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In diesem Blogbeitrag möchte ich dir die Permakultur Prinzipien näherbringen. Sicherlich sind die Prinzipien von David Holmgren am bekanntesten, aber es gibt noch mehr Permakultur Prinzipien, die bei der Gestaltungsarbeit helfen. Darunter zählen die Permakultur Prinzipien von Holmgren aber auch die Ökosystemkriterien.

Was sind Permakultur Prinzipien?

Permakultur Prinzipien sind eine Hilfe bei der Gestaltung von Ökosystemen. Bei Permakultur Design geht es immer darum, produktive Ökosysteme zu entwickeln. Allerdings sind Ökosysteme ziemlich komplex und das macht das ganze etwas tricky.

Deshalb haben Holmgren und Mollison Prinzipien entwickelt, die es Leuten wie dir und mir einfacher machen, solche produktiven Ökosysteme zu schaffen. Die Permakultur Prinzipien versuchen also, Eigenschaften von Ökosystemen abzubilden und in kurze Merksätze zu übertragen mit denen wir dann arbeiten können.

Wie können wir mit Permakultur Prinzipien arbeiten?

  • Wir können damit unsere Gestaltungsarbeit überprüfen,
  • die Gestaltungsarbeit anderer überprüfen,
  • einschätzen, ob eine Permakultur wirklich ein produktives Ökosystem ist,
  • uns in der Entwurfsphase davon inspirieren lassen,
  • sie als Leitlinien für unser eigenes Leben anwenden.

Diese Auflistung hier kann dir als Nachschlagewerk dienen. Wenn du mit den Prinzipien arbeiten willst, kannst du immer zurückkehren und sie dir ansehen. Speichere dir den Blogbeitrag zum Beispiel als Lesezeichen, dann findest du ihn leichter wieder.

Permakultur Prinzipien von Bill Mollison

Diese Prinzipien wurden zeitlich vor David Holmgren entwickelt. Sie stammen aus dem Handbuch der Permakultur Gestaltung (Seite 30 der deutschen Auflage).

1. Permakultur Prinzip: Arbeite mit der Natur anstatt dagegen

Leider funktioniert unsere Gesellschaft heutzutage genau andersrum. Wir wollen einen schönen Rasen in unserem Garten oder jedes Jahr Weizen auf unseren Feldern ernten. Die Natur hat aber eigene Pläne und gegen die müssen wir ständig ankämpfen. Mit Dünger, Pestiziden, Roundup usw. nur damit wir einen schönen Fußballrasen haben oder jedes Jahr zuviel Brot produzieren und die Hälfte wegwerfen. Wenn wir die Wege der Natur kennenlernen, können wir uns danach richten und dadurch viel Energie sparen.

Bild: Lukasz Szmigiel auf Unsplash

Beispiel Waldgarten: Wir lassen der Natur ihren Lauf und ernten dabei jedes Jahr. Im ersten Jahr pflanzen wir erste essbare Bäume und nutzen das verfügbare Licht für Gemüseanbau. In den nächsten Jahren verändert sich unser Ertrag dann immer in Richtung Obst und Nüsse. In den schattigen Bereichen können wir dann noch Kräuter und Pilze anbauen und der Ertrag ist für Jahre gesichert.

Das alles erreichen wir durch die Arbeit mit dem Lauf der Natur anstatt dagegen.

2. Permakultur Prinzip: Das Problem ist die Lösung

Wenn unser Land eine Schwäche hat, können wir Wege finden sie in eine Stärke umzuwandeln. Denn es hängt alles von der Sichtweise ab.

Ein Beispiel: Bill Mollison wurde von einem Kunden beauftragt, ein Permakultur Design zu erstellen. Größtes “Problem” auf dem Land war der wild wuchernde Fenchel. Für Bill war klar: Ich muss versuchen, den Fenchel in eine Ressource zu verwandeln. Nach ein wenig Recherche fand er heraus, dass wilder Fenchel eine Grundzutat für einen regionalen Schnaps ist. Also empfahl Bill dem Kunden, eine eigene Brennerei aufzubauen, Schnaps aus dem Fenchel zu machen und diesen regional zu vermarkten.

