Wie Du Dein Gewächshaus ganzjährig nutzen kannst

Im September haben Moritz und ich einen 300 m2 großen Kleingarten übernommen. Neben einem Geräteschuppen inklusive Komposttoilette gehört auch ein Gewächshaus dazu. Vor knapp vier Wochen, an einem der letzten sonnigen Novembertage, ernteten wir die letzten Gurken, Chilis und Tomaten aus dem 6 m2 großen Gewächshaus. Nachdem die abgetragenen Pflanzen alle abgeschnippelt waren, sah das Häuschen traurig leer aus.

Und jetzt? Drei oder vier Monate Leere in einem windgeschützten Kunststoffglaskasten? Auch wenn wir hier oben von November bis Februar nur zwischen 1,3 und 2,4 Sonnenstunden pro Tag bekommen, kann sich das Gewächshaus immerhin für ein paar Stunden am Tag aufheizen.

Wäre es nicht eine blöde Verschwendung, dieses Potenzial nicht zu nutzen? Da geht doch bestimmt was…

Das Problem

Im Winter verlangsamt die Kombination aus kurzer Tageslänge und tiefen Temperaturen das Pflanzenwachstum enorm. Hinzu kommen oft regional und saisonal unterschiedliche Windrichtungen, die plötzlich eisig kalte Winde aus dem Norden oder Osten in den Garten pusten können. Hier bei uns in Flensburg sind das im Februar ab und zu frostige Winde, die von Russland aus zu uns rüber wehen. Auch wenn wir hier zwischen zwei Meeren wohnen, können es bei diesen Winden auch schon mal -15ºC werden.

Wie geht man also im Gewächshaus mit diesen winterlichen Widrigkeiten um? Antworten habe ich in Eliot Colemans Buch „Handbuch Wintergärtnerei“ gefunden. Eine Buchrezension inklusive Link zum sozialen Buchhandel Buch7.de findest Du übrigens bei experimentselbstversorgung.net.

Die Lösungen

Coleman beschreibt in seinem Buch verschiedene Konzepte der Wintergärtnerei (Folientunnel, Frühbeete, mobile Gewächshäuser sowie kalte und frostfreie Gewächshäuser). In diesem Artikel beschränke ich mich auf kalte und frostfreie Gewächshäuser. Die ganzjährige Nutzung von Gewächshäusern war auch ein Themenvorschlag unserer Leserin Irene.

Bevor wir zu den vier wichtigsten Erfolgsfaktoren für die ganzjährige Gewächshausnutzung kommen, möchte ich noch die Begriffe kaltes und frostfreies Gewächshaus klären.

Das Kalthaus (kaltes Gewächshaus) 

Im kalten Gewächshaus kann es im Gegensatz zum frostfreien (geheizten) Gewächshaus durchaus frieren. Mit frosttoleranten Kulturen ist das aber kein Problem. Selbst bei Freilandtemperaturen von -19ºC beträgt die Temperatur in Colemans Kalthäusern -4ºC unter der Reihenabdeckung.

Frostfreies Gewächshaus (teilweise geheizt)

Hier wird alles angebaut, was keinen Frost verträgt. Wenn Du Platz für zwei Gewächshäuser hast, kann ein frostfreies Gewächshaus außerdem für die Anzucht von Sämlingen für das kalte Gewächshaus dienen. Coleman hat im frostfreien Gewächshaus lediglich eine Teilfläche mit einer beheizten Betonfläche ausgestattet. Diese wird auch zum Waschen und Verpacken der Produkte benutzt. Das Thermostat der Heizung ist auf knapp über 0ºC eingestellt. Um die Wärmeverluste zu minimieren sind die frostfreien Gewächshäuser mit aufblasbarer Doppelfolie ausgestattet. Über eine Pumpe wird Luft zwischen zwei Folien geblasen.

Ok, Zeit für’s Eingemachte. Die aus meiner Sicht wichtigsten Erfolgsfaktoren aus Colemans Methode habe ich hier für Dich zusammen gefasst.

Die vier wichtigsten Erfolgsfaktoren:

  1. Frostfeste Kulturen.
  2. Exakte Bestimmung der Aussaattermine.
  3. Richtige Ausrichtung und richtiger Standort des Gewächshauses.
  4. Abdeckung der Kulturen im Gewächshaus.

