80 Prozent von dem was Du willst ist realistisch

Manchmal bin ich wie die gierige Katze auf dem Foto. Ich will den ganzen verdammten Kürbis. Das ist auch der Grund, warum ich mich nach über drei Monaten Funktstille wieder zurück melde. Diesmal nicht mit einem fachlichen sondern einem persönlichen Artikel. Neun Monate und zwölf Artikel später ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz von permakulturblog.de.

Gestartet ist der Blog mit einem ganz persönlichen Ziel: ich wollte fachlich guten und seriösen Inhalt zum Thema Permakultur-Gestaltung schreiben. Ich wollte für mich testen, wie intensiv und dauerhaft ich mich mit den Themen Permakultur und regenerative Landwirtschaft beschäftigen kann.

Diese Frage stellte ich mir aus gutem Grund: Ich war immer ein sehr sprunghafter und impulsiver Typ, der sich schnell für etwas Neues begeistern konnte, mittenrein sprang, eine Weile tief tauchte und dann feststellte „meh…find ich nicht mehr interessant“.

Ich habe Dinge, Interessen und Beziehungen oft schnell wieder fallen gelassen, wenn sie sich für mich nicht mehr gut anfühlten.

Mit Permakultur und dem riesigen wabernden, bunten Potpourri drumherum war das anders.

Was mich nach wie vor am meisten fasziniert und antreibt ist das vielleicht bekannteste Permakultur-Prinzip: mit anstatt gegen natürliche Vorgänge zu arbeiten.

Es ergibt einfach so unglaublich viel Sinn. Da ich nie etwas tun konnte, was für mich keinen Sinn ergab, sah ich in Permakultur etwas, das mich so nachhaltig motivierte, dass sich daraus eine Berufsperspektive ergeben könnte.

Während meiner knapp einjährigen Reise nach dem Bachelorstudium hatte sich meine fachliche Neigung so stark gewandelt, dass ich kurz nach dem Blogstart feststellte, dass mein Master-Studium nicht mehr zu mir passte. Ich fand auch heraus, dass ein fachlicher Wechsel im Master nach dem BAföG dummerweise nicht drin ist.

Kacke.

Ohne BAföG-Förderung sah ich keine Möglichkeit den Studiengang zu wechseln, ohne soviel nebenbei für meinen Lebensunterhalt arbeiten zu müssen, dass ich den Blog hätte aufgeben müssen.

Also machte ich das Beste aus meiner finanziell noch sicheren Lage, nutzte das BAföG als eine Art Grundeinkommen, belegte im letzten Semester nur noch einen Kurs und widmete mich voll dem online Permakultur Design Kurs von Geoff Lawton, dem Blog, dem Engagement in einer Permakulturgruppe und einer FoodCoop in Flensburg und natürlich dem Garten.

Der eigene Anspruch, die Realität und eine gedankliche Sackgasse

Trotz all dieser schönen Dinge, die mir Spaß machten, beschäftigte mich im Hinterkopf eine immer wiederkehrende Frage: „wie zum Henker sichere ich denn meinen Lebensunterhalt, wenn meine BAföG-Förderung ausläuft und ich immer noch nicht so richtig weiß, was ich mit meinem (Berufs-)Leben anfangen soll?“

Mit dieser und vielen ähnlichen Fragen war ich gedanklich so oft beschäftigt, dass ich mich nicht darauf konzentrieren konnte, Artikel zu schreiben. Gleichzeitig war auch mein Anspruch an den Blog so gewachsen, dass ich mich nicht mit schnell hin geklatschten Artikeln abgeben wollte.

Die Kombi aus der gedanklichen Blockade, dem eigenem Anspruch an den Blog und dem Wunsch in Flensburg bei allem dabei zu sein, was irgendwie denkbar Berührungspunkte mit Permakultur hat, war einfach zu viel.

