Permakultur Studium – das Basisjahr der Permakultur Akademie

Seit einem Jahr nehme ich nun an der Weiterbildung zum Dipl. Permakulturgestalter (Diploma of Applied Permaculture Design) an der Permakultur Akademie Deutschland teil. Vor zwei Jahren hat sich die Akademie entschieden, die Weiterbildung in zwei Phasen aufzuteilen - Basisjahr und Aufbauphase. Gemeinsam könnte man es auch als Permakultur Studium bezeichnen - denn bisher bietet keine deutsche Universität ein staatliches Studium der Permakultur an.

Die Kosten für das gesamte Jahr betragen nach einem solidarischen Preismodell zwischen 2600 und 3600 € (August 2019). Hinzu kommen Kosten für Anfahrt zu den Kursen sowie Unterkunft und Verpflegung an den Kursorten. Als Student habe ich die Möglichkeit genutzt ein Stipendium zu beantragen, das mir auch gewährt wurde. So konnte ich die Kosten für das Basisjahr noch einmal verringern.

In diesem Artikel will ich ein persönliches Fazit über meine Lernerfahrungen im Basisjahr ziehen.

Der Aufbau

Das Basisjahr beinhaltet insgesamt 5 Kurse: Den Startworkshop, drei thematische Kurse und den Abschlussworkshop. Die Themenkurse in meinem Basisjahr waren zu folgenden Themen: Aspekte gärtnerischer Permakultur, soziale Permakultur und Permakulturgestaltung auf großen Flächen.

Permakultur Studium Bestandsplan
Selbst erstellter Bestandsplan. CC-BY-NC-ND

Zusätzlich zu den Kursen gab es über das Basisjahr hinweg verschiedene Aufgaben: Den größten Teil machen dabei sicherlich die zwei Projekte aus, von denen eins beim Abschlussworkshop vorgestellt wurde. Als Unterstützung für die Projekte gab es (fast) jeden Monat eine Aufgabe. Die Aufgaben sind dazu da die Kernroutinen beim Gestalten zu schulen. Diese sind:

  • Beobachten
  • Beziehungen
  • Prozesse
  • Ethik & Gestaltungsprinzipien
  • Natur & Muster
  • Dokumentieren
  • Präsentieren

Um den eigenen Lernweg zu dokumentieren gehören auch regelmäßige Monatsnotizen zum Aufbau des Basisjahrs. In den (fast) monatlich stattfindenden Telefonkonferenzen konnten wir uns außerdem zu unserem Projektfortschritt und unseren Erfahrungen mit den Aufgaben austauschen.

Ein weiteres Element der Weiterbildung sind die Tutorien. In einem Tutorium hat man die Möglichkeit mit einem Permakultur-Gestalter aus dem deutschen Netzwerk gemeinsam auf das eigene Projekt zu schauen und sich Tipps und Feedback einzuholen.

Mein Lernweg - Meine Lernerfahrungen

Was hat mir das Basisjahr vermittelt? Zum einen natürlich die inhaltlichen Aspekte der Permakultur in den Themenkursen. Zum anderen aber auch für mich unverzichtbare Soft Skills, die ich heute täglich nutze. Dazu gehören das erkennen und arbeiten mit Mustern aber auch vernetztes Denken (Denken mit beiden Gehirnhälften) und Projektmanagement.

Am wichtigsten war für mich aber die Erkenntnis, dass ich mein Leben selbst gestalten kann. Vorher war ich der Ansicht, dass meine Umwelt mich prägt - jetzt ist es genau umgekehrt. In der Psychologie wird dieses Gefühl "Selbstwirksamkeit" genannt und verringert nachweislich die Wahrscheinlichkeit für Depressionen. Abgesehen davon hat sich mein Leben durch das aktive Gestalten meiner Umgebung zu einer erheblich verbesserten Lebenszufriedenheit verändert.

Fazit

Mein Fazit fällt größtenteils positiv aus: Die Kurse waren allesamt sehr gut geleitet und die Kursorte hatten gute Unterkünfte und Verpflegung. Es wurde auch auf Sonderwünsche (vegan, glutenfrei, laktosefrei,...) bei der Verpflegung Rücksicht genommen.

Die Basisjahr-Begleitung durch zwei Designer hätte nach meinem Empfinden etwas intensiver sein dürfen, denn ich hätte mir  mehr Feedback unter meinen Aufgaben und Monatsnotizen gewünscht. Die Telefonkonferenzen fanden aber immer statt (auch bei Krankheit der Begleiter) und boten die Möglichkeit nach Feedback zu fragen.

Die monatlichen Aufgaben und Notizen haben mir geholfen, konstant am Thema zu bleiben und das Basisjahr optimal zu nutzen. Ich habe das Basisjahr während meines Bachelorstudiums gemacht und ca. 3-4 Stunden pro Woche dafür investiert. Andere Teilnehmende in meiner Gruppe hatten aber nach eigener Aussage zu wenig Zeit um das Basisjahr voll zu nutzen - einige haben deshalb auch ihre Arbeitszeit reduziert. Deshalb ist es empfehlenswert sich jede Woche einen Tag für die Aufgaben und die eigenen Projekte zu nehmen.

Insgesamt betrachtet kann ich ein Permakultur Studium nur empfehlen - egal aus welcher Fachrichtung Du kommst. Ich als Sozialwissenschaftler bräuchte viel Zeit um mich in die Details des Gärtnerns einzuarbeiten. Glücklicherweise gibt es auch die Soziale Permakultur auf die ich mich spezialisieren kann. Ein anderer Teilnehmer des Basisjahrs arbeitet in der IT und entwickelt für sich jetzt eine Nische, in der er seine IT-Fähigkeiten einbringen kann. Denn: Die Permakultur ist keineswegs nur ein Landwirtschaftskonzept!

Titelbild: Copyright Permakultur Akademie

Über den Autor:

René Franz, Jahrgang 95. Ich studiere Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Mainz. Seit 2018 mache ich die Weiterbildung zum Permakulturgestalter an der Permakultur Akademie Deutschland.
Kontakt: rene@permakulturblog.de

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