Wurmkisten-Stapel für kleines Geld

Mitte Oktober habe ich für Oli und mich Kompostwürmer der Gattung Eisenia bestellt. Wir wollen unsere Küchenabfälle und Essensreste nämlich nicht mehr wegschmeißen, sondern mit Hilfe der Würmer wertvolles Material für den Garten daraus herstellen.

Anfangs habe ich meinen Bokashi-Eimer als Wurmkiste genutzt, was auch prima funktioniert hat. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass mit diesem Eimer aufgrund seiner Bauform die Ernte des Wurmkomposts ziemlich aufwändig sein würde.

Das Konzept der Stapelkisten ist wahrscheinlich die einfachste Lösung zum Ernten von Wurmkompost, ohne die wertvollen Würmer mit zu ernten. So habe ich mich kurzerhand entschlossen, eine Stapelkisten-Lösung mit fertigen Holzkisten aus dem Baumarkt umzusetzen.

 

An dieser Stelle möchte ich kurz erklären, was eine Wurmkiste ist und warum Stapelkisten so praktisch sind, um dann zu meinem eigenen Projekt zurückzukommen.

Wie bereits oben erwähnt, braucht man für eine Wurmkiste Kompost- oder Mistwürmer. Diese sind klein und rot und nicht mit den dicken grauen Regenwürmern zu verwechseln.

Wenn Du Zugang zu einem aktiven Kompost- oder besser Misthaufen hast, kannst Du Dir dort Deine Startpopulation einsammeln. Oder Du bestellst sie wie ich im Internet.

Die kleinen Racker können täglich ihr halbes Körpergewicht an Küchenresten verzehren. Allerdings fressen sie die Küchenreste nicht direkt, sondern sie ernähren sich von den Bakterien, die die Reste zersetzen und von deren Stoffwechselprodukten. Deshalb ist es auch nicht nötig, die Reste in Würmer-mundgerechte Stücke zu zerkleinern.

Das wirklich spannende passiert dann im Darm der Würmer. Ihre Ausscheidungen sind nicht nur extrem nährstoffreich, sie sind auch voll von hilfreichen Bakterien, die später in der Pflanzerde das Bodenleben bereichern und für ein stabiles und produktives Mikroklima sorgen.

Darüber hinaus entstehen im Darm der Würmer die äußerst wertvollen Ton-Humus-Komplexe. Diese sorgen für eine gute Bodenstruktur, binden Nährsalze langfristig und geben sie gezielt wieder ab, speichern Wasser, binden Schwermetalle und Giftstoffe und machen sie dadurch unschädlich etc. etc.

Ich streue ab und an etwas Tonmehl in meine Wurmkiste. Ich habe trotz einiger Recherche nicht herausfinden können, wo denn der Ton für die Ton-Humus-Komplexe in der Wurmkiste herkommen soll. Also gehe ich auf Nummer Sicher und gebe Ton dazu.

Du siehst also, Wurmkompost ist eine tolle Sache. Das war’s aber noch nicht!

Es gibt auch noch den Wurmtee.

Wurmtee ist ein flüssiger Extrakt aus dem Wurmkompost, der entweder durch die Eigenfeuchtigkeit der Essensreste entsteht, oder durch gezielte Bewässerung erzeugt werden kann. Dieser Wurmtee ist wie der Wurmkompost voll von positiven Bakterien und Nährstoffen. Du kannst ihn verdünnt als Flüssigdünger, oder als Blattdünger, bzw. Pflanzenstärkungsmittel verwenden.

Eine Wurmkiste braucht daher einen Abfluss o.ä.

Zusätzlich benötigen die Würmer anfangs eine Schicht Bettmaterial, da Du sie nicht sofort mit Essensresten überschütten solltest. Nach dem Umzug sind sie erst mal gestresst und fressen nicht.

Ich habe als Bettmaterial einfach ein paar Hände voll Laub hinter dem Haus aufgesammelt. Du kannst aber auch zerkleinerte Pappe benutzen. Das Bettmaterial muss feucht, aber nicht nass sein, damit die Würmer sich wohlfühlen.

Dann braucht Die Kiste noch einen Deckel, denn die Würmer scheuen das Licht. Eine Filz- oder Hanfmatte, die oben auf dem Inhalt der Kiste liegt, verhindert, dass Fruchtfliegen ihre Eier in die Essensreste legen.

Die Kiste muss ausreichend belüftet sein, denn der Kompostierungsprozess im Inneren läuft komplett aerob ab. Ich habe es so gelöst, dass ich die Grifflöcher meiner Holzkisten mit Stücken von einem alten T-Shirt bespannt habe. Zusammen mit dem lose aufliegenden Holzdeckel scheint dies völlig auszureichen.

