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Permakultur und Naturgarten
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In diesem Blogbeitrag möchte ich dir einen Überblick über das Buch Permakultur und Naturgarten von Markus Gastl geben. Ich gehe darauf ein, was das Buch grob beinhaltet, welche Stärken und Schwächen es hat und für welche Anwendungsfälle es geeignet ist.

Inhaltsverzeichnis

Permakultur und Naturgarten – Die Fakten

Permakultur und Naturgarten – Der Inhalt im Überblick

Es ist für mich gar nicht so leicht, dieses Buch einzuordnen. Für mich scheint es, als hätte der Autor Markus Gastl mit diesem Buch eine Art Grundlagenwerk schaffen wollen. Es geht an vielen Stellen nämlich nicht so richtig ins Detail, sondern verweist auf seine anderen Bücher, etwa wenn es um die Naturmodule und deren Konstruktion geht. Stattdessen nutzt Markus Gastl die Gelegenheit, seine Idee vom Drei-Zonen-Garten vorzustellen und die Hintergründe dazu darzulegen. Dies gelingt ihm aus meiner Sicht ganz gut, denn er verbindet seine persönlichen Erfahrungen mit den konkret geschaffenen Gärten. Theorie, Philosophie und Umsetzung kommen hier also zusammen.

Allerdings ist es nicht so, dass man als Gärtner in diesem Buch konkrete Anleitungen erwarten darf. An den wesentlichen Stellen wird nämlich immer wieder auf die anderen Bücher des Autoren verwiesen und so bleibt dieser Titel recht überblicksartig. Wer aber das Konzept hinter dem Drei-Zonen-Garten verstehen will, wird in diesem Buch sicher fündig.

Gartenplan Permakultur und Naturgarten
Ein Gartenplan ist hilfreich, um sich einen Überblick über den Bestand zu verschaffen. Derlei findet man mehrere in Permakultur und Naturgarten. Bild: Rene Franz

Umrundet wird das ganze Konzept von mehreren gut erprobten Gärten. Die Beschreibungen enthalten meist einen Lageplan sowie Hinweise zu den Elementen des Gartens, die diesen so besonders machen. Das ist gut gelungen, weil die ganzen theoretischen Ausführungen vom Anfang nochmal an konkreten Beispielen verdeutlicht werden.

Kapitelübersicht

Folgende Themen findest du in diesem Buch nach Kapiteln gegliedert:

  1. Hortan leben – eine neue Idee?
  2. Theorie und Grundlagen
  3. Sinnvolle Gartengeräte
  4. Die Mulchwurst
  5. Superbeete für Ertrag oder Hotspot
  6. Die Komposttoilette
  7. Naturmodule
  8. Hortus-Netzwerk
  9. Service

Permakultur und Naturgarten – für wen dieses Buch gedacht ist

Diese Frage ist aus meiner Sicht gar nicht so leicht zu beantworten. Das Buch enthält, von den Mulchwürsten mal abgesehen, nämlich kaum konkrete Techniken für Gärtner. Eventuell könnte es ein Buch für Gärtner sein, die sich noch nicht so sehr mit Biogarten oder Permakultur auseinandergesetzt haben. Es kann sehr inspirierend wirken und zum Nachdenken anregen – gerade weil der Autor es schafft, viele Probleme des modernen Gärtners aufzudecken und Alternativen aufzuzeigen.

Wer sich aber schon mit Biogarten-Konzepten beschäftigt, wie z. B. Mischkultur, der wird mit diesem Buch vermutlich nicht viel anfangen können. Der Drei Zonen Garten ist zwar durchaus ein Biogarten-Konzept, das man nutzen kann – allerdings gibt es eben viele andere die damit konkurrieren. Es lässt sich aus meiner Sicht nicht unbedingt gut mit anderen ökologischen Gartenbaukonzepten vereinen und deshalb habe ich die Sorge, dass es den einen oder anderen eher verwirren könnte.