1. Frostfeste Kulturen und frühe Aussaattermine 

Spinat ist Colemans Lieblings-Wintergemüse. Quelle: derkleinegarten.de

Frostfeste Pflanzen sterben bei Minusgraden nicht ab. Aber frostfest hat natürlich auch eine Grenze. Laut Coleman liegt die bei -9ºC für die meisten Winterkulturen.

Wolfgang Palme (City Farm Schönbrunn in Österreich und Autor des Buches Frisches Gemüse im Winter erntenschreibt außerdem davon, dass die wirkliche Frosthärte von Gemüsesorten kaum erforscht ist. Versuche an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Schönbrunn zeigen, dass die Frosthärteangaben vieler Gemüsesorten zu niedrig angesetzt sind. Der Asia-Salat Red Streaks wird z.B. mit einer Frosttoleranz von -5ºC angegeben, Palmes Versuche ergaben eine Frosthärte von -15ºC.


Ergo: Versuch macht kluch – welche Tiefsttemperaturen haben deine Wintergemüsesorten überstanden? Schreib mir gerne deine Erfahrungen in die Kommentare!


Wintergemüse-Mix für das Kalthaus

Hier habe ich Dir eine Liste für Winterkulturen erstellt, die Du den ganzen Winter über im Kalthaus ernten kannst:

Auswahl an Wintergemüse-Sorten für den geschützten Anbau im Kalthaus. Quelle: eigene Darstellung auf Basis von „Frisches Gemüse im Winter ernten“ von Wolfgang Palme.

Diese Liste ist natürlich nur ein Auszug. Für einen umfassenderen Einblick lege ich Dir Wolfgang Palmes Buch „Frisches Gemüse im Winter ernten“ ans Herz. Neben einem großen Anbau-und Erntekalender im Posterformat, enthält das Buch detaillierte Steckbriefe der besten Arten und Sorten für den Wintergemüseanbau.

2. Das richtige Zeitfenster für die Aussaat

Auch bei frostfesten Kulturen ist das Wachstum im Winter deutlich reduziert. Wenn Du den ganzen Winter hindurch ernten willst, musst Du die Aussaat gut planen. Das heißt: Im August beginnen und im ein- bis zweiwöchigen Rhythmus bis Ende Oktober aussäen. Damit stellst Du sicher, dass die Kulturen die im Winter deutlich langsamer wachsen, den nötigen Wachstumsvorsprung bekommen.

Bei einer Kultur die während der normalen Saison 40 Tage bis zur Ernte braucht (Ernte Mitte September), verdreifacht sich in etwa die Kulturdauer auf etwa 120 Tage, wenn Du im Hochwinter ernten möchtest.

Als Orientierung für den spätesten Aussaattermin nennt Coleman das Datum, an dem die Tageslänge in deiner Region auf unter 10 Stunden pro Tag sinkt. Praktisch bedeutet das, dass Du spätestens ca. 1 Woche vor diesem Datum aussäst. Bei Coleman ist dies der 31.Oktober, in Flensburg etwa der 15. Oktober. Die Tageslänge an Deinem Wohnort kannst du auf www.sunrise-and-sunset.com checken. Dieser späteste Aussaattermin zielt auf eine Ernte im Hochwinter (Mitte Februar) ab.

Hier habe ich Dir ein Diagramm hochgeladen mit dem Du Aussaat- und Erntetermine grob bestimmen kannst. Das Diagramm stammt aus Colemans Buch. Die Daten dafür haben er und seine Mitarbeiter auf der Four Season Farm über zwölf Jahre (1996-2008) gesammelt. Gültig sind sie damit für einen Standort in der USDA-Klimazone 5 (niedrigste Jahres-Temperatur -29ºC) auf 44º nördlicher Breite (4º südlicher als Freiburg im Breisgau).

Image from The Winter Harvest Handbook by Eliot Coleman, ©2009 by Eliot Coleman, used with permission from Chelsea Green Publishing (www.chelseagreen.com)

Im nächsten Abschnitt erfährst Du, wie Du die Daten für Deinen Standort annähern kannst.

Benutzung des Diagramms:

Das Diagramm gilt für eine Kultur die während der üblichen Saison eine Kulturdauer (Anzahl Tage zwischen Aussaat und Ernte) von 40 Tagen hat. Das Muster soll für alle Winterkulturen die Coleman bisher ausprobiert hat, sehr ähnlich sein. Das Diagramm ist deshalb nur eine grobe Orientierung.