Der Kompostprozess in der Wurmkiste sollte frei von unangenehmen Gerüchen ablaufen. Meine Wurmkiste steht in der Küche und stört überhaupt nicht. Sollte es in Deiner Wurmkiste mal anfangen zu stinken, ist irgend etwas schief gelaufen. Entweder ist sie zu feucht, oder Du hast zu viele Essensreste hineingegeben, so dass die Würmer nicht mit dem verdauen hinterher kommen. Zu viel Feuchtigkeit kannst Du mit Pappe entgegenwirken, die Du klein machst und unter den Wurmkompost mischst.

Als Futter für die Würmer (bzw. für die Bakterien, von denen sie leben) eignen sich fast alle Küchenreste. Vermeiden solltest Du sehr saure Sachen, wie Zitrusfrüchte und Rhabarber und alles Zwiebelartige. Fleisch, Milchprodukte und Gekochtes sollten aus hygienischen Gründen auch vermieden werden.

Kaffeesatz (auch mit Filter) lieben die Würmer.

Stapelkisten funktionieren so, dass Du eine Kiste mit Würmern und Resten befüllst und wartest, bis sie randvoll ist. Dann kommt die nächste Kiste oben drauf. Der Boden der Kisten besteht aus einem Gitter oder hat viele Löcher.

Die neue Kiste wird zunächst mit etwas Bettmaterial und dann mit Resten nach und nach gefüllt. Die Würmer kommen jetzt aus der unteren Kiste durch das Gitter in die obere, weil es dort mehr zu fressen gibt. Ist Kiste Nummer zwei auch randvoll, wiederholst Du das Spiel mit der dritten Kiste. Wenn die dritte Kiste gut gefüllt ist, sollte Kiste Nummer eins frei von Würmern und Essensresten sein und nur guten Wurmhumus enthalten. Diesen kannst Du dann einfach auskippen und damit machen, was Dir gerade passt (Anzuchterde, auf Topfpflanzen verteilen, im Garten verstreuen etc.). Somit ist Kiste Nummer eins wieder bereit für den Kreislauf und es geht immer reihum.

 

So genug der Vorgeschichte…

Jetzt komme ich mal zu meinem ganz eigenen Projekt.

Ich habe damit angefangen, dass ich mir 3 billige Massivholzkisten (30x40x15cm; 3,95€/St.) aus dem Baumarkt besorgt habe.

Dann habe ich ein schönes Raster auf den Boden gezeichnet und viele Löcher gebohrt.

Dann habe ich die Kisten mit Leinölfirnis behandelt und die Grifflöcher mit altem T-Shirt zugetackert.

So weit so gut. Noch schnell einen Deckel aus einem alten Regalbrett gebaut und los geht’s… Den Inhalt meiner alten Wurmkiste reingeschüttet und – Oh Jeh – gemerkt, dass:

a) Leinölfirnis das Holz nicht wirklich versiegelt und

b) die geleimten Ecken der Billigkisten dem Druck des aufquellenden Holzes nicht gewachsen sind.

So schnell gebe ich aber nicht auf. Die erste Kiste und den Deckel habe ich mit Holzresten verstärkt, die ich noch rumliegen hatte.

Den restlichen Kisten verpasse ich jeweils zwei „Gürtel“ aus gekauften Kanthölzern (200×4,8×2,4cm; 0,64€/St.). Pro Kiste brauche ich ca. 3 laufende Meter Latte.

Mal kurz gerechnet:

3 Kisten à 3,95€ = 11,85€

9 lfm Latte à 0,32€/lfm + 2lfm als Reserve und Verschnitt = 3,52€

Schrauben, Restholz etc. habe ich nicht extra gekauft. Sagen wir 2€

Macht bummelig 17,5€

Hat sich das gelohnt?

Die Kisten halten jetzt wenigstens die Form und bis jetzt hatte ich keine weiteren Probleme. Wie gut die Migration der Würmer durch die Löcher funktioniert, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber ich halte Euch auf dem Laufenden. Die Kisten werden wahrscheinlich keine besonders hohe Lebensdauer haben, aber ich denke, 1-2 Jahre werden Sie mir gute Dienste leisten.

Beim nächsten Mal…?

Würde ich 2 Schalbretter (300x15x2,3cm; 5,55€/St.) + verzinktes Drahtgitter mit 12,5mm Maschenweite à 18,9€ für 5×0,5m kaufen und mir die Kisten selber zimmern.

Mit 30€ + Schrauben, Deckel etc. etwas teurer, aber dafür deutlich stabiler und langlebiger.

Außerdem würde noch reichlich Drahtgitter übrig bleiben, mit dem ich sicherlich irgendwann etwas anfangen kann.

 

Fazit: Die Methode, die ich probiert habe, scheint zu funktionieren. Dennoch würde ich sie nicht weiter empfehlen. Beim nächsten Mal würde ich wie gesagt einen anderen Weg gehen.

Du kannst natürlich sehr gut designte Wurmkisten fertig kaufen, aber wo bleibt da der Spaß ;-).

Ich wollte mit diesem Artikel nur meinen Prozess, und die Fehler, die ich gemacht habe mit Dir teilen.

Ich hoffe der Artikel war lesenswert und dass Du vielleicht etwas gelernt hast.