Wir sehen: Jedes Problem, das wir haben sollten wir von mehreren Seiten aus betrachten. Fragen wie: “Wie kann ich das in eine Ressource verwandeln?” oder “Wie kann es zu einer Lösung für ein anderes Problem werden?” können uns dabei leiten. Wir sollten bei auftretenden Problemen kreativ werden und Recherche dazu betreiben. In irgendeiner Form können Probleme oft in anderen Prozessen zu Lösungen verändert werden wie im Beispiel oben mit der Brennerei.

3. Permakultur Prinzip: Mache die kleinstmögliche Veränderung mit dem größtmöglichen Effekt

Dieses Permakultur Prinzip hält uns dazu an, unseren Rohstoffverbrauch bei der Landschaftsveränderung gering zu halten. Kleine Veränderungen mit großem Effekt sind effizienter als große, wenig effektive Veränderungen. Bei Erdarbeiten macht es zum Beispiel viel mehr Sinn, erst die Niederschlägsverläufe in der Topographie zu beobachten. Erst dann bauen wir den Teich oder einen Damm, weil wir dann genau wissen wo er sich am meisten lohnt, nämlich dort wo sich das Wasser sammelt. Wenn wir das nicht zuerst beobachten, platzieren wir unseren Teich an irgendeiner unnötigen Stelle im Gelände und haben dann nachher viel mit der Pflege zu tun.

Lieber erstmal klein anfangen. Bild: Markus Spiske auf Unsplash

In einem Permakulturgarten nutzen wir Mulchbeete anstatt mit dem Spaten umzugraben. Der Effekt ist beim Mulchbeet nämlich viel besser als beim Umgraben. Wenn wir das Beet mit Karton oder Heu mulchen, müssen wir wenig Arbeit investieren, erhalten einen humosen Boden und haben weniger Beikrautsamen im Beet. Beim Umgraben mit dem Spaten stören wir das Bodenleben, vermischen die Schichten und müssen danach noch den Boden mit der Hacke bearbeiten, um ihn krümeliger zu bekommen. Das gleiche gilt übrigens für’s pflügen mit dem Traktor. Deshalb sollten wir uns immer gut überlegen, wie wir ein gewünschtes Ziel möglichst smart, also mit wenig Aufwand erreichen können.

4. Permakultur Prinzip: Der Ertrag eines Systems ist theoretisch unbegrenzt

Nur unsere Kreativität ist die Begrenzung des Ertrags. Letztendlich versuchen wir ja, die Produktivät der Fläche zu erhöhen. Das tun wir indem wir die ankommende Energie bestmöglich nutzen. Was sind die wichtigsten Energiequellen für die Produktivität?

  • Sonneneinstrahlung
  • Niederschläge
  • Bodennährstoffe
  • Bodenfruchtbarkeit

Diese sollten wir natürlich bestmöglich nutzen. Für die Sonneneinstrahlung können wir zum Beispiel eine Sonnenfalle pflanzen und auf diese Weise das Sonnenlicht bestmöglich im System halten. Durch Swales oder Keyline-Pflügen können wir Niederschläge in unserem Gelände halten. Dadurch steigt natürlich auch die Bodenfruchtbarkeit, denn es kommt dem Bodenleben zu Gute. Zusätzlich können wir unser Bodenleben noch stärken, indem wir es regelmäßig mulchen und nicht umpflügen.

Bild: Markus Spiske auf Unsplash

Das sind natürlich nur sehr generelle Empfehlungen. Im Internet finden sich haufenweise Beispiele wie die Energie noch besser genutzt werden kann. Zum Beispiel durch Wassertanks im Gewächshaus, damit das Gewächshaus im Winter wärmer ist. Ein weiteres Beispiel ist der Hühnertraktor, der den Hühnern immer frisches Grün bietet und uns Menschen die Mäharbeiten erspart.

5. Permakultur Prinzip: Alles gärtnert

Tiere, Pflanzen, Pilze und der Mensch. Alle Dinge verändern ihre Umwelt. Wenn wir lernen, das natürliche Verhalten der lebendigen Umwelt zu schätzen können wir das für uns nutzen. Hühner zum Beispiel sind Tiere, die eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen können wie zum Beispiel Beikrautkontrolle, Düngung und Schädlingsvertilgung.

Permakultur Prinzipien von David Holmgren

Nachdem das Handbuch der Permakultur Gestaltung veröffentlicht wurde, hat David Holmgren eigene Prinzipien entwickelt und ausgearbeitet. Hier findest du die Permakultur Prinzipien im Überblick.

