Eier von Hochleistungs-Hybridhühnern bei gleichem Futter von gleicher Qualität, wie die von den alten Rassen. Die Tiere sind nur nicht ganz so „fit“.

3. Wie fange ich an?

Am Anfang steht die Planung. Stell Dir die Frage, wie viele Eier Du und deine Familie, Nachbarn, Freunde etc. pro Tag benötigt. Ussery gibt als Daumenregel an, dass man ca. 2 Eier am Tag von je 3 Hennen bekommt.

Wenn Du also 4 Eier am Tag brauchst, reichen 6 Hennen – ungefähr.

Beachte außerdem, dass Du im Sommer mehr – und im Winter weniger Eier bekommst. Plane entsprechend.

Willst Du Deine 4 Eier auch im Winter, brauchst Du mehr als 6 Hennen (wie viele Du tatsächlich brauchst ist total von der Rasse abhängig – frag den Geflügelzüchter Deines Vertrauens) und die Möglichkeit, im Sommer (viel) mehr Eier zu verwerten.

Willst Du die Brüder mästen, plane für die doppelte Anzahl Hühner.

Offensichtlich bist Du auch durch die zur Verfügung stehende Fläche eingeschränkt. Du brauchst pro Vogel ca. 0,5m² Stallfläche (es geht auch weniger. s.u.) und 5m² Auslauf (je mehr, desto besser)

Hast Du Dich nun auf die Anzahl Hühner geeinigt, kannst Du anfangen, das Haus und den Auslauf zu gestalten. Hast Du genügend Platz, baue Dein Hühnerhaus großzügig, so dass Du deine Herde bei Bedarf einfach erweitern kannst.

Ist das Haus fertig eingerichtet (s.u.), ist der Auslauf eingezäunt (wenn erwünscht) und hast Du einen Vorrat an Futter, können die Vögel einziehen.

Du kannst:

  • befruchtete Eier kaufen und selber ausbrüten

  • Küken bestellen (ja mit der Post)

  • legebereite Hennen kaufen

  • „ausgediente“ Legehennen bekommen

Jede dieser Möglichkeiten hat Vor- und Nachteile, auf die ich hier aus Platzgründen nicht näher eingehen werde.

Wenn Du Dich für die Aufzucht von Küken entscheidest, bereite Dich gut vor. Küken haben höhere Anforderungen an Futter, Wasser, Wärme und Schutz als erwachsene Vögel. Die Fehlertoleranz ist hier sehr gering.

Für Bezugsquellen von Küken, oder jungen Hühnern, wende Dich an entsprechende Vereine aus der Region, frage bekannte Hühnerhalter, oder suche online. Obwohl es möglich ist, Küken und Eier per Post zu bestellen, halte ich es für Vorteilhaft, den Züchter regional zu wählen. So hast Du die Möglichkeit, Dir die Bedingungen vor Ort anzuschauen und mit der Züchterin zu sprechen. Außerdem stärkst Du so die regionale Wirtschaft und die Tiere sind an das lokale Klima angepasst.

Kaufe unter keinen Umständen Hühner mit gekürzten Schnäbeln! Diese grausame Praxis ist nur nötig, da die Tiere in konventioneller Massenhaltung so gestresst sind, dass sie sich ansonsten gegenseitig verletzen.

Laut Ussery führt der gekürzte Schnabel nicht nur zu einer Behinderung der Futteraufnahme bei naturnah gehaltenen Hühnern, sondern kann auch lebenslange chronische Schmerzen verursachen.

Für den Bezug von „ausgedienten“ Legehennen, frage bei örtlichen Legebetrieben mit Bio-, oder zumindest Freilandhaltung, um Hennen mit ungekürzten Schnäbeln zu bekommen.

4. Das Hühnerhaus

Das wohl wichtigste Element des Hühnerhauses ist eine ausreichende Durchlüftung. Hühner sind nicht notwendigerweise besonders kälteempfindlich, aber Feuchtigkeit vertragen sie äußerst schlecht.

Ussery beschreibt in seinem Buch Hühnerställe, bei denen die Vorderseite nur aus Drahtgitter besteht. Diese Ställe sind ausreichend in Pennsylvania mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich im Winter.

Sitzstangen und Nistboxen sollten aber vor Zugluft geschützt sein.

Womit wir bei zwei essentiellen „Einrichtungsgegenständen“ sind: Sitzstangen und Nistboxen.

Sitzstangen dienen den Hühnern hauptsächlich zum Schlafen. Da Hühner ursprünglich Waldvögel sind, ziehen sie sich zum Schlafen gerne nach oben zurück. Hühner fühlen sich wesentlich wohler, wenn sie auf irgend einer Form von Ast schlafen können.

