Hülsenfrüchtler – pflanzliches Eiweiß

Hülsenfrüchtler_Klee

Menschen und dessen Haus- und Nutztiere benötigen Eiweiß für eine gute Entwicklung. Vor allem Schmetterlingsblütler aus der Familie der Hülsenfrüchtler werden als pflanzliche Eiweißquelle angebaut. Dadurch sinkt der Bedarf an tierischen Eiweißen und damit auch der Bedarf an Futtermitteln. Außerdem reichern die meisten Hülsenfrüchtler die Böden mit Stickstoff an und werden damit zur interessanten Vorfrucht. Genau das kannst Du Dir in Deiner Permakultur zu nutzen machen.

Die Qualität der Eiweißquelle entscheidet

Pflanzliche Eiweißquellen haben häufig den entscheidenden Nachteil, dass sie für Menschen oder Nutztiere einzelne essenzielle Aminosäuren in zu geringer Konzentration enthalten. Tierische Eiweißquellen zehren Futtermittel und damit Ackerland auf und sind auch nicht immer optimal.

Beispiel: Hühner sind als Allesfresser sogar selber auf hochwertige Eiweißquellen angewiesen. Ihre Hühnereier liefern für den Menschen alle notwendigen Aminosäuren. Ob Cholesterin oder Übergewicht, zu viele Hühnereier sind dadurch noch lange nicht gesund.

Wer hingegen auf tierische Eiweißquellen verzichtet oder auf ein Minimum reduziert, muss gewissenhaft über eine sinnvolle Kombination pflanzlicher Quellen nachdenken, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Zwei wissenswerte Eigenschaften zu Hülsenfrüchtlern

  • Die Hülsenfrüchte liefern einen sehr hohen Protein- und zum Teil auch hohen Ölanteil.
  • Die Wurzeln der meisten Arten gehen mit Knöllchenbakterien eine Symbiose ein. Mit dieser Symbiose wird Stickstoff aus der Luft entnommen und an die Wurzeln abgegeben oder im Boden eingelagert.

Benötigt die Folgefrucht viel Stickstoff, sind Hülsenfrüchtler eine perfekte Vorfrucht. Bis zu 100 kg Stickstofffixierung sind je Monat in der vegetativen Phase möglich. Das entspricht bis zu 10 Gramm pro m².

Hülsenfrüchtler_Lupine
Lupinen sind eine gute Proteinquelle und binden Stickstoff im Boden. Bild von Полина Андреева auf Pixabay

Zu den Hülsenfrüchtlern gehören Klee, Erbsen, Bohnen, Lupinen oder das in die Kritik geratene genmanipulierte Soja. Dieses Soja ist eine der wenigen pflanzlichen Eiweißquellen, die von der biologischen Wertigkeit an tierische Eiweißquellen herankommt und zugleich gute Erträge liefert. Erbsen oder Bohnen sind ebenfalls reich an Eiweiß. Diese sind aber für Menschen und viele Tierarten nicht ausgewogen und damit weniger effektiv in der Aufnahme durch den Körper.

Was sind hochwertige Eiweißquellen?

Eiweiße, auch Proteine genannt, bestehen aus Aminosäuren. Einige davon kann der Körper aus anderen selbst herstellen. Einige Aminosäuren müssen über die Nahrung oder zumindest teilweise über die Nahrung aufgenommen werden. Es handelt sich um essenzielle oder semi-essenzielle Aminosäuren. Ist der Anteil nur einer essenziellen Aminosäure in der Eiweißquelle zu niedrig, ist sie für den Organismus weniger wertig. Es ist wie bei einem Flaschenhals: Die anderen essenziellen und semi-essenziellen Aminosäuren verlieren auf Höhe vom Engpass ihren weiteren Nährwert. Mehr von diesen Aminosäuren bringt so lange nichts, wie dieser Engpass nicht ausgeglichen wird.

Proteine brauchen ein ausgewogenes Aminosäurenprofil, sonst kann es der Körper nicht aufnehmen. Das gilt auch für den Kraftsport. Photo by HowToGym on Unsplash

Das ist aber nur das halbe Problem: Wenn Du mehr unausgewogenes Eiweiß aufnimmst, um diesen Mangel auszugleichen, müssen Deine Nieren gesund sein. Ein Übermaß wird über die Nieren in Harnstoff verstoffwechselt und belastet auf Dauer die Nierenfunktion. Wer an einer Niereninsuffizienz leidet, soll deswegen seine Eiweißaufnahme verringern. Dann ist es noch wichtiger, hochwertige Eiweißquellen zu wählen. Da Aminosäuren nicht lange vom Körper eingelagert werden, kommt es zugleich auf die regelmäßige Zufuhr kleiner Mengen an.