Nun ist dies das erste Buch, dass ich von Markus Gastl lese und er hat ja auch noch weitere Bücher geschrieben. Eventuell ändert sich auch meine Meinung später noch, denn es könnte ja sein, dass dieses Buch im Gesamtkontext der beiden anderen Werke zu sehen sein sollte. Dafür würde sprechen, dass an zentralen Stellen (z. B. bei den Naturmodulen) darauf verwiesen wird.

Permakultur und Naturgarten: Buchqualität und Schreibstil

Die Qualität des Einbands ist leider nicht sonderlich gut. Ich habe es nach ein paar Monaten wenig intensiver Nutzung geschafft, dass der Buchrücken abgescheuert ist. Die Bilder und Drucke sind dafür aber auf sehr hohem Niveau. Die Fotografien sind gestochen scharf und die grafische Aufmachung ist sehr hochwertig. Mir gefällt, dass zu jedem Themengebiet mehrere Fotografien oder Zeichnungen gezeigt werden, es gibt nur einige wenige Abschnitte ganz ohne Bilder.

Mir sind darüberhinaus keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler aufgefallen; das Korrektorat hat also sehr gewissenhaft gearbeitet. Für einen Verlag dieser Größe aber auch nicht sehr ungewöhnlich.

Meine Gedanken zum Drei-Zonen-Garten

An dieser Stelle möchte ich mal ein paar meiner eigenen Gedanken zum Drei-Zonen-Garten loswerden. Das ist sicherlich kein abschließendes Urteil, denn ich habe mich ja noch nicht mit den anderen Büchern von Markus Gastl beschäftigt. Man möge es mir also verzeihen, wenn ich hier ein wenig härter mit diesem Konzept ins Gericht gehe, denn ich finde, dass es mit Permakultur nicht sehr viel zu tun hat.

Den Garten auf Drei Zonen zu begrenzen ist eine unnötige Reduktion von Komplexität

Bei der Permakultur oder auch Permakultur Gestaltung geht es darum, die Vielfalt und Komplexität anzunehmen und zu schätzen und nicht, sie auszublenden. Gerade das systemische Denken gibt uns als Gestaltenden eine Perspektive mit der wir versuchen können, Ökosysteme zu verstehen.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Ertragszonnen, Pufferzonen und Hotspot-Zonen. Wenn wir aber nur in solchen schematischen Denkansätzen bleiben, werden wir nie in der Lage sein, wirklich produktive und an der Natur orientierte Ökosysteme zu erschaffen.

Die 5 Zonen der Permakultur: Detailliertere Zonen nach Nutzungsintensität sortiert und die Wildnis integrierend. Abbildung: Felix Müller, CC-BY-SA 4.0

Teilweise trägt das ganze auch komische Blüten: Auf einer Seite beschreibt Markus Gastl wie er Biomasse von einem seiner Gärten in einen anderen Garten fährt, um dort den Boden aufzubauen. Ich hoffe sehr, dass er das nicht mit dem Auto macht, denn sonst wäre es energetisch vollkommener Irrsinn.

Und selbst wenn er das mit dem Fahrrad macht, frage ich mich – ist es diesen Aufwand wirklich wert? Die Zeit und Energie würde ich lieber in die systemische und interne Schaffung von Vielfalt und Fülle in den jeweiligen Gärten stecken und nicht in das Hin- und Hertransportieren von Energie in Form von Biomasse.

Ist das gezielte Abmagern von Böden wirklich wünschenswert?

Diese Frage kann man aus meiner Sicht mit Ja beantworten, sofern man die Biomasse nicht mit dem Auto an andere Stellen (z. B. Kompostwerk) transportiert. Außerdem sollte man nicht denken, man könne jetzt die Anbaufläche reduzieren und dann fröhlich im Aldi sein konventionelles Gemüse kaufen. Regional erzeugte Produkte, dazu noch aus biologischem Anbau im eigenem Garten ist für die Umwelt wesentlich besser, als Anbauflächen durch Hotspot-Zonen abzubauen.