Du brauchst pro Huhn 20-25cm Sitzstange. Die einfachste Bauform ist wohl eine Art Leiter, die schräg an der Wand lehnt und zwecks einfachem Ausmisten leicht zu entfernen ist. Als Material eignet sich alles, was den Hühnern ausreichend Halt bietet. Haselruten fallen mir spontan ein und Du findest sicher eine kreative Lösung, die für Dich passt.

 

Nistboxen sind der Ort, an dem die Hennen idealerweise ihre Eier legen. Ussery empfiehlt je eine Box pro 4-6 Hennen. Die Nistboxen sollten ausreichend Platz für ein Huhn bieten, aber nicht mehr. Ausgestattet mit reichlich trockenem Nistmaterial (Stroh o.ä.) bietet sie beste Voraussetzungen für saubere, heile Eier. Am Eingang zur Nistbox solltest Du eine ca. 10cm hohe Schwelle anbringen, damit das Nistmaterial nicht herausgescharrt wird. Das Dach der Box sollte schräg und glatt sein, damit die Hühner nicht auf die Idee kommen, auf der Box zu nächtigen und dieselbe vollzukoten.

Ich habe Designs gesehen, bei denen die Nistboxen wie ein Balkon aus der Außenwand des Hühnerhauses ragen. Dies hat den Vorteil, dass man nicht ins Haus muss, um die Eier zu sammeln.

Offensichtlich benötigst Du einfachen Zugang zu den Boxen, um die Eier einzusammeln. Ein Klappdach bietet sich gut an.

Pro Vogel sollte Dein Hühnerhaus laut Ussery 5sqft – also ca. 0,45m² Grundfläche haben, damit auch das erhöhte Mistaufkommen unterhalb der Sitzstangen von den Hühnern in der Tiefstreu „verscharrt“ werden kann. Wenn Du lieber regelmäßig Hühnermist schaufelst, reicht im Grunde auch der Platz, den die Tiere zum Schlafen und Eierlegen benötigen. Den Tag sollten und wollen die Vögel eh an der frischen Luft verbringen (strenge Wintertage mal ausgenommen – mehr dazu im Abschnitt „Auslauf“).

Eine Tränke kann im Haus sein – muss aber nicht. Der Vorteil, die Tränke im Haus zu haben, ist eine höhere Frostsicherheit. Der Nachteil ist eine größere Gefahr, dass die Einstreu im Bereich um die Tränke nass wird.

Eine tiefe Kiste mit Staub zum Staubbaden steht am besten drinnen.

Weiterhin benötigt Dein Hühnerhaus:

  • Fenster, damit die Hühner wissen, wann es Zeit ist, aufzustehen.
  • Zugang für Dich nach drinnen und für die Hühner nach draußen.
  • Tiefe Einstreu (siehe nächsten Punkt)

 

Eine gute Idee ist es, Fenster und Türen doppelt zu konstruieren. Eine Gittertür/-fenster und eine Winddichte Variante. Ähnlich einer Fliegengittertür an der Terrassentür.

Das Hühnerhaus hat die Hauptfunktion, die schlafenden Hühner vor Fressfeinden zu schützen. Daher auch die Gittertüren und -fenster. In Warmen Sommernächten ist es schön, für zusätzliche Lüftung sorgen zu können, ohne Kompromisse bei der Sicherheit zu machen. In kalten Winternächten hingegen sollte zusätzliche Zugluft (zusätzlich zum notwendigen Luftaustausch) vermieden werden.

Willst Du Tiefstreu im Haus verwenden (von Ussery unbedingt empfohlen), so ist es ratsam, nackte Erde als Boden des Hauses zu belassen. Allerdings ist dann evtl. zusätzlicher Schutz vor grabenden Fressfeinden, wie z.B.: Ratten nötig. Drahtgitter am Boden, oder eine unterirdische Barriere rund um das Haus bieten sich an.

Wenn Dir ein gerader Rücken wichtig ist, baue das Haus hoch genug, so dass Du aufrecht darin stehen kannst.

Wie in jedem Abschnitt dieses Artikels gibt es auch hier noch unendlich viel mehr zu lernen und tausende verschiedene Bespiele und Designs, von denen Du Dich inspirieren lassen kannst. Ich empfehle jeder, die sich nicht scheut, Sachbücher auf Englisch zu lesen, Usserys Buch. Ansonsten wird Dir ein Gespräch mit einer erfahrenen Geflügelhalterin wahrscheinlich mehr helfen, als alles, was ich hier noch schreiben könnte.

