Was ist Permakultur? – Mein Versuch einer Definition

Im Netz lassen sich gefühlt tausend verschiedene Definitionen für Permakultur finden. Trotz ­– oder vielleicht sogar genau wegen dieser Vielzahl – herrscht oft Verwirrung darüber, was Permakultur denn nun konkret ist.

Obwohl ich mich seit knapp einem Jahr intensiv mit Permakultur beschäftige, fiel es mir auch oft schwer eine klare Definition zu liefern, wenn mich jemand danach fragte.

Um etwas Licht und Struktur in den Definitions-Dschungel da draußen zu bringen, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Falls Du noch gar keine Ahnung hast, was Permakultur genau sein soll, starten wir erst mal mit dem, was Permakultur definitiv nicht ist:

Was ist Permakultur nicht?

  • eine spezielle Form des ökologischen Landbaus mit ergänzenden Aspekten (Definition der Supermarktkette Real).
  • eine besondere Art zu gärtnern.
  • Permakultur ist nicht etwas, was man anbaut (wie z.B. Vorkultur, Mischkultur oder Pilzkultur).
  • Irgendwas, was mit Permafrost zu tun hat.

Gut. Obwohl Pflanzen und Strategien des Ökolandbaus in der Permakultur eine wichtige Rolle spielen, ist Permakultur weder eine spezielle Form des Ökolandbaus, noch etwas das man pflanzen kann.

Soweit, so unkonkret. Nun aber mal eine schnelle, knackige Definition.

Permakultur in einem Satz:

„Permakultur ist ein Gestaltungskonzept um nachhaltige Landschaften, Gärten und Siedlungen nach dem Vorbild natürlicher Muster und Kreisläufe zu schaffen.“
(Toby Hemenway, Autor des Permakultur-Standardwerkes Gaia‘s Garden)

Zu allgemein? Ein zweiter Versuch:

„Permakultur dreht sich um die Gestaltung nachhaltiger menschlicher Siedlungen. Es ist eine Philosophie und ein Konzept für Landnutzung, das ein- und mehrjährige Pflanzen, Tiere, Boden, Wassermanagement und menschliche Bedürfnisse zu komplex vernetzten produktiven Gemeinschaften verbindet.“
(Bill Mollison, „Gründervater“ der Permakultur).


Permakultur ist eine Methode, die sich um die Schaffung naturnaher Kreisläufe dreht. Du „machst also nicht Permakultur“. Du benutzt sie schlicht in dem, was Du tust. Das kann Landwirtschaft, Gartenbau, Stadtplanung, Unternehmensentwicklung oder Produktionsplanung sein.


Woher kommt Permakultur?

Angefangen hat Permakultur Ende der 70er Jahre mit zwei australischen Forschern in Tasmanien (Bill Mollison und seinem Studenten David Holmgren). Mollison war fasziniert von der naturverbundenen Lebensweise der Aborigines und vom Artenreichtum des tasmanischen Regenwaldes. Er schlussfolgerte, dass stabile Ökosysteme und Naturvölker etwas gemeinsam hatten: Um seit Jahrtausenden auf der Erde existieren zu können, machten diese beiden Systeme irgendetwas ziemlich richtig.

Links: Bill Mollison (1928-2016), Quelle: newdimensions.org;                       Rechts: David Holmgren, Quelle: thepermaculturepodcast.com

Die zwei Australier machten sich schließlich daran, dieses „irgendetwas ziemlich richtig machen“ in Worte zu fassen und die Prinzipien zu beschreiben, die diese beiden Systeme so widerstandsfähig und nachhaltig machen.

Während der Forschungsarbeiten unternahm vor allem Mollison viele Reisen und tauschte sich mit Experten aus den unterschiedlichsten Ländern aus. Er fand heraus, dass bereits viele Lösungen (z.B. das Waldgartenkonzept) existierten, die genau den Prinzipien folgten, die Holmgren und er erforschten.