Permakultur und Naturgarten Magerwiese
Eine Magerwiese. Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Aus meiner Sicht sollte ein Garten also zunächst mal groß genug sein, um eine ausreichende Anbaufläche für sich selbst zu gewährleisten. Natürlich muss ich nicht 100%iger Selbstversorger sein. Aber so wie es jeder in seinem Maße kann, ist es schon sinnvoll die eigenen Anbauflächen zu nutzen. Das was dann noch übrig ist, kann mit Sicherheit über die Zeit in Magerwiesen umgewandelt werden und damit mehr Vielfalt im Garten schaffen. Künstlich angelegte Magerflächen durch das Ausbringen von Kalkschotter von außerhalb wie auf Seite 127 im Hortus rivalis dargestellt halte ich aber für Unsinn.

Mehrjährige Gehölze fehlen

Seit Permaculture One: A Perennial Agriculture ist Permakultur ein System, das ganz bewusst die mehrjährigen Kulturen mit einbezieht. Und schon davor haben Pioniere wie F.H. King* oder J. Russel Smith* die permanente Agrikultur als System beschrieben, das auf Basis von mehrjährigen Gehölzen funktioniert. Inspirieren ließen sie sich dabei von den hunderte von Jahren bestehenden mehrjährigen Landwirtschaftssystemen aus Asien.

Eine mehrjährige, auf Ertrag ausgerichtete Polykultur. Solchen produktiven und artenreichen Pflanzengemeinschaften räumt Markus Gastl leider keinen Platz in seinem Konzept ein. Bild: Jörn Müller

Was in „Permakultur und Naturgarten“ auffällt ist das fast vollständige Fehlen von mehrjährigen Arten. In der Hotspot-Zone können sie natürlich keinen Platz finden, denn dort werden Magerwiesen gebraucht. Der Mulch von Bäumen führt tendenziell nicht dazu, dass Flächen magerer werden. In der Anbauzone haben sie aber auch nichts zu suchen, denn hier sollen ja die Böden aufgebaut werden für einen perfekten Gartenboden aufgebaut werden.

Der einzige Ort wo nach Gastls Konzept jetzt noch die Bäume ihren Platz haben ist die Pufferzone. Schade eigentlich, sind Bäume doch aus Sicht der Permakultur die produktivsten Kalorienbringer im Verhältnis zur investierten Energie. Zusätzlich erzeugen sie eine ganze Menge von Ökosystemdienstleistungen und stellen Habitate und Lebensraum für die verschiedensten Lebewesen bereit.

Was hat das eigentlich noch mit Permakultur zu tun?

Gehen wir nochmal zurück ins Jahr 1988. In diesem Jahr erschien das Handbuch der Permakultur Gestaltung von Bill Mollison. Auf Seite 21 hat er Verhaltensregeln festgelegt, wenn es um den Umgang mit natürlichen Systemen geht:

„Wenn wir für unseren Umgang mit natürlichen Systemen eine Reihe von Verhaltensregeln festlegen müssen, dann sollten es folgende sein:

– Ausnahms- und kompromissloser Widerstand gegen jede weitere Störung aller verbleibenden natürlichen Waldflächen, in denen die meisten Arten noch im Gleichgewicht leben.
– Entschlossene Wiederherstellung eines stabilen Zustandes für zerstörte und beschädigte natürliche Systeme.
– Einrichtung von Pflanzengesellschaften für unseren eigenen Gebrauch, wobei wir so wenig Landfläche wie möglich für unsere Lebensbedürfnisse verwenden und
– Einrichtung von Pflanzen- und Tierreservaten für seltene und bedrohte Arten.

Als Gestaltungs-Konzept beschäftigt sich Permakultur hauptsächlich mit dem dritten Punkt. […]“

Bill Mollison, Handbuch der Permakultur Gestaltung, Übersetzung des englischen Originals – 5. Auflage erschienen im Januar 2021 durch das Österreichische Institut für angewandte Ökopädagogik – Permakultur Akademie im Alpenraum, Seite 21

Was Mollison hier sehr klar macht, ist dass es der Permakultur um die Einrichtung von Pflanzengesellschaften für unseren eigenen Gebrauch geht. Das wäre also die Ertragszone von Markus Gastls Drei-Zonen-Modell. Der vierte Punkt, also die Einrichtung von Pflanzen- und Tierreservaten, entspricht Gastls Hotspot-Zone.