Den Aussaattermin für z.B. eine Ernte am 14.Februar in einem Kalthaus bestimmst du so:

  1. Auf der Kalthaus-Linie suchst Du das gewünschte Erntedatum (14.2.).
  2. Von dort ziehst Du eine senkrechte Line nach unten. Auf der x-Achse (Kulturdauer in Tagen) findest Du dann die entsprechende Kulturdauer. In diesem Beispiel ca. 113 Tage. Wenn Du also am 14.Februar 2017 ernten möchtest, musst Du 113 Tage vorher aussäen. Bei Coleman wäre dies der 24.Oktober 2016 gewesen.
  3. Daten an deinen Standort anpassen: Schaue zuerst, wie Deine Tageslänge von der in Northport, Maine (Colemans Standort) abweicht. Für die meisten Standorte in Deutschland ist die Tageslänge im Winter deutlich kürzer. Wir müssen also ein paar Tage drauf rechnen. Da das späteste Aussaatdatum in Flensburg 16 Tage vor dem von Coleman liegt (siehe oben), ziehe ich 16 Tage von Colemans Datum ab. Für eine Ernte am 14.Februar 2017 hätte ich in Flensburg also am 08.Oktober einsäen müssen. Einen guten Tagesrechner findest Du auf timeanddate.de/datum/datumsrechner.

3. Richtige Ausrichtung und richtiger Standort

Um die Sonneneinstrahlung während der Wintermonate optimal auszunutzen, sollte die Längsachse Deines Gewächshaus von Ost- nach West verlaufen.

Den Standort wählst Du natürlich so, dass Dein Gewächshaus auch im Winter, wenn die Sonne tiefer steht, nicht beschattet wird.

Zwei Voraussetzungen die auf unser Gewächshaus dummerweise nicht zutreffen..

4. Die Abdeckung der Kulturen 

Innerhalb des Gewächshauses hast Du zwei Möglichkeiten. Je nachdem wie viel Platz und Zeit Du zur Verfügung hast, steht die Wahl zwischen:

  1. (Mist-beheizten) Frühbeeten und
  2. licht- und luftdurchlässigem Vlies als Reihenabdeckung

a) Mist-beheizte Frühbeete 

Frischer Mist ist die Fußbodenheizung für dein Frühbeet im kalten Gewächshaus.

Besorge Dir ein ausrangiertes Fenster und baue dazu einen passenden Holzrahmen ohne Boden. Coleman empfiehlt 5 cm dicke Planken, hinten 20 cm bis 30 cm hoch, vorne 15 cm bis 20 cm. Den Boden unter den Kästen schachtest Du 40 cm bis 50 cm tief aus und füllst das Loch mit frischem Pferdemist. Wenn das Loch keinen Kontakt zum Boden hat, schichte noch 5 cm bis 10 cm Laub oder Stroh in das Loch bevor Du den frischen Mist einfüllst. So beugst du Staunässe vor. Danach wässerst Du das ganze und wartest etwa drei Tage bis sich der Mist gesetzt hat. Zum Schluss füllst du das Beet mit ca. 15 cm der zuvor ausgehobenen Erde und arbeitest etwas Kompost ein. Fertig. Zeit zum Aussäen bzw. Bepflanzen. Außerhalb eines Gewächshauses soll so ein Mistbeet die Kulturen bis -4ºC frostfrei halten.

b) Licht- und luftdurchlässiges Vlies als Reihenabdeckung

Innere Reihenabdeckung im kalten Gewächshaus. Quelle: fourseasonfarm.com

Als Rahmen für die Vliesabdeckung bastelst Du am besten Drahtbügel. Coleman biegt diese aus 4 mm starkem und 195 cm langem Draht. Nach dem Biegen sind die Bügel mit 75 cm genau so breit wie die Beete. Die Bügel setzt er im Abstand von 120 cm. Das Vlies spannst Du schließlich über die Bügel und fixierst es mit Wäscheklammern. Fertig.


Rekapitulieren wir nochmal kurz und betrachten die Gestaltung von Colemans kalten Gewächshäusern durch die Permakulturbrille.

Genutzte Prinzipien:

Beobachten und Interagieren:

In der Natur gibt es viele essbare Pflanzen, die unter einer Schneedecke gut gedeihen. In Colemans kalten Gewächshäusern erfüllt diese Aufgabe ein licht- und luftdurchlässiges, leichtes flexibles Vlies.