Über Kommentare und Anregungen freue ich mich natürlich wie immer.

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Schön zu lesen, dass ich nicht alleine an einer idealen Wurmfarm bastele. Meine Ausgangsbasis ist ein Supercomp. Sehr gross, standfest, nur keine einzelnen Etagen innen und unten kein Fallschutz. Somit rutscht mir immer alles komplett runter und ich krieg den fertigen Wurmhumus kaum raus……vielleicht fällt dir ja was für mich ein 😉

      1. Ein Supercomp ist an sich ein Thermokomposter zu finden bei http://www.komposter.de. Ich habe das Holzmodell 🙂 Mir kam die Idee das Ding auf zwei Ebenen horizontal durch zu sägen, so dass drei Kisten entstehen. Diese würden dann unten einen Draht-Boden erhalten……so könnte ich mal alles auffangen ……

        1. Hallo Nathalie,
          Du machst mich ganz schwach.

          Ich habe oben beschrieben, wie man für 30 € immerhin um die 100l an Wurmkisten bauen kann.
          Du erzählst mir jetzt, dass Du einen 300€ Thermokomposter mutwillig zerstören willst, um quasi das gleiche zu erreichen?????

          Versteh‘ mich nicht falsch. Dein Geld, Dein Projekt, geht mich alles nichts an, aber wenn Du Deinen Supercomp gebraucht weiter verkaufst, solltest Du eigentlich genug Geld dafür bekommen, um Dir einen fertigen Wurmkomposter zu kaufen.

          Meiner Meinung nach wäre es sehr schade, diesen Komposter zu zweckentfremden. Da haben sich doch die Entwickler total viele Gedanken gemacht, damit der als Thermokomposter richtig gut funktioniert. Warum ausgerechnet aus diesem Schmuckstück eine Wurmfarm bauen?

          Wenn Du den „perfekten“ Wurmkomposter willst, schau Dich mal ein bisschen im Internet um. Da gibt es reichlich Modelle, bei denen eigentlich alles stimmt. Ich wollte nur etwas zeigen, was „funktioniert“ und zwar für wenig Geld.

          Wenn Du richtig große Mengen kompostieren willst, ist auch eine mit Steinen eingefasste und abgedeckte Grube eine zweckmäßige Lösung. Man kann nach einiger Zeit einfach den (geschrumpften) Inhalt auf eine Seite schaufeln. Dann füllt man die andere Seite mit Futter, die Würmer wandern rüber und man kann die eine Seite ernten.

          Wie gesagt – alles nur Vorschläge. Da Du gefragt hast, bekommst Du auch eine ehrliche Antwort. Die Idee mit dem dreigeteilten Supercomp funktioniert bestimmt auch. Ist halt schade um den Supercomp.

          1. Ich musste jetzt doch schon grinsen 🙂
            Jaja, da will die gute Frau einen teuren Design-Komposter zerschnippeln….

            Ich hab mir den gekauft, weil ich die Idee total klasse fand, zudem der auf der Terrasse stehen kann. Nur hält er leider nicht, wie versprochen alles an Ort und Stelle. Damit er nicht nutzlos da stehen bleibt und ich mir wieder was anderes anschaffen, ausdenken oder basteln muss, kam mir halt die Idee. Upcycling. Verkaufen geht nicht, er hat schon ein paar Jährchen gedient und sieht auch ziemlich verwittert aus.

            Aber du hast absolut Recht, es gibt kostengünstigere Varianten.

            Da ich Bokashi herstelle aus allen Küchenabfällen, muss ich was geschlossenes haben zum Kompostieren. Die Füchse, Marder und weiteres Getier ist nämlich sehr angetan von meinem Bokashi. Ich hatte damit begonnen, alles sofort ins Beet zu kippen und an Ort und Stelle zu kompostieren. So die Theorie… jeden Morgen alles wieder brav ausgebuddelt und verschlungen…
            Die gängigen käuflichen Modelle sind zu klein für mein Anliegen und auch noch aus Plastik (worauf ich verzichten möchte, wenn möglich).

            Danke für deine ehrliche Meinung und Rückmeldung 🙂

  2. Hallo Nathalie,

    verstehe ich es richtig, dass Du Bokashi an Deine Würmer verfüttern willst?
    Ich glaube, der ist zu sauer, um den direkt zu verfüttern. Wenn Du aber einen geschlossenen Behälter nimmst, in den ausreichend Luft gelangt (Gitterbox z.B.:), dann müsste sich der PH-Wert ziemlich schnell neutralisieren, wenn Du den Bokashi locker einfüllst und evtl. mal wendest.
    Hast Du schon Bokashi im Wurmkomposter gehabt? Was sind Deine Erfahrungen?

    P.S.: Ja das mit dem Supercomp hat mich schon geschockt, als ich sah, was das Ding kostet. Deine Antwort hat mich wieder beruhigt.
    Probier’s halt aus. Mehr als schiefgehen kann’s ja nicht 😉

    Liebe Grüße

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