Man kann das ganze durchaus zusammen in einem System denken – das finde ich ziemlich sinnvoll. Der Grund dafür ist, dass das Vorhandensein von Nützlingen selbstverständlich auch den produktiven Pflanzengesellschaften dient. Streng genommen ist die letzte von Mollisons Verhaltensregeln aber keine Permakultur, weil es hier eben nicht mehr primär um die Erzeugung von Nahrungsmitteln für unsere Lebensbedürfnisse geht.

Das ist nicht weiter schlimm, wenn man es denn schafft, die beiden Aspekte auseinanderzuhalten und nicht das eine für das andere zu Opfern. Es kann nämlich aus meiner Sicht nicht darum gehen, Naturschutz auf Kosten unserer eigenen Bedürfnisse zu betreiben. So dramatisch die weltweite Zerstörung der Ökosysteme auch ist, wir können dies nicht dadurch beheben, dass wir unsere eigene Lebensfähigkeit in Frage stellen. Und aus diesem Grund finde ich die Permakultur auch so sinnvoll:

Wir versuchen Ökosysteme nach dem Vorbild der Natur zu gestalten, die Artenvielfalt und die Erfüllung unserer Bedürfnisse vereinen. Es ist total sinnvoll, Elemente der Nützlingsförderung und Artenvielfalt zu schaffen und in das System zu integrieren. Reiner Naturschutz sollte aber nicht die Verantwortung von Gärtnerinnen und Gärtnern sein – es muss auf politischer Ebene ein Wandel stattfinden, durch den großflächig Naturschutzgebiete geschaffen werden. Dazu können wir natürlich einen Beitrag im kleinen leisten, aber wir werden es vermutlich nicht hinbekommen genügend Wiesen abzumagern, um Wildbienen zu retten.

Ein Insektenhotel auf dem Krameterhof. Sinnvolles Naturmodul in einer vielfältigen Landwirtschaft. Bild: Rene Franz

Was ich für mich persönlich aus dem Buch mitnehme

Trotz der ganzen Kritikpunkte gibt es auch in diesem Buch natürlich ein paar Dinge, die mich persönlich weitergebracht haben. Zum einen sind da die Mulchwürste. Diese Erfindung muss man vermutlich Markus Gastl zuschreiben und es ist aus meiner Sicht wirklich genial. Die Mulchschichten lassen sich tatsächlich wesentlich einfacher auf Schnecken und Feuchtigkeit kontrollieren. Das ist eine Gartentechnik, die sich problemlos in jeden Permakulturgarten einfügen lässt.

Ein weiterer Aspekt, der für mich in Zukunft noch eine größere Rolle spielen wird, sind die Naturmodule. In Permakulturgärten kommt das bewusste Schaffen von Lebensräumen für Insekten, Amphibien und Reptilien oft zu kurz. Beim Drei-Zonen-Garten wird dort von Anfang an Wert darauf gelegt und die Naturmodule sind Elemente, die die Biodiversität und damit die Selbstregulation des Gartens stärken. Aus diesem Grund möchte ich mir auch noch das „Ideenbuch Nützlingshotels“ zur Gemüte führen.

Permakultur und Naturgarten Biotop
Wasserbiotop auf dem Krameterhof im Lungau. Auf dem 45 ha großen Hof darf ein Biotop schonmal eine ganze Terrasse einnehmen. Der Großteil der Teiche ist aber für die Fischzucht vorgesehen.

Das Drei-Zonen-Modell kann ich aber aus genannten Gründen nicht in meine Planungen mit einfließen lassen und würde so weit gehen zu behaupten, dass es auch nicht gut zur Permakultur passt. Umgekehrt kann die Permakultur aber einige bereits genannte Elemente aus Gastls Konzept übernehmen und für sich nutzen.

Permakultur und Naturgarten: Mein Fazit

Trotz meiner Kritikpunkte möchte ich damit abschließen, dass Markus Gastl hier einen wertvollen Beitrag für die gesamte Debatte um Artenvielfalt, Renaturierung und Permakultur leistet. Sein Konzept deckt sich zwar nicht so gut mit dem der Permakultur, aber es ist ein Biogarten-Konzept, das man als eigenständig anerkennen muss. Für meinen persönlichen Geschmack ist es ein bisschen zu oberflächlich, aber jeder Gärtner, der sich noch nicht so viel mit Biogärten beschäftigt hat, kann hieraus etwas mitnehmen. Was ich ganz besonders wertvoll finde, ist das Hortus-Netzwerk über das sich alle Gärtner nach dem Drei-Zonen-Modell austauschen und vernetzen können.