Räumlich und zeitlich Stapeln:

Bedingt durch die immer kürzer werdenden Tage wird früh (viele Kulturen im August) und oft hinter einander ausgesät. Durch den kontinuierlichen Winteranbau erhalten die Mitarbeiter der Farm außerdem eine Weiterbeschäftigung über den Winter und die Kunden können das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgt werden.

Erneuerbare Ressourcen und Dienstleistungen nutzen:

Pferdemist diente Coleman in der Anfangsphase als natürliche Bodenheizung für die Frühbeete im kalten Gewächshaus.

Überschaubare und langsame Lösungen:

Angefangen hat alles mit ein paar Frühbeetkästen in einem über den Winter ungenutzten Gewächshaus. Coleman hat sein System über mehr als acht Jahre hinweg entwickelt, bevor er Anfang der 90er in die kommerzielle Produktion übergegangen ist. Wirtschaftlich wäre ein „von Anfang an Vollgasmodus“ auch ein zu großes Risiko gewesen.


Unser viel zu spätes Frühbeet-Experiment

Nachdem ich von Colemans Anfängen mit den Mist-beheizten Frühbeeten im kalten Gewächshaus las, juckte es mich stark unter den Fingern. Das wollte ich auch ausprobieren. Für unser kleines Gewächshaus schien es ein ideales Konzept zu sein.

Ein 120 cm x 71 cm großes Fenster (einfach verglast) hatte ich mir bereits vor ein paar Wochen beim Abriss der Nachbarlaube gesichert. Im Geräteschuppen lagen noch ein paar Regalböden vom Vorbenutzer herum und zwei Fahrradminuten vom Garten entfernt liegt ein Reitstall.

Die benötigten Materialen waren praktisch alle da.

Die schlechte Ausgangslage

Unser 6 qm großes Gewächshaus im Dezember. Die Tür zeigt nach Süden.

Abgesehen von den Materialien, sind alle anderen Voraussetzungen ungünstig. Das Gewächshaus ist entlang der Längsachse von Norden nach Süden ausgerichtet. Für den Winter- und Frühjahrsanbau wäre ein Ost-West Ausrichtung deutlich besser. Durch die angrenzenden Bäume liegt das Gewächshaus im Winter außerdem schon ab 14:30 Uhr komplett im Schatten. Hinzu kommt, dass die Eingangstür auf der Südseite liegt und nur mit einer transparenten Kunststofffolie bespannt ist. Diese Folie lässt deutlich weniger Licht durch als die standardmäßigen Doppelstegplatten für den Gewächshausbau.

Das aller aller Ungünstigste sind aber die Aussaattermine. Für einen erfolgreichen Winteranbau sollte man die Winterkulturen ja zwischen August und September aussäen um das langsame Wachstum während der Wintermonate auszugleichen.

Meeeeeeeeeep dachte ich mir. Die Anfangseuphorie war deutlich gebremst.

Egal. Wir haben das Frühbeet trotzdem gebaut. Das Loch für den Pferdemist haben wir etwa so groß wie den Frühbeetkasten gewählt, 40 cm tief ausgehoben und ca. 50 cm hoch mit Mist gefüllt. Danach haben wir das ganze mit der Forke verdichtet, etwas gewässert und den Frühbeetkasten oben drauf gestellt. Nach vier Tagen hatte sich der Mist gesetzt und wir konnten einen Teil zuvor ausgeschaufelten Erde auf dem Mist verteilen (ca. 12 cm hoch). Zwischen Mist einfüllen und Aussaat lagen bei uns jetzt 10 Tage.

Tadaa. Der fertige Mistbeetkasten.

Ein Ergebnis ist trotzdem ein Ergebnis

Schlechte Ausgangslage hin oder her. Wir können so zumindest eines von Colemans Konzepten unter theoretisch sehr schlechten Bedingungen testen. Das schlimmste was passieren kann, ist, dass nichts keimen wird und das Experiment zu einer Temperatur-Aufzeichnung verkommt. Da mir Spinat für diese Bedingungen als vielversprechendste Kultur erscheint (der soll den ganzen Winter über wachsen), habe ich drei Reihen davon ausgesät. Zwischen die beiden vorderen Spinat-Reihen habe ich dann noch eine Reihe Feldsalat eingezogen. Der Spinat braucht laut Packung mindestens 10ºC für etwa 8 Tage. Der Feldsalat mindestens 12ºC für 14 bis 20 Tage.