1. Beobachte und Handle

Permakultur-Prinzip_Beobachten

Wenn wir unser Permakulturprojekt gestalten, sollten wir mit Bedacht vorgehen. Denn die Natur ist sehr komplex und schwer zu erfassen. Beobachtung ist also sehr wichtig, bevor wir in die Handlung gehen. Allerdings sollten wir auch Veränderungen in Angriff nehmen und dann wieder beobachten, welche Auswirkungen das auf unsere Permakultur hat. Dieses Permakultur Prinzip lädt uns also ein Schritt für Schritt mehr über die Auswirkungen unserer Veränderung zu lernen.

2. Sammle und speichere Energie

Permakultur-Prinzip-Energie

Dieses Permakultur Prinzip erinnert uns daran, Energie bestmöglich zu nutzen. Es ähnelt dem Permakultur Prinzip “Der Ertrag eines Systems ist theoretisch unbegrenzt”. Es geht also auch hier darum, Sonnenlicht und Niederschläge einzufangen. Außerdem muss natürlich die Bodenfruchtbarkeit erhalten und gefördert werden. Manche Formen von gebundener Energie gehen verloren, wenn sie nicht gespeichert werden. Dazu gehört zum Beispiel auch das Heu. Es muss gemacht werden, wenn es soweit ist, ansonsten verkompostiert es nur als Flächenrotte.

3. Erziele einen Ertrag

Permakultur Prinzip Ertrag

Permakultur ist kein reines Naturschutzkonzept. Im Handbuch der Permakultur-Gestaltung wird klar zwischen Naturschutzprojekten und produktiven Ökosystemen unterschieden. Permakulturen sollten also immer mehrere Erträge für uns Menschen erzielen. Dazu gehören natürlich Nahrungsmittel, aber auch sauberes Wasser oder stabile Gemeinschaften. Nicht zuletzt gehört aber auch ein ökonomischer Ertrag zur Permakultur dazu. Auf dem Hofprojekt Virsoleil in Frankreich wird das zum Beispiel durch eine Trüffelpflanzung umgesetzt. Die Möglichkeiten hängen auch hier von deiner Kreativität ab.

4. Nutze Selbstregulation und akzeptiere Feedback

Permakultur Prinzip Selbstregulation

In Permakulturen haben wir es mit komplexen Systemen zu tun. Warum? Weil Natur so viele Verbindungen zwischen den Arten schafft, dass wir sie als Menschen kaum überblicken können. Es ist unsere Aufgabe, Räume für die Natur zu schaffen sich zu entfalten. Räume also, in denen Selbstregulation möglich wird und die Natur ihren Lauf nehmen kann. Wenn wir positive Veränderungen bemerken, die von selbst entstehen, sollten wir daraus lernen! Aber auch negative Veränderungen können wir zum Anlass nehmen, unsere eigene Gestaltungsarbeit zu überdenken und Anpassungen vorzunehmen.

5. Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen

Permakultur Prinzip Erneuerbare

Unsere heutige Gesellschaft ist auf endliche Ressourcen aufgebaut. Dieses Permakultur Prinzip soll uns auf einen anderen Pfad bringen, nämlich den erneuerbaren Pfad. Die Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen wird in den nächsten Jahrzehnten abnehmen und auch teurer werden. Deshalb sollten wir unsere Permakultur so aufbauen, dass sie möglichst mit wenigen endlichen Rohstoffen auskommt. Dazu gehören:

  • Erdölprodukte: Plastik, Benzin, Diesel,
  • Erdgas
  • Schwer Recyclebare Metalle: Aluminium, Lithium, seltene Erden (Batterien!)

Wir können aber auf Alternativen ausweichen, auch alternative Treibstoffe. Den Traktor können wir zum Beispiel durch dressierte Pferde ersetzen, oder den Rasentrimmer durch Hühner. In einem Vergärer können wir unser eigenes Methangas zum Kochen herstellen oder mit einem Vergaser davon den Wasserstoff abspalten. Die Möglichkeiten für erneuerbare Ressourcen sind gewiss noch nich alle erforscht worden!