Eventuell wäre es aber besser, den Drei-Zonen-Garten nicht mehr mit Permakultur zu betiteln, auch wenn der Begriff gerade im Trend liegt. Auf der anderen Seite kann Permakultur-Design viel vom Drei-Zonen-Garten übernehmen – vor allem die Natur-Module sind sinnvolle Ergänzungen für permakulturelle Anbauflächen. Auch die Hotspot-Zone könnte auf einer Permakultur-Fläche ihren Platz finden. Allerdings eben immer im Zusammenhang der gesamten Planung und nicht als Schablone.

Titelbild: Rene Franz mit freundlicher Genehmigung des Verlags Eugen Ulmer.


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Rene Franz

Seit 2016 beschäftige ich mich fast täglich mit der Permakultur. Für mich ist sie einer der ganzheitlichsten Gestaltungsansätze unserer Zeit. Deshalb schreibe ich hier über viele Lösungen mit denen uns die Permakultur dabei helfen kann, den Wandel zu gestalten. Derzeit befinde ich mich in der Weiterbildung zum Dipl. Permakultur-Gestalter an der Permakultur Akademie und zum zertifizierten Holzer Praktiker auf dem Krameterhof.

4 Kommentare zu “Permakultur und Naturgarten – Buchrezension

  1. Hallo Rene
    Danke für deine ausführliche Besprechung… Bevor du das Ideenbuch besprechen willst… Empfehle ich dir das erste Buch Drei Zonen Garten… Dann wird dir die Theorie klarer… Mein hauptsächlicher Kritikpunkt an der Permakultur ist das Fehlen der Hotspot Zone… Früher gab es sie überall… Die beinhaltet das Groß der heimischen Vielfalt an Pflanzen und Tieren… Sie bildet hauptsächlich das ökologische Netz in der auch der Mensch eingebettet ist… Die Überbauung oder Aufdüngung oder Bewaldung oder Nutzungsaufgabe hat rein flächenmäßig über 90% der Hotspot Zonen unserer Landschaft in den vergangenen 50 Jahren verschwinden lassen… Hier scheint mir die Permakultur stehen geblieben zu sein und diesen Wandel in der Landschaft auch nicht kompensieren zu können
    Provokant gefragt wo kommt im 5 Zonen Modell der Permakultur der Segelfalter oder der Sandlaufkäfer vor? Sag jetzt nicht in Zone 5… Das wird Wald und bietet keinen Lebensraum für die genannten und noch viel mehr Lebewesen unseres Systems
    Herzliche Grüße Markus

    • Rene Franz

      Hallo Markus,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das Gesprächsangebot, das ich als interessierter Leser sehr wertschätze. Vielen Dank auch für deine Buchempfehlung, ich werde es mir bei Gelegenheit zu Gemüte führen.

      Bevor ich auf deinen hauptsächlichen Kritikpunkt an der Permakultur eingehe, möchte ich zunächst einmal von dir wissen, was Permakultur für dich bedeutet. Das Verständnis ist bei vielen Menschen heutzutage nur sehr rudimentär angelegt und daher dient Permakultur – leider muss man sagen – auch als Projektionsfläche für verschiedenste Hypothesen und Techniken. Wer sich aber nicht mit den grundlegendsten Ideen – die sich zu großen Teilen im Handbuch der Permakultur Gestaltung (erschienen in deutscher Übersetzung bei PIA) finden – auseinandergesetzt hat, kann wenig zur Weiterentwicklung der Permakultur beitragen. Dies muss auf dich nicht zutreffen, ich wollte es nur mal Allgemein gesagt haben, da mir dieses Phänomen sehr oft begegnet.