Experiment geglückt

Trotz vereinzelter Nächte unter 0ºC ist der Spinat nach etwa 14 Tagen gekeimt. Der Mist hat die Erde ausreichend geheizt, im Pferdemist sind Getreidekörner und Gräser schon nach etwa 7 bis 8 Tagen fleißig gekeimt. Gräser brauchen etwa 8ºC zum keimen. Die Spinatsorte die ich gesät habe, wird mit einer Keimtemperatur von 10-18ºC angegeben (Keimdauer 8-15 Tage). Der Mist hat seine Arbeit also getan :).

Tadaa 2.0: Auch während der ersten Fröste sind Spinat- und Feldsalat im Mistbeetkasten gekeimt. Die großen Pflänzchen sind Feldsalat und mehrjähriger galizischer Kohl. Die habe ich zum Schutz vor den Rehen aus dem Freiland in das Gewächshaus verpflanzt. Die weißen Schimmelfäden lassen erkennen, dass die Lüftung deutlich verbessert werden muss.

Temperaturentwicklung: von -9ºC bis +20ºC

Der Mist ist anfangs auch nach knapp einer Woche nicht warm geworden. Nach einmal umschichten hat es dann endlich geklappt. Für mindestens eine Woche betrug die Temperatur im Kern (ca. 30 cm vom Saatgut entfernt) konstant 20ºC. Die Temperatur knapp unter der Erdoberfläche (dort wo ich die Samen eingedrückt hatte) betrug dabei etwa 10ºC. Auch für den Spinat ist es damit warm genug geworden. Nach knapp vier Wochen „Dauerfeuer“ ist dem Mist schließlich die Puste ausgegangen und die Tagestiefsttemperaturen im Mistbeetkasten glichen sich den Außentemperaturen an.

Frost: Die bisher kältesten Nächte mit Temperaturen von -9ºC im Mistbeetkasten haben Spinat und Feldsalat wie erwartet unbeschadet überstanden. Die Höchsttemperatur im Mistbeetkasten lag an einem sonnigen Tag (5ºC Außentemperatur) bei 20ºC. Der Temperaturunterschied zwischen Gewächshaus und Mistbeetkasten betrug knapp 4ºC.

Verbesserungsbedarf: Die Lüftung reicht nicht aus. Dazu ist der Mistbeetkasten einfach zu weit vom Haus entfernt. In Folge ziehen sich Schimmelpilzfäden über die Erde im Mistbeetkasten. Ohne eine automatisierte Lüftung wird sich weiterhin Feuchtigkeit sammeln. Bei größeren Pflanzen besteht durch die hohe Feuchtigkeit außerdem erhöhte Gefahr für Frostschäden an den von Feuchtigkeit benetzten Blättern.

Hast Du Erfahrungen mit Früh- oder Mistbeetkästen? Konntest Du bereits mit späten Aussaatterminen auch im Winter ernten? Schreib mir gerne in den Kommentaren.

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Vielen Dank für diese überaus klar dargestellten Tipps.
    Da ich ja noch kein Gewächshaus habe – und mir eines bauen will, bin ich am überlegen, an der Nordwand eine Art Speicher ein zu bauen. Denke da an mit Wasser gefüllte Plastikkanister (schwarz angemalt). Wird das reichen? Die Idee mit dem Pferdemist werde ich aufnehmen (noch dazu wo mein Nachbar 4 Pferde hat). Momentan habe ich über Hochbeete einen Folientunnel gespant, im vergangenen Winter konnte ich so wirklich Salat ernten (noch bei minus Temperaturen).
    Gibt es hier jemanden, der so ein Gewächshaus schon Ganzjährig nutzt? Soll ich ein stückweit in die Erde bauen, würde das helfen (bei minus Temperaturen)? Ich werde ein Haus aus Alten Fenstern bauen, kann ich da unten einen Sockel aus Stein machen, oder gibt das ein Kältebrücke? Bin für alle Tipps offen

    1. Hi Irene :). Ob das mit den schwarz angemalten Kanistern reicht, um die Temperatur etwas anzuheben, lässt sich schwer sagen. Dafür brauchst Du sehr viel Wasser. Shane Smith von greenhousegarden.com empfiehlt etwa 100 Liter pro Quadratmeter nach Süden ausgerichteter Fensterfläche. Die Angabe nennt er für einen Standort mit 3 Monaten Winter (Nachttemperatur überwiegend bei -5,5 ºC). Das ist dann eher die Größenordnung von Regentonnen bzw. von sehr vielen gestapelten Kanistern.