Als Ergebnis ihrer Forschungen veröffentlichten Mollison und Holmgren verschiedene Bücher, in denen sie die gesammelten Strategien für nachhaltige Landnutzung vorstellen und die dahinter stehenden Denkweisen erklären. Mollisons Buch: Permaculture – A Designer’s Manual (1988) wurde schließlich zum Standardwerk für Permakultur-Designer auf der ganzen Welt.

Das „Neue“ an Permakultur

Kritiker bemängeln oft, dass Permakultur an sich nichts neues sei. Das stimmt auch, solange man sich nur mit den einzelnen Konzepten wie z.B. Waldgärten, Flächenkompostierung oder Kräuterschnecken beschäftigt. Das wirklich neue an Permakultur ist:

  • eine vernetzte, systemische Denkweise,
  • die Strukturierung eines Prozesses für nachhaltige Gestaltung
  • die Beschreibung von Prinzipien, die nötig sind, um Lösungen
    für nachhaltige Landnutzung zu entwickeln,
  • und die Verbindung von Philosophie und Landnutzung.

Die grundlegende Philosophie

Bei Permakultur-Gestaltung ist vernetztes Denken gefragt. Das Ziel ist es, kreative, ganzheitliche Lösungen zu finden. Lösungen, die unsere Bedürfnisse, unsere Umwelt und unser soziales Umfeld zusammen anstatt getrennt betrachten. Wenn ein Gestaltungskonzept nicht alle drei Bereiche mit einbezieht, ist es aus Permakultur-Sichtweise nicht nachhaltig und kann nicht dauerhaft bestehen. Permakultur-Gestaltung folgt deshalb drei ethischen Grundsätzen.

Veranschaulichung der drei ethischen Grundsätze der Permakultur. Quelle: permacultureprinciples.com

Die drei ethischen Grundsätze, die Holmgren in dieser Zeichnung veranschaulicht hat, lauten (im Uhrzeigersinn):

  1. Achtsamer Umgang mit der Natur (earth care).
  2. Achtsamer Umgang mit Menschen (people care).
  3. Überschussverteilung und Selbstbegrenzung (fair share).

Permakultur ist Menschen- nicht Natur-zentriert

Nach dem Zitat von Mollison, geht es im Kern darum, Natur und menschliche Bedürfnisse zu vernetzen. Der Fokus bei Permakultur-Gestaltung liegt dennoch ganz klar auf menschlichen Bedürfnissen. Du hast sicher auch die Erfahrung gemacht, dass Du ein viel größeres Interesse und Engagement hast, wenn Deine Bedürfnisse erfüllt werden. Das gilt für jedes Projekt. Bei langfristig angelegten Projekten wie z.B. Gemeinschaftsgärten, steht und fällt der Erfolg mit den Bedürfnissen der Anwohner. Wenn diese nicht von Anfang an in der Planung berücksichtigt werden, verkommt der Garten nach und nach zum Einzelkämpfer-Projekt und scheitert schlussendlich.

Vorerst genug Theorie. Wie wird diese Orientierung an menschlichen Bedürfnissen in einem Projekt umgesetzt? Wie fließen die drei Grundsätze in die Gestaltung ein? Schauen wir uns dazu mal ein Beispiel an, was Stadtplanung, Gartenbau und ein soziales Projekt zusammen führt.

Ein Beispiel: Der langweilige Grünstreifen 

Ein langweiliger Grünstreifen mitten in einer Siedlung. Quelle: fruttortidiparma.com

Stell Dir einen ungenutzten Grünstreifen am Rand einer ruhigen Siedlung vor, eingepfercht zwischen einer Straße auf der einen und Mehrfamilienhäusern auf der anderen Seite. Rundum gibt es in Form von Straßen, Gehwegen und Häusern viel versiegelte Fläche. Für die heimische Tierwelt ist nicht viel Platz. Nehmen wir an, dass dieser langweilige Grünstreifen nun naturnah umgestaltet werden soll.