Das alles führte schließlich dazu, dass ich mein selbstgestecktes Blog-Ziel, mindestens einen guten Artikel pro Monat zu veröffentlichen einfach nicht erreicht habe. Moritz hatte sich beruflich umorientiert und fand auch keine Zeit mehr Artikel zu schreiben. Alleine war es noch schwieriger mich aufzuraffen.


Ich lernte, dass es auch keine Lösung ist, NUR meinen Neigungen zu folgen.


Also musste ich etwas anders machen. Nach all dieser komplett selbstbestimmten Zeit musste ich mich der Realität für die Post-BAföG Zeit stellen. So kam ich nicht weiter.

Wie ich zu einer Lösung gefunden habe, die für mich funktioniert

Ich machte schließlich das, was für mich immer gut funktionierte, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Ich redete einfach mit so vielen Leuten wie möglich über mein Problem.

Die Lösung ergibt sich dann immer nach einiger Zeit von alleine.

Dieses Vorgehen ist im Grunde das, was auch hinter dem Permakultur-Prinzip „integrate rather than segregate“ (integriere anstatt auszugrenzen) steckt. Wie auch in einem geschickt gestalteten Waldgarten erhöht sich die Fruchtbarkeit und die Stabilität des ganzen Systems dann, wenn wir die richtigen Elemente miteinander verknüpfen. So entstehen gegenseitig nützliche Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren und Insekten entstehen.

Anstatt mich auszugrenzen und alleine über meinem Problem zu brüten, versuchte ich also so viele Menschen wie möglich mit meinem Problem zu verknüpfen (was natürlich nicht heißt, dass ich versuchte mein Problem zu ihrem Problem zu machen 😉 ).

Ich suchte mir die „richtigen“ Menschen und holte mir den Input, den ich brauchte.

Den Input holte ich mir von Freunden, von meiner Familie und in meinem konkreten Fall von Menschen „vom Fach“: zwei meiner Professoren und mein ehemaliger Praktiukumschef (von Ihm stammt auch die Aussage aus der Überschrift dieses Artikels).


80 Prozent von dem was Du willst ist realistisch. Finde einen Kompromiss der für Dich funktioniert.


Im Endeffekt habe ich mir den Rat meines ehemaligen Praktikumschefs zu Herzen genommen (Danke Mathias 😉 ) und mein Studium aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Es stellte sich heraus, dass mir das Master-Studium weitaus mehr Möglichkeiten als Beschränkungen bietet. Bis auf die Pflichtkurse kann ich den Rest praktisch frei wählen. Aus anderen Masterstudiengängen kann ich mir Kurse anrechnen lassen und so konzentriere ich mich im technischen Teil des Masters nun auf Biogastechnik im Sinne der Abfallbehandlung und des Nährstoffrecyclings.

Damit hatte ich auch die Brücke vom Studium zur Permakultur geschlagen. Als Technik die Kreisläufe schließen kann, ist die Spezialisierung auf Biogas der Kompromiss, von dem ich glaube, dass er für mich funktioniert.

Ab jetzt ist also wieder Vollzeit-Studium angesagt und ich habe wieder Bock darauf.

Die Spezialisierung ist mein 80 % Kompromiss. Die restlichen 20 % Quatschkram gehören halt dazu und das ist auch ok.

Ist der Blog nun gescheitert?

Vollzeit-Studium, Nebenjob und ab Frühjar 2018 noch mehr Nebenjob weil mein BAföG ausläuft. Wie passt das mit dem Blog und mit meinem Anspruch zusammen?

Vor diesen harten Fakten musste ich mir die unbequeme Frage stellen, wieviel Blog ich wirklich kann und will.

So wie ich es ursprünglich vor gehabt habe, wird es nicht funktionieren. Einen festen zeitlichen Rythmus in dem ich Artikel veröffentliche, werde ich nicht aufrechterhalten können.

Im Moment versuche ich alles auf das für mich im Augenblick Wesentliche zu reduzieren: die Weichen in Studium und Arbeit so zu stellen, dass ich ab Frühjar einen Job habe, in dem ich landbasiert und gestalterisch mit Permakulturprinzipien arbeiten kann.

