Pflanzen für die ganzjährige Bienenweide

Rund 500 Bienenarten gibt es in Deutschland, viele davon sind bereits sehr gefährdet. Die Gründe (flächendeckende Monokulturen und Bienen-giftige Spritzmittel) dafür kennst du sicherlich. Dass Du auf Giftstoffe im Garten verzichtest und für lebendige Vielfalt sorgst, ist für Dich als Leser*in dieses Blogs selbstverständlich. Aber wie sieht es mit dem Angebot an Lebensraum und ganzjährigen Futterpflanzen für Wildbienen aus? Viele Wildbienen legen keine Reserven an und brauchen das ganze warme Jahr über Nektarpflanzen. Oft fehlt es an Pflanzen, die Deinen Garten in eine ganzjährige Bienenweide verwandeln. Wie Du das anstellst, welche Pflanzen dazugehören und was Du sonst noch so für Wildbienen in Deinem Garten tun kannst, erfährst Du in diesem Artikel.


Dies ist ein Gastartikel von Robert Brungert, an dem Robert und Oliver zusammen geschrieben haben. Hast du auch Lust einen Gastartikel zu schreiben? Schau mal hier!


Die Bienenweide aus Sicht der Permakultur

Wenn Du Deinen Garten nach Permakulturprinzipien in ein multifunktionales Ökosystem verwandeln willst, darf eine ganzjährige Bienenweide nicht fehlen. Mach Dir immer wieder bewusst, dass alles gärtnert, oder einen Effekt auf seine Umgebung hat. Dazu zählen auch Hummeln, Schmetterlinge, Fliegen, verschiedene Käfer und Wildbienen. Zusammen mit der Honigbiene und den anderen Bestäubern stellen die Wildbienen sicher, dass Deine Obstgehölze und Gemüsepflanzen ausreichend bestäubt werden und Dir einen guten Ertrag liefern. Erinnern wir uns an das oft zitiertes Prinzip der Multifunktionaliät von Bill Mollison: Jede Funktion sollte von mehreren Elementen abgedeckt werden und jedes Element sollte mehreren Funktionen dienen. Auf die Funktion Bestäubung“ übertragen heißt das: verlasse dich nicht auf ein Element wie z.B. die Honigbiene. Konkret bedeutet das für Dich: Schaffe Lebensraum für Wildbienen und andere Bestäuber. Dazu zählen Insekten bzw. Bienenhotels, Totholzhaufen, Zugang zu Wasser und ein ganzjähriges Nahrungsangebot. So schaffst du die richtigen Voraussetzungen dafür, dass sich Dein Garten mehr und mehr einem stabilen Ökosystem annähert.

Ein Bienenhotel ist zwar ein guter Anfang aber nur die halbe Miete. Neben Brutplätzen brauchen die Wildbienen vor allem ausreichend Futter. In der Mitte des Fotos siehst Du eine Wildbiene, die eine Röhre bezieht. Die mit Lehm verschlossenen Röhrchen sind bereits bewohnt. Foto: Robert Brungert.

Wusstest Du schon, dass Wildbienen viele Kulturgewächse sogar effektiver bestäuben als die Honigbiene? Die Honigbiene fliegt nicht weiter als maximal drei Kilometer von ihrem Bienenstock weg. Wenn es in Deiner Umgebung nur wenig Honigbienen geben sollte, brauchst du nicht gleich unter die Hobby-Imker*innen mischen. Sorge dafür, dass sich Wildbienen in Deinem Garten wohlfühlen, Lebensraum finden und sich vermehren können. Wildbienen brauchen keinen Bienenstock um den Du Dich regelmäßig kümmern musst. Für ihren Nachwuchs brauchen Sie aber ein Bienenhotel nahe der Bienenweide. Außerdem Totholz, Zugang zu Wasser und ggf. Lehm. Wenn beim Bienenhotel die Röhren ab Frühjahr verschlossen sind: Die Bienen schlüpfen im nächsten Jahr, das Bienenhotel sollte sich an einem möglichst ruhigen und nicht zu kühlem Ort (d.h. windgeschützt und mit den Öffnungen von der Hauptwindrichtung abgewandt) hängen.

Es wird nicht nur Nektarsammlern helfen, wenn Du einen kleinen Teil vom Garten mit einem Totholzhaufen und Steinhaufen ausstattest und weitgehend verwildern lässt. In der Permakultur zählen diese Elemente zur „Zone 5“ und werden von Dir nur sehr selten und nur zum Beobachten besucht. Igel, Erdkröten oder andere nützliche Tiere finden hier ihre Basis und vertilgen gerne Schädlinge. Ein im Schatten stehender Miniteich würde als kleine Wasserstelle Insekten, Vögeln und vielleicht auch anderen Tieren Wasser bieten. Ein Wassernapf am Boden wäre für Igel wünschenswert. In diesem Artikel geht es aber in erster Linie um Möglichkeiten für die ganzjährige Bienenweide.