Wenn wir uns bei der Gestaltung die Permakultur-Brille aufsetzen, fragen wir uns zu allererst: Welche Bedürfnisse könnten die Anwohner haben und welche dieser Bedürfnisse (z.B. Erholung, Aktivitäten mit den Nachbarn oder frisches Obst aus der Region) lassen sich auf dem Grünstreifen verwirklichen? Wie passt das alles überhaupt mit dem Bedürfnis der heimischen Tierwelt nach Lebensraum zusammen?

Was wäre also, wenn wir diesen Grünstreifen so gestalten, dass er:

  • zu einem sozialen Treffpunkt wird,
  • Jahr für Jahr mehr Lebensraum für unterschiedlichste heimische Tiere bietet und
  • dabei einen Überfluss an Essen produziert, den wir mit den Nachbarn teilen.

Klingt erst mal nach einer eierlegenden Wollmilchsau. Ist es auch. Fast.

So eine Wollmilchsau-Gestaltung könnte zum Beispiel ein Gemeinschaftsgarten in Form eines Waldgartens sein: An unterschiedlich großen Obst- und Nussbäumen, ranken frostharte Kiwis. Zwischen den Bäumen liegen Beerensträucher, unterpflanzt mit Walderdbeeren sowie Küchen- und Heilkräutern. Ausgehend von einer Grill- und Feuerstelle mit Holzbänken und Hockern, gibt es verschiedene Zonen menschlicher Aktivität. Je mehr der Waldgarten wächst, desto mehr Lebensraum bietet er für (Sing-)Vögel, Kleintiere und Insekten. Mit diesem Konzept entwickelt sich der langweilige und ökologisch unspektakuläre Grünstreifen zu der komplex vernetzten produktiven Gemeinschaft, wie sie Mollison in seiner Definition beschreibt.

Aha, cool. Und wie geht man bei der Gestaltung vor? Wie fange ich an und wie entscheide ich jetzt, was wo hinkommt?

Der Gestaltungsprozess

Im folgenden stelle ich Dir kurz die Werkzeuge vor, die dem Gestaltungsprozess eine Struktur geben. Auch wenn sich Permakultur auf unterschiedlichste Bereiche anwenden lässt, beschränke ich mich hier auf Landnutzung.

Wie bei dem Grünstreifen-Beispiel durchgespielt, sind Menschen und ihre Bedürfnisse der Ausgangspunkt für erfolgreiche Gestaltung. Neben einem guten Verständnis Deiner Bedürfnisse solltest Du dafür einen Plan Deines Grundstücks parat haben. Der muss nicht unbedingt maßstabsgetreu sein.

Sektoranalyse

Die Sektoranalyse hilft Dir, ein gutes Verständnis der äußeren Einflüsse auf das Grundstück zu gewinnen. Je nachdem, wo das Grundstück liegt, solltest Du Dir über folgende Sektoren Gedanken machen: Wildtiere, Bereiche mit schöner Aussicht, Intensität der Sonneneinstrahlung, Verschattung, Wind und Lärm. Eine Sektoranalyse ist also eine recht zeitaufwändige Sache. Es lohnt sich aber enorm. Du wirst nämlich ein sehr gutes Verständnis von den Dingen bekommen, auf die Du am wenigsten Einfluss hast. Wenn Du nicht weißt, wie sich Sonneneinstrahlung und Windverhältnisse im Winter ändern, hilft bestimmt ein Schnack mit den Nachbarn.

Mundräuberische Passanten und Nachbarn zählen übrigens auch zu den äußeren Einflüssen ;). Liegt Dein Vorgarten z.B. auf dem Fußweg zu einer naheliegenden Schule, sind Erdbeeren und üppige Himbeersträucher vielleicht nicht die beste Wahl für die Bepflanzung der Beete direkt am Weg.