6. Produziere keinen Abfall

Permakultur Prinzip Abfall

Überall Müll. Wenn ich heute in die Nachrichten schaue, finde ich bestimmt irgendwo einen Artikel zur Plastikverschmutzung unserer Weltmeere. Natürliche Ökosysteme produzieren keine Abfälle, sondern schaffen natürliche Kreisläufe. Alles wird wiederverwertet oder umgewandelt und jede Umwandlung kommt mehreren Arten zu Gute. Wenn wir Permakulturen gestalten sollten wir uns also die Energie- und Stoffströme ansehen und daraus Kreisläufe machen. Wo wir keine Kreisläufe schaffen können, sollten wir die Rohstoffe überdenken die wir einsetzen. Dazu gehören natürlich Plastikprodukte aber auch schwer recyclebare Metalle und toxische Chemikalien.

7. Gestalte vom Muster zum Detail

Permakultur Prinzip Muster

Dieses Permakultur Prinzip ist erstmal ein wenig abstrakt. Aber wenn wir die Natur ausführlich beobachten, finden wir überall Muster. Wenn wir Permakultur Gestaltung machen, sollten wir uns auch zuerst überlegen, was die zugrundeliegenden Muster sind. Oder welche Muster wir zur Gestaltung heranziehen können. Das Muster für diesen Blog ist zum Beispiel der Baum. Der Hauptstamm sind die einführenden Artikel zur Permakultur. Von dort aus gehen immer kleinere Äste zu den detaillierteren Beiträgen. Einen ausführlichen Beitrag von mir zum Thema Muster findest du hier.

8. Integriere eher als zu trennen

Permakultur Prinzip Integrieren

In der Natur finden wir sowohl Kooperation als auch Konkurrenz. Wenn man aber genau hinsieht, gibt es wesentlich mehr Formen der Kooperation, als Formen der Konkurrenz. Deshalb sollten wir auch in unserem wirtschaftlichen und sozialen Handeln versuchen eher zu integrieren als zu trennen. Mit Sicherheit gibt es Menschen, mit denen wir nicht so klar kommen und das Prinzip sagt auch gar nicht, dass wir uns nicht mehr abgrenzen sollen. Im Allgemeinen sollten wir jedoch uns zuerst fragen: “Welches Potential gibt es für Kooperation?” und “Wie können wir Kooperation möglich machen?” anstatt als Einzelgänger loszulegen. Das gleiche gilt für die von uns gestalteten Ökosysteme.

9. Nutze kleine, langsame Lösungen

Permakultur Prinzip Langsam

Schnellebiges Wachstum ist die Erzählung unserer Wirtschaft. Je mehr Wachstum desto besser und je schneller desto besser. Dabei sehen wir doch alle selbst, wozu das führt. Umweltverschmutzung, soziale Ungleichheit und technische Entwicklungen, die uns überrollen. Natürliche Ökosysteme wachsen eher langsam, schaffen aber dafür mehr Verbindungen untereinander. Wir sollten uns deshalb auch in unserer Gestaltung nicht zu viel auf einmal vornehmen und keine riesigen Dämme bauen. Vielmehr sollten wir erstmal kleinere Veränderungen in unserer Permakultur einführen. Danach können wir viel besser die Auswirkungen beobachten und verstehen, was passiert. Schritt für Schritt können wir dann immer größere und intelligentere Lösungen implementieren.

10. Nutze und schätze die Vielfalt

Permakultur Prinzip Vielfalt

Ökosysteme sind natürlich vielfältig. Das kommt daher, dass durch die natürlichen Prozesse viele Nischen für eine Vielzahl von angepassten Arten geschaffen werden. Ein toter Baum ist ein exzellenter Lebensraum für die schwarze Holzbiene, für eine Vielzahl von Pilzen, für Vögel und vieles mehr. Wenn wir dieses Permakultur Prinzip nutzen wollen, sollten wir also vielfältige Räume, Strukturen und Pflanzen in unsere Permakultur integrieren. Dazu gehört, dass wir Totholzhecken für Igel, Eidechsen und eine Vielzahl weiterer Arten schaffen. Auch Steinhaufen und Teiche ziehen eine Vielzahl von Spezies an. Die Vielfalt ist aber nicht nur ein Wert an sich. Vielfältige Ökosysteme können sich selbst regulieren und auf diese Weise schaffen wir ein ganz natürliches Schädlingsmanagement. Schnecken sind in einem vielfältigen Ökosystem kein Problem.