Bienenpflanzen für das Frühjahr

Ein Großteil der Bienen geht über Winter oder schon im Herbst ein. Wenn ab März das Frühjahr erwacht, so braucht es noch keine Blütenmeere, im Hochsommer hingegen schon. Wenn Du den Bienen etwas Gutes will, kannst Du im Herbst z.B. Krokusse als Zwiebelgewächse setzen. Diese blühen von März bis April und sind für viele Bienen der Start ins Jahr. Auch die Winter- oder Schneeheide “Erica carnea” blüht mit vielen Zuchtformen sehr früh und produziert zugleich große Nektarmengen. Sie braucht als Heidepflanze nicht viel Wasser, jedoch einen Boden mit etwas Kalkgehalt. Sie ist also nicht für jede Stelle im Garten geeignet. Das Steinkraut “Alyssum saxatile” blüht von April bis Juni, ist eine typische Steingartenpflanze und kann mit in das angekalkte Pflanzbeet zu den “Erica” Pflanzen. Wer wirklich einen Steingarten anlegt, hat mit Glück bald auch Eidechsen, die gerne Schädlinge vertilgen.

Es können zudem früh blühende Arten der als Sedum, Fetthenne oder Mauerpfeffer bekannten Blattsukkulenten gesetzt werden. Die später blühenden Arten machen sich ebenfalls positiv bemerkbar.

Das wäre damit bereits ein guter Start in das Frühjahr. Aber auch Obst- und Beerengehölze, Mandelbäumchen, Rosmarin, die Pfingstrose, Gelber Lerchensporn oder die Immerblühende Mandelweide wären gute Frühblüher für die Bienenweide. Einige der Gewächse wie die immerblühende Mandelweide sind jedoch mehrjährig, werden mehrere Meter hoch und taugen damit nicht für den Balkon bzw. nur bedingt für den Kleingarten.

Bienenpflanzen für den Sommer

Echte Katzenminze. Foto: Robert Brungert.

Ab Juni soll die Bienenweide üppiger ausfallen, da viele Bienen bereits ihre Brut durch bringen müssen. Gut, dass ab Mai (bis August) bereits der Borretsch blüht und ganze Nektarströme produziert. Wegen der Ergiebigkeit darf diese Küchen- und Heilpflanze in keiner ganzjährigen Bienenweide fehlen. Weiterhin ist diese einjährige Pflanze sehr anspruchslos. Der “Bienenfreund” blüht von Juni bis August und ist dem Namen nach der Freund der Bienen.

Gurken und Thymian sind wertvolle Kulturpflanzen für Menschen, und auch Bienen. Für das Auge können Lilien, die Jungfer im Grünen (Nigella damascena), Ringelblumen oder Langriffliger Rosenwaldmeister gewählt werden. Letztgenannter gilt zugleich als Schmetterlingspflanze. Auch die Bergflockenblume oder der Straucheibisch sind bei Bienen sehr gefragt. Dann geht es mit der Katzenminze “Nepeta faassenii“ oder der Echten Katzenminze “Nepeta cataria” weiter, die von Juni bis September beziehungsweise Juli bis August blühen, letztere ist bei Hummeln gefragt.

Bienenpflanzen für den Herbst

Duftsteinrich (Steinkraut), blüht von Juni bis September. Foto: Robert Brungert.

Von Juni bis Oktober blühen die Rose “Bienenweide”, die Duftnessel und das Johanniskraut “Hypericim hidcote”. Die Kugeldistel ist bei Bienen ebenfalls beliebt, Echter Lavendel ist für das Auge vielleicht angenehmer? Beide blühen genau wie die Blauraute und die Sonnenblume von Juli bis Oktober.

Für die Nektarmengen im Herbst dürfen die Bartblumen und die Herbst-Sonnenbraut nicht fehlen. Diese blühen ebenfalls von Juli bis Oktober, sie können die vorherigen bis Oktober blühenden Pflanzen aufgrund ihrer Ergiebigkeit jedoch in den Schatten stellen.

Es fehlt noch die Rauhblatt-Aster, die von August bis Oktober blüht. Wenn Du die Höhe hast, kannst du auch die “Sieben Söhne des Himmels” oder den “Mönchspfeffer” anbauen, die beide bis drei Meter hoch werden und ebenfalls von August bis Oktober blühen.

Wenn du bereits etwas Erfahrungen mit Nektarpflanzen hast, kannst Du diesen Text als Anregung nutzen und Deinen eigenen Plan für eine ganzjährige Bienenweiden erstellen. Die empfohlenen Pflanzen fühlen sich auch nicht in jedem Garten oder bei jedem Gärtner wohl, womit die Selektion sich ein wenig verselbstständigen wird – und nach ein paar Jahren bleibt dann die perfekte Bienenweide für den eigenen Garten zurück. Wenn die Bienenweide zugleich abwechslungsreich ist, dann hilft sie vielen Wildbienen, da nicht jede Art jede Blütenpflanze gleich gut annimmt. Möglicherweise gibt es dann etwas mehr Obst und Gemüse zu ernten, wenn die Bienen Durststrecken besser überstehen.

Wie sind Deine Erfahrungen?

Welche Erfahrungen hast Du mit Wildbienen, Bienenhotels und Nektarpflanzen gemacht? Teil uns Deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit!

Bildquellen: pixabay. Robert Brungert.

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