Neben dem Grundstücksplan schnappst Du Dir am besten noch einen Bogen Transparentpapier und zeichnest darauf die Sektoren ein. Das Ganze sieht dann ungefähr so aus:

Sektorplanung. Quelle: morganpermaculture.blogspot.com

 

Diese Zeichnung wird Dir beim nächsten Schritt (Zonierung) dabei helfen, die richtige Lage und Größe der Zonen zu wählen.

Zonierung

Zonierung bedeutet, dass Du Dein Grundstück in verschiedene (Aktivitäts-)Zonen aufteilst. Je nachdem, wie viel Platz Dir zur Verfügung steht, sind das zwischen zwei und sechs Zonen. Was sich hinter den einzelnen Zonen verbirgt, siehst Du in diesem Schema:

Bei der Zonierung geht es hauptsächlich um den Pflegebedarf und die maximale Entfernung der Elemente, mit denen Du gestalten möchtest. Deine Bequemlichkeit spielt hier also eine Schlüsselrolle.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Aufmerksamkeit ein Element braucht, desto näher liegt es am Haus. In unserem Kleingarten (15 Fahrradminuten entfernt) werden wir deshalb möglichst wenige pflegebedürftige einjährige Pflanzen anbauen.

Die 12 Design-Prinzipien von Mollison und Holmgren

Sektoranalyse und Zonierung sind erst einmal grobe, Beobachtungs-intensive Schritte. Nachdem Du Dein Grundstück in Zonen aufgeteilt hast und weißt, was in etwa wo hinkommt, wird es Zeit, Dir Gedanken über die Gestaltung der Zonen zu machen.

Mollison und Holmgren entwickelten jeweils 12 Prinzipien für die Gestaltung von zukunftsfähigen Lebensräumen. Erfahrenen Permakultur-Designern dienen die Prinzipien als Richtlinien, um sicher zu stellen, dass z.B. eine Landschaftsplanung nicht nur zu einer hübschen Ansammlung von Beeten, Sträuchern, Bäumen, Teichen und Steinen wird, sondern zu einer komplex vernetzten produktiven Gemeinschaft.

Die Prinzipien sind aber dummerweise sehr allgemein gehalten (z.B. Selbstregulierung in Systemen erkennen und nutzen). Ohne Erfahrung oder gute Beispiele sind die Prinzipien ungefähr so hilfreich, wie ein Spiel ohne Anleitung. Man kann damit wenig anfangen. Der Vollständigkeit halber nenne ich die Prinzipien hier trotzdem. Wo es für mich sinnvoll erschien, habe ich Beispiele eingefügt. Mit „Elementen“ meine ich hier alles, womit Du gestalten möchtest, also Pflanzen, Tiere, Steine, Mauern, Gebäude, Teiche, Tümpel usw.