      Die Überdüngung der Wiesen ist mir selbst vor 3 Jahren durch den Film „Die Wiese“ des Dokumentarfilmers Jan Haft bewusst geworden, von daher teile ich deine Besorgnis und sehe auch hier ein echtes Problem.

      Aus meiner Sicht ist „die Permakultur“, sofern es sie denn als homogenes etwas gibt, nicht dafür verantwortlich die Probleme „der Landwirtschaft“ zu lösen. Permakultur ist nämlich keine reine Anbauweise, sondern in ihrem Kern ein Gestaltungskonzept, oder, wie Bill Mollison es formulieren würde, eine „Design-Wissenschaft“ und hat zunächst einmal nicht zwingend den Anspruch, Landwirtschaft als System zu verdrängen. Aus meiner Sicht und nach meinem jetzigen Kenntnisstand, wobei man das durchaus diskutieren kann, würde es eher darum gehen eine vollständige Alternative zur Landwirtschaft zu entwickeln, die menschliche Siedlungen, soziale Gemeinschaften und politische Entscheidungsmethoden und damit zusammenhängende Rechtsformen auf Gemeinschaftsebene zusammendenkt und -gestaltet. Wer eine Alternative für den reinen Anbauaspekt sucht, ist im Bereich der „regenerativen Landwirtschaft“ besser angesiedelt.

      Für mich wäre es an dieser Stelle spannend zu hören, woher du die Annahme nimmst, dass die Permakultur an dieser Stelle „stehengeblieben“ sei. Ein Beispiel für eine Permakultur, wo auch HotSpot-Zonen existieren ist der Krameterhof. Dort werden steilere Hänge, die durch angelegte Terrassen entstanden sind, bewusst abgemagert, um die Artenvielfalt wieder zu erhöhen.

      Ich gebe dir Recht, dass die Wildniszone (Zone 5) sich in den meisten Gegenden der Erde mit der Zeit durch die natürliche Sukzession wieder einem Klimaxzustand annähern wird, der zwar nach Mosaik-Zyklus-Theorie nicht ganz so artenarm ist, wie von vielen angenommen wird, aber trotzdem nicht die Artenvielfalt einer Magerwiese beherbergt. Die Permakultur auf das Zonen-Modell reduzieren zu wollen, ist aber nicht zielführend, da es in der Praxis der Permakultur-Gestaltung eine Vielzahl von Design-Methoden gibt, mit denen kontextabhängige Lösungen gefunden werden. Wer dazu eine kleine Einführung will, dem sei das Buch „Permakultur Design – Schritt für Schritt“ von Aranya ans Herz gelegt.

      Wie ich bereits in meinem Beitrag geschrieben habe, gebe ich dir aber durchaus Recht damit, dass vor allem im deutschsprachigen Bereich bisher wenige Anstrengungen unternommen werden, die bewusste Förderung von Nützlingen innerhalb der Anbauzonen zu fördern. Deshalb bin ich auch sehr dankbar dafür, dass du die Idee der Naturmodule eingebracht hast, die sich dort super integrieren lassen. Auch HotSpot-Zonen kann ich mir in Permakulturen – kontextangepasst – vorstellen.

      Ich bleibe aber, da du darauf nicht eingegangen bist, bei meinem Standpunkt, dass wir
      – als Gärtnerinnen und Gärtner nicht dafür verantwortlich gemacht werden können, die Probleme der Landwirtschaft zu lösen – hier muss auf politischer Ebene gewirkt werden, denn es geht um Flächengrößen, die auf Gartenebene schlicht nicht darstellbar sind.
      – nicht den Fehler begehen sollten, großen Energieeinsatz für die Schaffung von Hotspot-Zonen vorzunehmen, da das ausgestoßene CO2 den Klimawandel und in Folge das Artensterben befeuert
      – Wir immer daran denken sollten, die Energie zu nutzen, die in unserem System Garten ankommt und möglichst wenig Energie von außen einzuführen

      Wie immer freue ich mich über einen weiteren konstruktiven Austausch zum Thema.