Dazu zählt auch der Abschluss von Geoff Lawtons PDC 2.0. Der Kurs ist zu Ende und nun steht das Abschlussprojekt an. Bis zum 31. Dezember 2017 habe ich Zeit, meinen Entwurf einzureichen.

Alle andere Nebenkriegsschauplätze schneide ich weg. Dazu gehören auch regelmäßige Posts auf dem Blog.

*Patsch*, die gierige Katze bekommt jetzt seit ein paar Wochen eins auf die Pfote. Zuviel ist zuviel.

Das heißt aber nicht, dass der Blog gescheitert ist.

Meine anfänglichen Erwartungen passten schlicht nicht zu meiner Lebenssituation.


Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.


Auf dem Weg hierhin habe ich eine Menge über Website-Design, Online Marketing und das Schreiben gelernt. Noch wichtiger: ich habe sehr viel über mich selbst gelernt und meine Leidenschaft gefunden.

Ohne den Blog hätte ich auch nicht Lauritz und die vielen tollen Menschen auf dem HUMUS-Festival kennengelernt.

Der Blog und ich werden sich weiterentwickeln. Ich hatte dazu bereits ein paar vielversprechende Gespräche. Was dabei konkret herum kommt, teile ich Dir dann mit, wenn ich etwas Spruchreifes habe.

Es bleibt spannend. Sobald es Neues zu meinem Abschlussprojekt oder zur Zukunft des Blogs gibt, erfährst Du davon über die Facebook-Seite und den Newsletter.

Wie reagierst Du mit Veränderungen? Teil mir gerne in den Kommentaren mit, welche Prinzipien Dir dabei helfen, eine Lösung zu finden, die für Dich funktioniert.

Auf bald,

Oli.

Cover Photo: Yulia Chinato on Unsplash

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Oli,

    Ich danke Dir für den Artikel, er passt derzeit Ideal zu einigen Gedankengängen die mich in letzter Zeit umtreiben. Ich bin nun dabei meine Lebenssituation neu zu Designen, noch einmal alles zu evaluieren und mir meiner Bedürfnisse Bewusst zu werden. Wo soll die Reise hin führen und wie soll sie aussehen?

    Ich bin da guter Dinge wenngleich ich noch kein Bild vor Augen habe. Dein Artikel kommt zu einer sehr passenden Zeit, habe ich doch erst vor einigen Stunden wichtige Entscheidungen bezüglich meiner Permakulturausbildung getroffen.

    Ps. Vielleicht finden sich ja nach und nach zusehends Menschen die Deinen Blog mit tragen möchten. 😉

    Beste Grüße,

    Dennis vom Humus

    1. Danke Dennis. Freut mich zu hören, dass ich Dir weiterhelfen konnte :). Und ja, mehr Autoren zu finden, ist das, was ich mir für den Blog wünsche. Akut sind erstmal andere Sachen wichtiger für mich. Wenn die geregelt sind, ist die Vernetzung der nächste große Punkt auf der Liste. Ich wünsche Dir viel Erfolg und Spaß in Deiner Ausbildung. Wir sehen uns bestimmt bald wieder ;)!

  2. Hallo Oli, danke für diesen Artikel! Ich finde mich in ganz vielen deiner Aussagen wieder, da ich selber auch so ein „sprunghafter“ Typ bin. Ich freu mich für dich, dass du etwas – im wahrsten Sinne – permanentes für dich gefunden hast! Mir geht es mit der Permakultur ähnlich, weil sie auf dem Prinzip basiert: Wirklich permanent ist nur die Veränderung…
    Alles Gute für deinen Weg, ich bleibe treue Leserin und bin sehr gespannt auf dein Abschlussprojekt bei Geoff!
    LG, Pamela

    1. Danke Pamela :). Auf dein Abschlussprojekt bin ich auch sehr gespannt. Aber davon hör/lese ich bestimmt ;)? Geoff hat uns in dem Kurs ein paar wirklich super Werkzeuge bereitgestellt. Ich kann es kaum erwarten, sie zu benutzen.

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