  1.  Beobachten und Interagieren: Aus Beobachtungen der Natur lassen sich kreative Lösungen entwickeln. Beispiel: Bei der Gestaltung eines Waldgarten ersetzt man die unterschiedlichen Pflanzen und deren Funktionen im natürlichen Wald mit für uns nutzbaren Pflanzen. So entsteht ein wartungsarmes, extrem produktives System.
  2.  Energie einfangen und speichern: Mit geeigneten Systemen lässt sich Überfluss in Ressourcen verwandeln. Beispiel: Mit im Halbkreis gepflanzten Bäumen und Sträuchern kannst Du eine Sonnenfalle bauen. Mit der Öffnung des Halbkreises Richtung Süden und dem Schutz vor kalten nördlichen oder östlichen Winden entsteht ein Mikroklima. Davon profitieren besonders wärmeliebende Pflanzen.
  3.  Überschüsse erwirtschaften: Eingreifen und verändern muss produktiv sein. In der Wirtschaft ist das selbstverständlich. Wenn Dein Eingreifen weder etwas für Dich noch für Nützlinge abwirft, wird das Grundstück weit unter seinem Potenzial bleiben und im schlimmsten Fall Deine Motivation für Veränderungen mindern.
  4.  Selbstregulierung in Systemen erkennen und nutzen: Idealerweise ermöglicht Deine Gestaltung eine gewisse Selbstregulierung des Systems. Das lässt sich z.B. dadurch erreichen, dass jede für Dich wichtige Funktion von mehreren Elementen abgedeckt wird. Gleichzeitig übernimmt jedes Element mehrere Funktionen.
  5.  Erneuerbare Ressourcen und Dienstleistungen nutzen: Die Nutzung von erneuerbaren (Energie-)Ressourcen ist mittlerweile selbstverständlich. Die Nutzung von erneuerbaren Dienstleistungen von Tieren und Pflanzen vielleicht nicht. An den richtigen Stellen eingesetzt, können z.B. Hühner und Laufenten einen großen Teil der Schädlingskontrolle übernehmen. (Mulch-)Pflanzen wie der Beinwell (Comfrey), können für Dich den Boden gleichzeitig lockern und düngen: über sein großes, tiefes Wurzelwerk lockert Beinwell den Boden und speichert Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten in seiner Blattmasse. Beinwellblätter sind reich an Kalium und eignen sich deshalb sehr gut als nährstoffhaltiger Mulch.
  6.  Keinen Abfall produzieren: Abfall ist die Konsequenz aus schlechtem Design. In der Natur gibt es keinen Abfall. Der Output des einen ist der Input eines anderen Lebewesens. Für die Gestaltung eines Gartens heißt das in erster Linie: vor Ort zu kompostieren und Nährstoffe zu recyceln. Deine Küchenabfälle kannst Du ebenfalls sehr effektiv über Wurmkomposter recyceln. Wurmkompost ist sehr nährstoffreiche Anzuchterde und steckt voller nützlicher Bakterien.
  7.  Gestalte vom übergeordnetem Muster hin zum Detail: Es ist weitaus einfacher, wenn Du Dir zuerst Gedanken über das große Ganze machst, bevor Du Dich in Details verlierst. Dieser Gedanke steckt auch hinter der Zonierung und Sektoranalyse.
  8.  Kooperation statt Konkurrenz: Wenn Du passende Elemente zusammenfügst, entstehen Beziehungen und die einzelnen Elemente unterstützen sich gegenseitig. Eine generelle Vorgehensweise, um Verbindungen zu knüpfen, ist eine Funktionsanalyse. Dabei fragst Du Dich: Was braucht ein Element (z.B. Baum, Huhn, Strauch) und was gibt es an seine Umwelt ab? So kannst Du herausfinden, welche Elemente gut zueinander passen und welche nicht.
  9.  Überschaubare und langsame Lösungen: Kleine, langsame und einfache Lösungen machen Systeme für Menschen leichter überschaubar und nutzen lokale Ressourcen effizienter. Gehe neue Konzepte langsam an und halte sie überschaubar. Wenn sich etwas bewährt hat, kannst Du es auf andere Bereiche ausdehnen. Besonders, wenn Du mit Rückschlägen nicht gut umgehen kannst, ist das ein unglaublich nervensparendes Vorgehen.
  10.  Vielfalt nutzen und bewahren: Monokulturen, Monopole und große, zentrale Systeme neigen dazu anfällig und instabil zu sein. Vielfalt hingegen reduziert die Anfälligkeit für eine Vielzahl von Risiken. Beispiel: Vielfalt gilt nicht nur für das, was man mit bloßem Auge sieht. Wenn Du die richtigen Lebensbedingungen für eine Vielfalt an Mikroorganismen im Boden schaffst, sind Deine Pflanzen deutlich robuster gegenüber Krankheiten. Die Forschungsergebnisse zu Kompost von Elaine Ingham sind hier eine super Quelle.
  11.  Reichtum von Randzonen erkennen und nutzen: Die Übergänge zwischen einzelnen Systemen sind meistens auch die vielfältigsten und produktivsten Elemente eines Gesamtsystems.
    Beispiel: Eine geschlängelte Kante verschafft einem Teich bei gleichem Volumen deutlich mehr Umfang und bildet viele kleine Mini-Buchten. Ein so gestalteter Teich bietet mehr Lebensraum für Tiere (z.B. Frösche und Kröten) und Pflanzen, die in der Übergangszone zwischen Wasser und Land leben.
  12.  Auf Veränderungen kreativ reagieren und diese nutzen: Beständigkeit in lebenden Systemen hängt paradoxerweise sehr von Flexibilität und Wandel ab. Hinter diesem Prinzip versteckt sich auch das Stichwort „stacking“ (stapeln). Damit ist die Unterbringung von mehreren Funktionen im gleichen Raum und über die Zeit gemeint. Vielen reden deshalb davon, Funktionen räumlich und zeitlich zu stapeln. Beispiel: Bei der Gestaltung eines Waldgartens oder einer Obstwiese macht es Sinn, mit der natürlichen Sukzession zu arbeiten. Das heißt, dass unterschiedliche Wachstum der Bäume und Sträucher einzuplanen und gezielt zu nutzen. Räumliches Stapeln wäre z.B. die jungen Bäume um eine Funktion zu erweitern: als Rankhilfe für kletternde Kiwis. Zeitliches Stapeln kann so aussehen: Die Fläche, die nach ein paar Jahren durch die langsam wachsenden Bäume beschattet wird, kannst Du mit Stickstoff-fixierenden Mulchpflanzen vorbereiten. Diese werden von Zeit zu Zeit stark zurück geschnitten und als Mulch verwendet. Wenn sie von den groß gewordenen Bäumen verschattet werden, sterben sie ab oder werden kurz über dem Boden abgeschnitten. Der dabei in den Boden abgegebene Stickstoff hilft den Bäumen so später beim Wachstum.