      Viele Grüße
      Rene

      Autor bei Permakulturblog.de

      • Nun ich fordere von Gärtnern selbst Verantwortung etwas für die Artenvielfalt und ihren Ertrag von Nahrung zu tun bevor sie die Landwirtschaft kritisch beurteilen. Zudem die wenigsten einige Hektar haben um sich zu verwirklichen. Den Begriff Selbstversorgung zum Beispiel lehne ich ab, da ich tatsächlich niemanden kenne, der sich selbst versorgt (Nahrung und Energie, von Kleidung oder Baustoffen wollen wir gar nicht sprechen). Ich kenne viele die über Kurse, Führung oder Verkauf von Büchern oder anderen Produkten (auch YouTube) Geld verdienen und somit ihren Lebensunterhalt verdienen… Dazu gehört auch der Krameterhof. In der Theorie von Bill Mollison kommt die Hotspot Zone nicht vor, was nicht ausschließt dass sie auch rudimentär angelegt wird. Warum hat Bill das nicht berücksichtigt? Ganz einfach, weil diese Flächen überall vorhanden waren und er sich im 5 Zonen Modell auf eine Anordnung konzentrieren konnte, die die Reduktion des zurück zu legenden Weges des Menschen in seiner Tätigkeit zum Ziel hat. Zone 1 bis 4 entsprechen meiner Ertragszone, Zone 5 ist Pufferzone, Hotspot Zone ist draußen genug vorhanden. Das war seine Ausgangssituation vor 40 Jahren. Aber die Zeit brachte auch Veränderungen.
        Im Grunde ist das Drei Zonen Modell nichts neues, es ist die traditionelle Landwirtschaft mit Äckern (Ertragszone) Hecken und Wäldern (Pufferzone) und Magerflächen (Hotspot Zone) mit den 6 wichtigen Themen Vielfalt Schönheit Nutzen Kreislauf Nachhaltigkeit und Kreativität, bezogen auf die durchschnittliche Struktur der meisten Menschen in Deutschland… Dem Garten

        • Rene Franz

          Hallo Markus,

          bitte entschuldige meine verspätete Antwort – es sind noch einige Dinge dazwischen gekommen.

          „Nun ich fordere von Gärtnern selbst Verantwortung etwas für die Artenvielfalt und ihren Ertrag von Nahrung zu tun bevor sie die Landwirtschaft kritisch beurteilen.“

          Das mit der Verantwortung kann ich nachvollziehen und finde ich grundsätzlich gut. Tatsächlich lautet das oberste Grundprinzip der Permakultur, „Verantwortung für sich und seine eigenen Kinder zu übernehmen.“ Allerdings finde ich schon auch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Landwirtschaft kritisieren dürfen, ohne selbst Nahrung anbauen zu müssen. Wir sind alle Teil der Gesellschaft und haben ständig Erwartungen aneinander: Beispielsweise würdest du ja auch erwarten, dass die Ärzte, die sich um deine Gesundheit kümmern ihre Sache gut machen, ohne selber Medizin studiert zu haben. Gleiches gilt für Politiker – wir erwarten von ihnen, dass sie nicht korrupt sind, das Volk gut vertreten und Gesetze machen, die nah an der Lebenswelt der Menschen ist, ohne selbst in einer Partei Mitglied zu sein, geschweigedenn am Wahlkampf teilzuhaben.

          „Den Begriff Selbstversorgung zum Beispiel lehne ich ab, da ich tatsächlich niemanden kenne, der sich selbst versorgt (Nahrung und Energie, von Kleidung oder Baustoffen wollen wir gar nicht sprechen).“

          Nun ja – so kann man es auch sehen. Ich halte das aber nicht für sehr zielführend, da der Begriff Selbstversorgung ja erstmal nichts darüber aussagt, womit oder zu welchem Prozentsatz man sich selbstversorgt. Ich halte es durchaus für legitim zu sagen, man versorgt sich eben mit Gemüse selbst und kauft Kaloriennahrung (Getreide, Hülsenfrüchte, Öle, Fleisch und Fisch) zu. Klar gibt es niemanden, der sich mit allem zu 100% selbstversorgt, aber es ist ein guter Sammelbegriff für alle, die etwas autarker leben und sich zu diesem Thema auch austauschen und Informationen holen wollen.

