Permakultur in Rheinland-Pfalz: Keyline-Design auf der Bannmühle

Permakultur Rheinland-Pfalz Bannmühle

Laute Geräusche aus der Produktionshalle. Gerade ist Apfelsaison und das heißt vor allem: viel Arbeit, trotz vergleichsweise geringer Erntemenge in diesem Jahr. Auf der Bannmühle in Odernheim am Glan (Kreis Bad Kreuznach) in Rheinland-Pfalz wird Permakultur in der Praxis erlebbar. Unter anderem werden verschiedene Säfte in Bioland-Qualität gepresst und abgefüllt. Der Apfelsaft kommt aus Äpfeln aus eigenem Anbau und auch viele von Hans' Bioland-Kollegen bringen ihre Äpfel zum pressen in seine Kelterei.

Hans Pfeffer bei der Arbeit. Copyright Hans Pfeffer Bannmühle Odernheim am Glan

Außer Säften produziert der Bauer, Hans Pfeffer, aber auch Rindfleisch einer bedrohten Nutztierrasse, den Glanrindern, die er auf seinen umliegenden Weiden in ganzjähriger Freilandhaltung hält. Sein Ziel ist, das Gras im Winter auf dem Halm zu lassen und die Rinder direkt damit zu ernähren, anstatt daraus SIlage herzustellen und später zuzufüttern. Das Fleisch soll sehr wohlschmeckend sein - ich als Vegetarier kann das zwar nicht aus erster Erfahrung bestätigen, sehe aber dass das Fleisch von guter Qualität ist, wenn Hans es zubereitet.

Glanrinder | Copyright Hans Pfeffer Bannmühle Odernheim am Glan

Erst im Mai waren wir mit meiner Basisjahr-Gruppe zum Themenkurs "Permakulturgestaltung auf großen Flächen" vor Ort und konnten uns einen Eindruck der Weiden verschaffen. Der Bauer Hans gab uns dort auch einen Input zum Thema Keyline-Design und wie er es umsetzen will. Aber was ist das überhaupt?

Permakultur-Keyline-Design auf Hans' Weiden

Das Keyline-Design ist eine Methode mit der Niederschlage und sich sammelndes Wasser aus den Bergtälern auf die Bergkämme transportiert werden kann. Hierfür werden mit einem speziellen Pflug enge Furchen in einer bestimmten Form in die Weide gezogen.

Permakultur Rheinland-Pfalz Keyline-Design
Permakultur Rheinland-Pfalz Keyline-Design
Permakultur Rheinland-Pfalz Keyline-Design

Bilder Copyright Hans Pfeffer Bannmühle

Erfunden wurde die Methode vom australischen Landwirt und Ingeniur P.A. Yeomans in den 50er Jahren. Durch die Anwendung dieser Methode können Wiesen und Felder fruchtbarer gemacht werden, da sich das Wasser gerade auf Hügeligen Gebieten besser verteilt und so weniger karge oder zu feuchte Stellen entstehen.

Insgesamt steigt also die Produktivität der Weiden, es können mehr Rinder direkt vom Gras leben und es muss weniger zugefüttert werden. Durch den entstandenen Raum im Boden haben die Weidepflanzen (Gräser, Kräuter) die Möglichkeit, Tiefenwurzeln auszubilden. Dadurch haben sie einen besseren Wasser- und Nährstoffzugang. Außerdem erhöht sich die Dichte des Bewuchses - die physische Menge der Weidepflanzen erhöht sich also auch. Durch die größere Wurzelmenge kommt es auch zu einer erhöhten Einlagerung von CO2 - in Zeiten des Klimawandels ein nicht zu unterschätzender Effekt. Denn Weideflächen sind große Kohlenstoffsenken.

Zusätzlich können an den enstandenen Linien auch Gehölze gepflanzt werden, die von den besseren Bewässerungsverhältnissen profitieren. Hans plant bereits eine eigene kleine Baumschule, um das konkret umzusetzen. Hierzu gibt es bald auch noch einen Artikel. Das folgende Video erklärt die Art und Weise, wie der Wasserfluss verändert wird nochmal genauer:

Das Definieren der Keylines - Permakultur in Planung

Bevor Hans anfangen konnte, die Furchen in den Boden zu ziehen, mussten erstmal die Keylines geplant werden. Hierfür hat er sich mehrere Pläne von seinem Grundstück ausdrucken lassen und dann mithilfe der auf dem Plan eingezeichneten Höhenlinien die Keylines definiert. Hans geht hier bewusst intuitiv vor - er kennt seine Weiden seit mehreren Jahrzehnten und hat ein gutes Gespür dafür bekommen. Alle anderen sollten jedoch mit genauerem Maß und am besten GPS-gestützt bei der Definition der Keylines vorgehen. In diesem Artikel werde ich aufgrund der Komplexität des Themas nicht genauer darauf eingehen wie die Keylines und Keypoints genauer gesetzt werden. Hier aber die Ergebnisse von Hans' Planungen:

Permakultur Rheinland-Pfalz Keyline-Design

Die Umsetzung

Bevor jedoch die Furchen gezogen werden konnten, musste Hans einen Pflug eigens dafür umrüsten. Der Boden soll nämlich nicht gepflügt, sondern nur eingeschnitten werden. Im Untergrund sollen langfristige Kanäle entstehen, durch die das Wasser sickern kann. Dafür braucht es Pflugscharen mit etwas breiteren Füßen am unteren Teil und dünnen Aufhängungen am oberen Teil, die den Boden nicht beschädigen.

Eigentlich hat Yeomans einen eigenen Pflug entworfen, den "Yeomans Plow", der extra für das Ziehen der Furchen entwickelt wurde. Allerdings kostet der ziemlich viel Geld und kann mit von einem erfahrenen Landmaschinenmechaniker relativ einfach in seiner Funktion selbst gemacht werden.

Im Anschluss steckte Hans mit zwei Teilnehmern aus unserer Basisjahr-Gruppe dann die Keypoints auf dem Berg aus denen sich dann die Linien ergaben, die er abfahren musste. Fertig waren die Furchen im Boden, wie sie oben auf den Bildern zu sehen sind.

Das Ergebnis

Bisher lässt sich noch keine abschließende Bilanz ziehen - dafür ist der Eingriff (Mai 2019) noch zu frisch. Hans hatte aber zumindest an einer normalerweise zu feuchten Stelle seiner Wiese weniger Feuchtigkeit als in den letzten Jahren. Wie sich die Keylines langfristig und vor allem in trockenen Jahren auswirken, lässt sich aber erst nach einigen Jahren sagen. Gegebenenfalls muss Hans auch noch einmal nacharbeiten oder die Furchen neu ziehen, falls sie sich wieder zusetzen sollten. Auf der Ergebnis bin ich jedenfalls gespannt - ich halte auch hier auf dem Laufenden!

Titelbild: Bannmühle Odernheim am Glan | Copyright Hans Pfeffer

Über den Autor:

René Franz, Jahrgang 95. Ich studiere Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Mainz. Seit 2018 mache ich die Weiterbildung zum Permakulturgestalter an der Permakultur Akademie Deutschland.
Kontakt: rene@permakulturblog.de

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