Bei der Planung der Zonen kannst Du Dich von diesen Prinzipien inspirieren und leiten lassen. Hier habe ich nur ein paar Beispiele dafür genannt, wie sie sich anwenden lassen. Die größte Beschränkung in der Anwendung der Prinzipien ist Deine Kreativität.

Mein Lieblingsprinzip für kreative Lösungen ist es, mit so wenig und so einfach wie möglichen Materialien auszukommen. Wenn Du Dich dazu zwingst, mit dem zu arbeiten, was Du bereits hast oder vor Ort ohne großen Einsatz von Energie und Geld besorgen kannst, kommst Du automatisch auf kreative Lösungen.

Von einer Design-Wissenschaft zur weltweiten Bewegung

Wegen des Fokus auf Gestaltung wird Permakultur oft auch als eine Design-Wissenschaft bezeichnet. Auf den ersten Blick stimmt das auch. Bill Mollisons Standardwerk „Permaculture: A Designer’s Manual“ beschäftigt sich schließlich hauptsächlich mit dem Design von Gärten, Häusern und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diesen technisch-naturwissenschaftlichen Ansatz ergänzten Mollison und sein Schüler David Holmgren aber noch um einen umfassenden Mix aus Philosophie und Ethik. Somit ist Permakultur über die Jahre zu einer weltweiten Bewegung geworden.

Mittlerweile schlägt Permakultur Brücken zu der Postwachstumsökonomie und den Degrowth- und Transition Town-Bewegungen. Alles mit dem Ziel eine nachhaltige Kultur zu schaffen, die uns Menschen ein permanentes also dauerhaftes Leben auf unserem Planeten ermöglichen kann.

Hat Dir der Artikel dabei geholfen ein besseres Verständnis von Permakultur zu bekommen? Schreib mir gerne in den Kommentaren, was Du davon hältst.

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4 Kommentare, sei der nächste!

    1. Moin Hanne, vielen Dank :)! Ich bin schon vor einiger Zeit auf Deinen Blog gestoßen, toll wie viele Erfahrungen Du dort teilst. Ich hätte große Lust, euch in Mienbach zu besuchen. Ich schreibe Dir dazu noch eine Mail :). Bis ganz bald!

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