          „Ich kenne viele die über Kurse, Führung oder Verkauf von Büchern oder anderen Produkten (auch YouTube) Geld verdienen und somit ihren Lebensunterhalt verdienen… Dazu gehört auch der Krameterhof.“

          Da kannst du dir aber auch an die eigene Nase fassen. Du hast ja selbst auch schon einige Bücher beim Ulmer-Verlag rausgebracht und verdienst damit bestimmt einen Teil deines Lebensunterhalts. Ich halte das im übrigen für vollkommen legitim, denn es braucht das Wissen ja auch wieder mehr in unserer Gesellschaft – das Wissen von unseren (Ur)Großeltern ist ja größtenteils völlig verloren gegangen und in der damaligen Form ja nurnoch in Teilen bei den heutigen Landwirten vorhanden. Außerdem scheint es ja eine Nachfrage und auch einen Markt dafür zu geben, warum soll es dann falsch sein, dass es auch seriöse Anbieter zu dem Thema gibt? Ich selber habe den Geschäftsbericht des Krameterhofs nicht gelesen (eventuell hast du da mehr Informationen als ich), aber ich bin ja derzeit ca. einmal im Monat dort vor Ort und weiß dass die dortige Produktion allemal ausreicht, um davon Leben zu können. Die Kurse sind aus meiner Sicht eher ein (gutes) zubrot für die Familie Holzer. Ich lasse mich aber auch von anderen Fakten überzeugen, solltest du sie liefern können.

          „In der Theorie von Bill Mollison kommt die Hotspot Zone nicht vor, was nicht ausschließt dass sie auch rudimentär angelegt wird. Warum hat Bill das nicht berücksichtigt? Ganz einfach, weil diese Flächen überall vorhanden waren und er sich im 5 Zonen Modell auf eine Anordnung konzentrieren konnte, die die Reduktion des zurück zu legenden Weges des Menschen in seiner Tätigkeit zum Ziel hat.“

          Ich hätte dafür noch einen anderen Erklärungsansatz. Bill Mollison stützt sich in vielen seiner Beschreibungen ja auf Australien und die vielen Reisen, die er unternommen hat. Eventuell hatte er die Magerwiesen gar nicht auf dem Schirm, weil er die Artenvielfalt entweder nicht erkannt hat, oder weil sie in den Gegenden in denen er unterwegs war, schlicht nicht vorkamen? Das ist natürlich reine Spekulation, da ich nicht genau weiß wo er überall unterwegs war und wo es Magerwiesen gibt. Sowohl dein als auch mein Argument sind aber definitiv lohnenswert um darüber nachzudenken.

          „Im Grunde ist das Drei Zonen Modell nichts neues, es ist die traditionelle Landwirtschaft mit Äckern (Ertragszone) Hecken und Wäldern (Pufferzone) und Magerflächen (Hotspot Zone) mit den 6 wichtigen Themen Vielfalt Schönheit Nutzen Kreislauf Nachhaltigkeit und Kreativität, bezogen auf die durchschnittliche Struktur der meisten Menschen in Deutschland… Dem Garten“

          Und deshalb, denke ich, ist es auch ein Modell, das für Biogärten gut funktionieren kann. Moderne Entwicklungen wie z. B. Waldgärten oder auch komplexe durch Permakulturplanung angelegte Agrosilvopastorale Agroforstsysteme, Keyline-Design etc. passen hier aber nicht rein. Es gibt eben viele neuere Entwicklungen, die auf größeren Maßstäben viel bringen können. Aber auch Waldgärten, Regengärten, etc. passen gut in kleinere Gartensysteme. Und es fehlt eben auch an der Komplexität in der Bewirtschaftung. Wo passen zum Beispiel die Tiere in die Ertragszone? Wo finde ich die Obstbäume? Wie kann ich die Zonen alle mit Kreisläufen sinnvoll miteinander verknüpfen? Das alles sind Dinge, die in Permakultur-Designs zum Standard-Repertoire gehören. Deshalb würde ich eben immer noch sagen, dass das Drei-Zonen-Modell nicht allzu viel mit Permakultur zu tun hat.

          Viele Grüße
          Rene

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