      Den größten Wärmeverlust wirst Du über die Fensterfläche haben. Was die Kältebrücke durch die Steine angeht, hängt das ganz von der Art Steine (und deren Wärmeleitfähigkeit) ab, die Du verwendest. Da kann Dir ein Baustoffhandel sicher weiterhelfen.

    2. Hallo Irene,

      ich kann mich Oli da nur anschließen. Ohne technische Daten von Fenstern, Steinen und der Konstruktion an sich sind alle Ratschläge höchst spekulativ.

      Ich habe allerdings schon „Gewächshäuser“ gesehen, die quasi aus einem überdachten, breiten Graben bestanden. Hier mal ein Link: http://www.treehugger.com/green-architecture/build-underground-greenhouse-garden-year-round.html

      Da wir Dich persönlich kennen, und wir zufällig beides Ingenieure sind, kann ich Dir anbieten, dass Du mir mal Deine Pläne per mail schickst. Mit so viel technischen Daten, wie möglich. Vielleicht können wir dann mehr sagen.

      Liebe Grüße

      Moritz

  2. Ich hab bisher nur Spinat und Mangold über den Winter im Kalthaus ohne extra Abdeckung geerntet. Heuer habe ich erstmals eine Hälfte um den 10. Oktober eingesäät mit Petersilie, Kresse, Kohlrabi, nochmal Kresse und Schnittsalat. Die zweite Hälfte um den 20. Oktober mit Schnittsalat, Kresse, Spinat, Kresse Und Winterpostelein. Beim Kohlrabi hab ich nocg Jungpflanzen dazwischengesetzt, dergesäte ist für die Jungpflanzen im Frühling. Alles wächst wunderbar bis auf die zweite Schnittsalatreihe.

  3. Sehr schöner Blog-Beitrag!

    Ich experimentiere mit der Idee auch gerade rum und probiere gerade aus, welche Sorten man vor dem ersten schlimmen Frost von draussen nach drinnen verfrachten kann. Dann kann man nämlich noch lange die Tomaten drinnen stehen lassen. Und man hat nicht so sehr das Problem, daß es im Herbst noch oft recht warm im Gewächshaus wird und manche Sorten dadurch schlecht gedeihen. Bei mir zeichnet sich ab, daß es sich z.B. lohnt, die letzten Mangold-Stauden von draussen nach drinnen zu verfrachten und auch die Petersilie scheint nach dem Umpflanzen im Gewächshaus gut weiterzuwachsen. Vielleicht ist das ja noch eine gute Ergänzung zu Colemans und Euren Ideen.

    Das Diagramm mit den zwei Berechnungen ist auch sehr hilfreich. Mein Gefühl ist, daß im Norden Deutschlands ab dem ersten Frost garnichts in einem Kalthaus mehr keimt, so daß der ganze bauchige Teil eher wegfällt. Aber für die oberen und unteren Bereiche ist es wirklich eine tolle Berechnung!

    1. Danke Matthias 🙂 ! Coleman schützt die Pflanzen im Freiland über niedrige Vliestunnel (wie auch im Kalthaus) und später mit „mobilen“ Gewächshäusern. Diese stehen auf im Beet verlegten Schienen und sind mit Rollen ausgestattet. Bei Bedarf lassen sich die mobilen Gewächshäuser von einem Teil des Beetes über den anderen schieben.

      Bin gespannt wie lange Du noch von dem Mangold ernten kannst.

      Zum Diagramm: der bauchige Teil beginnt schon bei Aussaatterminen ab Ende September. Die Spitze der Kurve entspricht Aussaatterminen Mitte November (die Zahlen auf der Kurve sind ja die Erntetermine). Ich denke schon, dass auch im Norden Deutschlands nach den ersten Frösten noch etwas im Kalthaus keimt. Inwiefern das mit einer inneren Reihenabdeckung aus Vlies funktioniert, haben wir nicht prüfen können. Damit haben wir noch keine Erfahrungen gemacht. Das steht im nächsten Winter an :). In unserem Kalthaus ist auch nach ein paar Frösten etwas gekeimt. Wir haben mit dem Mistbeetkasten aber auch etwas gemogelt und die Samen dort drin ein paar Klimazonen weiter Richtung Süden verschoben ;). Sobald es Neuigkeiten dazu gibt, aktualisiere ich den Artikel.

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