 

 

 

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13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Gefällt mir gut, der neue Blog. Ein paar Anmerkungen: Haselruten eignen sich vielleicht für kleine Hühner, obwohl auch die dickere Äste brauchen,. und schwere Hühner wie Zwienutzungsrassen sowieso, etwas kantigere mit abgerundeten Ecken sind besser. Die Stangen sollten besser auf einer Ebene sein. Nackte Erde ist nicht ratsam, auch nicht bei Tiefstreu, ein Kotbrett oder Kotkasten aber sehr. Hühner die völlig frei laufen, wirken desaströs, wenn sie an Beete gelangen können. Da braucht es Zäune. Und Vogelgrippe is ja genannt. In D kommt man nicht drumrum, Aufstallung gleich einzuplanen. Am besten eine Kaltscharre, die ist auch gut für Hühner, die im Winter Schnee nicht so mögen. Bin froh, dass der Chickentractor nicht genannt wird. Außér für Jungvögel ist die Haltung m.E. deutlich zu eng und nicht artgerecht. Jedenfalls die Kleineren Formen.

    1. Hallo Christian,

      danke für Deine Anmerkungen. Dazu habe ich gleich ein paar Fragen.
      Was ist eine Kaltscharre? (meine Hauptquelle ist auf englisch 😉 )

      Warum ist nackte Erde Deiner Meinung nach nicht ratsam? (Der Autor spricht sich dafür aus, weil dann das Bodenleben den Kompostprozess und die positiven Eigenschaften der Tiefstreu fördern kann)

      Warum sollten die Stangen auf einer Ebene sein? (Ich hoffe, ich beanspruche Dich nicht zu sehr, aber ich freue mich immer über neue Infos)

      DIe Anmerkung unten mit den kleineren Hühnern finde ich sehr schön. Daran habe ich gar nicht gedacht. Danke für die Aufklärung.

      Ein Kotbrett ist laut Ussery nicht notwendig, wenn man pro Vogel ~ 0,5m² im Hühnerhaus mit Tiefstreu berechnet. Die Vögel sollen dann den Mist unter den Stangen auch mit in die Streu einarbeiten können. Hast Du da andere Erfahrungen gemacht?

      Zu Hühnern im (Gemüse-) Garten komme ich noch im zweiten Teil des Artikels. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass man Hühner im Garten frei laufen lassen kann.

      1. Warum nicht nackte Erde? Warum ein Kotbrett oder einen Kotkasten? Beide Fragen hängen zusammen. Wenn du 0,5 qm pro Huhn rechnest, hast du z.B. 5 qm für 10 Hühner, was eine gute Größe ist, wenn man täglich 2-5 Eier will – auch im Winter. Ist man nicht gewillt, die Hühner nach 2 Jahren zu schlachten, dann natürlich noch deutlich mehr. 10 Hühner machen ein Menge Mist – so viel, dass unter dem Schlafplatz, der nur 2 qm misst, weil die Hühner zusammen sitzen, besonders im Winter, täglich geräumt werden muss. Theoretisch ist ein Kotkasten unterwärts denkbar. Nur ist meine bisherige Erfahrung, dass der Kot an ziemlich jedem Gitter kleben bleibt und es recht schnell verstopft. Er ist ziemlich trocken und klebrig. Und er stinkt und sorgt für Fliegen. Also meine ich, dass er raus muss, wie bei so ziemlich jedem Tier. Die Tiefenstreu ist trotzdem gut. Sie schafft tasächlich den Kot, den die Hühner in der wachen Zeit im Stall nicht auf den Stangen fallen lassen. Das ist aber auch nicht so viel. Ein richtiger Boden mit Unterbau schützt Hühner und Stall vor Mäusen, vor der Kälte und Bodennässe. Die Tiefenstreu solte trocken bleiben, weil Hühner kühle Nässe nicht gut vertragen. Das ist ein weiterer Grund, weshalb die Hauptlast des Kots nicht da sein solte, wo sie laufen. Theoretisch könnte man denken, der Kotkasten könnte den Kot gleich nach außen führen. Wie aber dann Zugluft vermeiden, die Hühner nicht vertragen?

        Hühner sind keine einheimischen Tiere, sie können sich auch nicht voll an unser Klima anpassen. Anders als bei Enten besteht auch keine Gefahr, dass sie sich auswildern und überleben. Sie halten den Winter nur mit kräftiger Zufütterung aus. Denn geau wie bei uns ist dann ihre Energiebilanz verheerend. Ihnen fehlt die Dämmung mit Daunenfedern. Sie kommen halt (wie wir) aus deutlich wärmeren Gegenden.

        Warum Stangen auf einer Ebene? Dann ist in der Nacht halbwegs Ruhe vor Rangordnungskämpfen. Höhere Stangen laden dazu ein, die Rangordnung in einer Sitzordnung abzubilden.