Wissenswertes zur Fütterung verschiedener Tierarten

  • Menschen, Hühner, Schafe oder Schweine haben ihre eigene Verdauung. Sind Aminosäuren für Menschen essenziell, sind sie es nicht automatisch auch für andere Lebewesen.
  • Weidetiere sind es gewohnt, mit den Proteinen ihrer Grünpflanzen auszukommen. Für Menschen, Schweine oder Hühner reichen diese in ihrer Zusammensetzung leider nicht.
  • Wegen der unterschiedlichen Verdauung benötigen einige Tiere weniger Proteine als andere. Demnach sollen Enten nicht mit Hühnerfutter gefüttert werden, da sie wegen dem Übermaß an Proteinen schneller erkranken.
  • Einige Tiere wie Hühner benötigen nicht in jeder Lebensphase hohe Protein-Mengen. Im Wachstum, in der Mauser und in der Legesaison wird mehr Protein benötigt. Während der Legepause oder für ausgewachsene Hähne wäre ein geringerer Protein-Anteil besser.

Neben den Proteinen kommt es für leistungsbetonte Legehühner auf weitere Inhaltsstoffe wie Calcium für die Schalenbildung an. Selbst für freilaufende Hühner soll zur Lebensphase das passende Hühnerfutter beigefüttert werden. Auch andere Tiere profitieren durch eine Fütterung, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt wird.

Hülsenfrüchtler als Eiweißquelle und ihre Probleme

Unter den Hülsenfrüchtlern haben die verschiedenen Arten oder deren Zuchtsorten wiederum ein unterschiedliches Nährstoffprofil. Auf heimischen Böden gedeihen Erbsen und Bohnen sehr gut. Sie reichern die Böden mit Stickstoff an und davon profitieren sowohl Landwirte als auch Du als Selbstversorger, da die Böden insgesamt besser mit Stickstoff versorgt werden.

Erbsen, Bohnen, Linsen und viele andere Nutzpflanzen aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler eignen sich zwar als Nahrungsmittel und Futterpflanze, sind für sich allein aber nicht optimal. Genau deswegen scheint sich Soja, welches auch zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler gehört und leider oft genmanipuliert ist, durchgesetzt zu haben. In gigantischen Monokulturen wird diese hochwertige Eiweißquelle wirtschaftlich kultiviert – mit gravierenden Folgen für den Regenwald in Südamerika.

Hülsenfrüchtler
Soja hat eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, wird aber hauptsächlich in der Futtermittelindustrie verwendet und ist deshalb problematisch, wenn es nicht aus nachhaltigem Anbau stammt. Bild von bigfatcat auf Pixabay

Zur Information: Für tierische Eiweißquellen gelten inzwischen Einschränkungen: Wegen des BSE-Skandals (Rinderwahnsinn) dürfen Futtermittel, die aus Tierkörpern oder durch Tiere gewonnen werden, nicht mehr für die Fütterung von Nutztieren eingesetzt werden. Ausgenommen sind Milch, Milcherzeugnisse und Futterfisch, wenn dieser für die Fischzucht bestimmt ist. Auch das wird den Soja-Siegeszug begünstigt haben. Doch in den Anbauregionen leiden die Menschen an Pestiziden, vor allem an Glyphosat.

Süßlupinen – Hülsenfrüchtler als Soja-Ersatz

Soja wächst auf heimischen Böden und lässt sich damit leicht in Bio-Qualität erzeugen. Das geschieht inzwischen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und anderen Ländern der EU. Entweder Soja gedeiht bei uns weniger gut oder unsere Produktionstechniken sind zu teuer.

Als Soja-Alternative  hat sich bereits die „Gesellschaft zur Förderung der Lupine“ gegründet. Lupinen sind ebenfalls Hülsenfrüchtler, die zu den Schmetterlingsblütlern gehören, sie sind vielen als hübsche Zierpflanzen bekannt. Diese Pflanzenart wächst auf heimischen Böden sehr gut und liefert gute Erträge. Außerdem gibt es Zuchtlinien der Lupine, die gut verträglich sind. Soja ließe sich durch einen Mix aus Lupinen, Erbsen und Bohnen gleichwertig ersetzen.

Hülsenfrüchtler
Lupinen sind nicht nur eine gute Eiweißquelle, sondern bieten auch ein schönes Landschaftsbild. Bild von Steen Jepsen auf Pixabay

Leider enthalten Lupinen Bitterstoffe und werden von vielen Tieren nicht gut angenommen. Ein Pelletieren oder eine bessere Zuchtsorte würden das Problem bereits beheben.

Die Gesellschaft zur Förderung der Lupine kann auf erfolgreiche Fütterungsversuche verweisen, z.B. mit Hühnern. Für Hühner müssen Süßlupinen, Erbsen oder Bohnen geschrotet, gemahlen oder pelletiert werden.

Blaue Süßlupinen werden deswegen mit Erbsen oder Bohnen kombiniert, da sie für sich allein Fütterungsnachteile mitbringen. Doch in der Kombination sind sie für Hühner wiederum besser, als Erbsen oder Bohnen für sich allein. Bequemer wäre es wohl dennoch, Soja anzubauen.