11. Nutze Randzonen und schätze das Marginale

Permakultur Prinzip Randzone

An den Randzonen findet am meisten Austausch statt. Diese Beoabachtung hat viele Permakulturisten dazu gebracht, Mandalabeete oder mäandrierende Teiche zu bauen. Wenn wir durch die Natur gehen, finden wir an natürlichen Flussufern aber auch an Waldrändern sehr interessante Randzonen. Denn es ist eine Art Übergang von einer Landschaft zur nächsten. An solchen Übergängen finden sich oft besonders viele Lebensräume für spezialisierte Arten. Deshalb ist die Produktivität an solchen Orten oft besonders groß. In Permakulturen machen wir uns diesen Effekt zu Nutze, indem wir solche Randzonen ganz bewusst einbauen und Gestalten.

12. Reagiere kreativ auf Veränderung

Permakultur Prinzip Kreativität

Veränderung ist die einzige Konstante in unserem Universum. Viele alte Kulturen und Religionen haben das schon erkannt. Als Permakulturisten sollten wir uns dem Öffnen und Veränderungen in unserer Permakultur stets begrüßen. Jedes Mal ergibt sich eine neue Chance, Dinge anders zu gestalten und in Interaktion mit der Natur zu verändern. Wenn wir dieses Permakultur Prinzip mit dem Prinzip “Das Problem ist die Lösung” verbinden, können wir auf ganz neue Ideen kommen und unsere Permakultur noch fruchtbarer werden lassen. Kreatives Denken ist also beim Gestalten von Permakulturen immer gefragt.

Alternative Permakultur Prinzipien: Die Ökosystem Kriterien

Die Ökosystemkriterien wurden von den Permakultur Designerinnen Monika Frank und Christina Werdermann entwickelt und bieten weitere Hinweise auf die Funktionsweise von Ökosystemen. Wir können sie zusätzlich zu den Permakultur Prinzipien von Holmgren und Mollison nutzen, um uns zu inspirieren.

1. Kooperation

In der Natur können wir viele Symbiosen und andere Formen der Kooperation beobachten. Sogar Altruismus ist ein natürliches Phänomen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Flechte. Flechten sind Hybride Organismen aus Algen und Pilzen. Sie können an Bäumen wachsen, weil die Algen das Sonnenlicht zur Ernährung verwenden und die Pilze die Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung aufnehmen und an den Baumrinden andocken.

Flechten sind das perfekte Beispiel für Kooperation. Bild: Patrick Hendry auf Unsplash

2. Begrenzung

Natürliche Ökosysteme sind meist durch die Topographie begrenzt. Wenn ein Fluss durch einen Wald fließt, begrenzt er zum Beispiel das Wald-Ökosystem. Das gleiche gilt natürlich für Seen. Auch wenn Wälder sich ausbreiten und damit wachsen können, sorgen periodische Waldbrände durch Gewitter immer wieder dafür, dass sich das Wald-Ökosystem zurückzieht. Tierpopulationen, die sich zu stark ausbreiten regulieren sich selbst: Wenn sich eine Räuberpopulation zu stark vermehrt, sinkt die Beutepopulation und im nächsten Jahr nimmt auch die Räuberpopulation wieder ab. Es gibt dann nämlich einfach zu wenig zu essen.

3. Flexibilität

Viele Arten haben sich über den Lauf der Zeit unglaublich verändert. Dazu gehört natürlich auch der Mensch. Solange diese Arten genug Zeit haben und die Veränderung nicht zu schnell verläuft, können sich Arten an Veränderungen anpassen. Ganze Ökosysteme haben oft Puffer eingebaut, die es ihnen ermöglicht Veränderungen über lange Zeiten auszuhalten. Unsere Ozeane nehmen gerade einen Großteil unserer CO2-Emissionen auf. Dadurch wird der Ozean zwar saurer, aber er kann dieses CO2 über Jahrtausende hinweg in Kalk umwandeln, sobald der Kohlenstoff in die unteren Schichten des Ozeans sinkt. Erst nach einigen Jahrzehnten wird der Ozean keinen Kohlenstoff mehr aufnehmen und der Puffer ist versiegt.

4. Vielfalt

Jedes Element erfüllt mehrere Funktionen, jede Funktion wird durch mehrere Elemente erfüllt. In diesem einfachen Satz steckt alles drin, was ich über die Vielfalt sagen muss. In Ökosystemen gibt es so viele unterschiedliche Arten und jede einzelne Art spielt ihre Rolle, alles hat seinen Platz. Permakultur-Systeme sollten genauso gestaltet werden.