        Im übrigen Wiederholung: ich finde eure bisherigen Artikel sehr gut. Für Hühnerhaltung empfehle ich auf jeden Fall auf die üblichen Hühnerhaltunsbücher. Mir gefält sehr „Hühner in meinem Garten“, das aus zwei früheren Büchern besteht. Eins davon ist Wilhelm Bauers „Hühnerställe bauen“.

        1. Hallo Christian,

          vielen Dank für Deine vielen Anmerkungen und Antworten. Eine solch rege Beteiligung hatte ich mir erhofft. Vielen Dank auch für Dein Lob.

          „Hühner in meinem Garten“ ist ein sehr gutes Buch mit vielen praktischen Tips. Besonders zu den verschiedenen Haushuhnrassen und zum Bau von Hühnerställen übertrifft es Usserys Buch noch. Trotz meiner Anmerkungen unten kann ich es nur empfehlen. Alles Wichtige wird dort besprochen.

          Da dies ein Blog über Permakultur ist, habe ich mich dennoch für das englische Buch entschieden, da Ussery seine Geflügelherde als integralen Bestandteil in sein Hofkonzept einbindet. Dinge wie: Hühner als Helfer im Garten, als Helfer beim Kompostierungsprozess, oder ein integriertes Futterkonzept sucht man in „konventionellen“ Hühnerbüchern vergebens.

          Zu den wirklich interessanten Punkten komme ich im zweiten Teil des Artikels.
          Ich bezweifle allerdings, ob ich den noch vor Weihnachten fertig bekomme. Als Anfänger im Bloggen überschätze ich wohl noch meine Schreibleistung 🙂
          Im zweiten Teil steckt sehr viel drin und ich möchte dies auch gerne vermitteln.

          Daher seid mir bitte nicht böse, wenn es erst im neuen Jahr einen neuen Artikel gibt. Weihnachten steht an, mit Familie etc. Da werde ich nicht so viel zum Schreiben kommen.

          Habt ein Schönes Fest und einen guten Übergang ins neue Jahr

          Moritz

      2. Eine Kaltscharre ist eine überdachte Voliere. Ist sie mardersicher, können die Hühner rein und raus wie sie wollen. In Vogelgrippezeiten können sie raus, ohne dass Provisorien aufgebaut werden müssen, die nur schlecht Winterwetter und Sturm standhalten.

  2. Zu den Zwienutzungsrassen: Das Kalkül ist deutlich komplizierter. Nehme ich schwere Rassen, die auch ganz gut Eier legen (Zwienutzung), habe ich zwar nach ein 2-3 Monaten schon größere Hähne, muss aber auch jahrelang größere Eierlegerinnen durchfüttern. Am Ende kann es besser sein, kleinere Tiere zu halten, wenn es nicht gerade Zwergformen sind. Diese haben nach einige Monaten auch zwischen 1 und 2 kg ohne Eingeweide drauf. Hähne können lange miteinander gehalten werden, bis sie zu aggressiv werden. Die Bilanz istz vermutlich vei solchen Hühnern und Hähnen besser.

  3. Hi, ich habe auch noch ein paar Tipps. Ich halte seit Anfang April 10 Sundheimer Hühner (7 Hennen und 3 Hähne). Die Hennen haben erst nach 7 Monaten mit Legen angfangen, aber ws. saisonbedingt etwas später.. Es sind sehr schöne, friedfertige und ruhige Hühner. Die Tiere haben schon angefangen das brachliegende Tomatenbeet umzujäten und zu düngen. Nebenher kompostiere ich den im Stall anfallenden Mist. Ich habe schräg installierte Kotbretter, von denen der Nachtmist direkt in die Kottöpfe (alte Blumentöpfe) rollt, bzw. von mir alle 2-3 Tage reingeschoben wird. Ich streue auch mit Walnusslaub den Stall ein, das wirkt gut gegen Ungeziefer und Geruch, kostet nichts und hält bei mir etwa 3-4 Wochen, je nachdem wie oft die Hühner rauskommen. Demnächst wollt eich auch Holzkohlestückchen dazumischen. Wie es mit den Hähnen weitergeht wird sich zeigen, es heisst ja der dritte Hahn sorgt für Ruhe, wenn zwei sich streiten (kann ich teilweise bestätigen), auf jeden Fall sind sie riesig und würden bestimmt einen guten Braten abgeben… In punkto Autarkiegedanken müsste man das Futter natürlich auch selbst anbauen. Bei 100-120g täglich pro Huhn, muss man mit 300-400kg Getreide im Jahr rechnen, da braucht man schon einen kleinen Acker für… das wäre zumindest mein Plan fürs nächste Jahr..

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