Weswegen sind Hülsenfrüchtler für Deine Permakultur interessant?

Wenn Du eine Permakultur betreibst, wirst Du auf Kunstdünger, Pestizide oder andere künstliche Stoffe verzichten. Zugleich wünschst Du Dir Abwechslung für Deinen Speiseplan oder die Natur?

Niedriger Klee ist genauso ein Hülsenfrüchtler wie hohe Buschbohnen. Hülsenfrüchtler eignen sich als Zwischenfrucht, Gründünger, Vorfrucht oder auch Hauptfrucht. Die Bepflanzung liefert Grünfutter für einige Tierarten, lagerbare Hülsenfrüchte oder Stickstoff für die Folgefrucht. Einige Hülsenfrüchtler, vor allem Schmetterlingsblütler, sind zugleich eine gute Bienenweide. Du musst jedoch beachten, dass einige Arten nicht ohne ein Durchgaren genießbar sind. Dieses gilt auch für das Verfüttern. Blaue Süßlupinen sind an dieser Stelle anscheinend unproblematisch, Soja wird nach dem Pressen noch erhitzt. Wer es selber anbaut, sollte es vermutlich nicht unverarbeitet verfüttern.

Hülsenfrüchtler
Auch im Gemüsegarten können Lupinen sinnvoll eingesetzt werden. Zum Beispiel als Zwischenfrucht, um Stickstoff in den Boden zu bekommen. Bild von PierreGilbert auf Pixabay

Je nach Zielsetzung eignen sich ganz verschiedene Hülsenfrüchtler. Diese stellen unterschiedliche Ansprüche an ihren Standort und werden durch verschiedene Fressfeinde oder Krankheiten angegriffen. Wenn Du verschiedene Hülsenfrüchtler testest, zeigt sich schnell, welche bei Dir gut gedeihen. Beobachte auch, ob die Folgefrucht profitiert.

Hier einige Anregungen für Deine Permakultur:

  • Erbsen, Bohnen oder Soja: Die getrockneten Früchte lassen sich sehr gut einlagern.
  • Böhnchen liefern als frische Schoten schmackhafte Abwechslung.
  • Erbsen und Bohnen gibt es freistehend oder als hohe Rankgewächse.
  • Kichererbsen benötigen warme Bedingungen, gedeihen aber selbst bei Trockenheit.
  • Klee eignet sich als niedriger Gründünger und Grünfutter. Rinder können empfindlich reagieren, auch Pferde oder Schafe dürfen nicht zu viel auf einmal fressen.
  • Luzerne gehört zur Gattung Schneckenklee, wird 1 Meter hoch, kommt gut durch die Trockenheit und eignet sich als eiweißreiche Futterpflanze zur Silage. Luzerne wird meist durch Hummeln bestäubt.
  • Raps ist ein Gründünger und eine bedeutsame Ölpflanze zur Gewinnung von Lebensmitteln oder Treibstoff. Rapsblüten sind ein sehr guter Lieferant für Nektar.

Über den Autor

Robert Brungert. Ich bin auch aufgrund von Leistungseinschränkungen nach der Schullaufbahn ausgestiegen. In diesen Zeiten habe ich mich zwar räumlich nicht viel bewegt, aber einige interessante Personen kennenlernen dürfen, deren Lebensweise ich häufig nicht lange teilen könnte. Also suchte ich mir immer einen eigenen Weg.

RobertBrungert
Robert Brungert auf seinem Balkon neben zwei selbst ausgesäten Jiaogulanpflanzen. Copyright: Robert Brungert

Da ich ländlich aufwachsen konnte, führte dieser Weg letztendlich wieder zurück zum Gärtnern (derzeit auf dem Balkon und in Mutters Garten) und zur Tierhaltung (derzeit Katzen und auf dem Balkon gefleckte Weinbergschnecken, Wildbienen, Wespen und andere Kleintiere, einst auch viele andere Haustiere). Im Internet bin ich in diesen Themengebieten vielseitig unterwegs. Vieles probiere ich selber aus, stoße auf Probleme und finde Lösungen. Über einiges berichte ich auf meinem Hobbyprojekt www.umdreiecken.info

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René Franz (25). Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Weiterbildung zum Dipl. Permakultur – Gestalter an der Permakultur Akademie intensiv mit allen Formen der Permakultur. Mein derzeitiger Schwerpunkt liegt auf regenerativen Anbauformen, Wassermanagement und Klimaanpassung mit Permakultur sowie Online-Kursen.

Zusammen mit der Hamburger Organisation PermaStart habe ich erfolgreich ein Crowdfunding für den ersten Online Einführungskurs in die Permakultur durchgeführt. Außerdem bin ich im Permakultur Institut e.V. im Verbindungskreis, im IT-Team und dem Kreis Öffentlichkeitsarbeit aktiv.

Kontakt: [email protected]

Titelbild von Couleur auf Pixabay