Regenwälder sind wohl die vielfältigsten Orte auf der Erde. Bild: Nate Johnston auf Unsplash

5. Negative Rückkoppelung

Dieser etwas sperrige Begriff weist wieder auf die Selbstregulation von Ökosystemen hin. Wenn eine Art sich zu sehr ausbreitet, wird sie zum Beispiel von anderen reguliert. Wenn eine Population Rentieren zu groß wird, könnte sie das Ökosystem beschädigen und aus dem Gleichgewicht bringen. Das negative Gegengewicht sind aber die Wölfe, die die Rentierpopulation wieder regulieren und das ganze Ökosystem so im Gleichgewicht halten.

6. Eigendynamik

In jedem Ökosystem laufen unterschiedliche Prozesse ab. Auf Weideland wird über Jahrhunderte hinweg Kohlenstoff gespeichert, wenn es richtig bewirtschaftet wird. Wälder sorgen für eine Anhebung des Grundwasserspiegels und schaffen durch ihr Wurzelsystem einen lebendigen Boden. Bevor wir als Designer anfangen zu gestalten, sollten wir die Eigendynamik des Ökosystems kennen auf dem wir uns befinden und nicht dagegen handeln. Ansonsten verletzten wir das erste Prinzip von Mollison: Arbeite mit der Natur und nicht dagegen.

7. Vernetzung

Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile. Dieser alte Spruch weist darauf hin, dass die Beziehungen zwischen den Dingen wichtiger ist, als die Dinge selbst. So sollte es auch in Permakultur-Systemen sein. Wenn wir bewusst Elemente platzieren und ihre Beziehungen untereinander kennen und schaffen können, werden unsere Permakulturen sehr resilient.

Pilze sind durch ihr Mycelnetzwerk bestens vernetzt. Bild: Michel Stockman auf Unsplash

8. Wechselwirkung

Durch die Vernetzung der Lebewesen können auch Stoffe und damit Informationen ausgetauscht werden. So, wie in unseren Körper durch Hormone Informationen fließen, können sich Bäume miteinander verständigen. Auch Pilze, die im Wald ein großes Mycelgeflecht geschaffen haben, können auf diese Weise miteinander kommunzieren und bei Stress Gegenmaßnahmen einleiten. Zum Beispiel können sie die Ausbildung von Fruchtkörpern verzögen und so Energie sparen. Bäume können bei Hitzestress ihre Blätter abwerfen, um Verdunstung von Wasser zu verhindern.

9. Selbstorganisation

Durch Vernetzung und Wechselwirkung ist das Ökosystem in der Lage, sich selbst zu organisieren. Wir sind stets gut beraten, unser Land zu beobachten. Ungewöhnliche Veränderungen deuten oft auf eine selbst-organisierte Reaktion des Ökosystems auf eine Veränderung hin. Es kann hilfreich sein, jedes Jahr eine Tonaufnahme zu machen und zu hören, ob manche Vogelrufe oder Insektenlaute verschwunden sind. Das deutet auch auf eine Veränderung des Ökosystems hin. Es ist zwar manchmal schwer, Veränderungen auch richtig einzuordnen, aber wenn wir unser Land gut kennen, wissen wir was für Gegenmaßnahmen wir einleiten müssen.

10. Durchlässigkeit

Ökosysteme ziehen keine Mauern hoch. Mal abgesehen von dichten Brombeersträuchern natürlich :-). In der Regel sind Ökosysteme aber so durchlässig, dass andere Arten von einem Ökosystem zum nächsten gehen können und viele Tiere haben ja auch Wanderungszyklen. Dazu gehören natürlich Vögel aber auch Fische und viele andere Tierarten. Wenn Ökosysteme nicht durchlässig wären könnten viele Tierarten überhaupt nicht wandern. Auf diese Weise werden aber Samen transportiert und auch Pollen, die sehr wichtig sind für die Verbreitungswege von Pflanzen.

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Titelbild und Icons zu den Gestaltungsprinzipien von Holmgren: David Holmgren, Holmgren Design. CC-BY-NC-ND 2.5 AU

Rene Franz

Seit 2016 beschäftige ich mich fast täglich mit der Permakultur. Für mich ist sie einer der ganzheitlichsten Gestaltungsansätze unserer Zeit. Deshalb schreibe ich hier über viele Lösungen mit denen uns die Permakultur dabei helfen kann, den Wandel zu gestalten. Derzeit befinde ich mich in der Weiterbildung zum Dipl. Permakultur-Gestalter an der Permakultur Akademie.

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